Wo Geschichte lebendig wird
28.07.2026 Region Unterfreiamt, Auto, SarmenstorfOldtimer, Flugzeugtriebwerk und historische Maschinen begeisterten in Sarmenstorf zahlreiche Besucher
Der unverwechselbare Duft von Diesel, das rhythmische Stampfen alter Motoren und glänzend polierte Oldtimer versetzten Sarmenstorf am vergangenen Samstag ...
Oldtimer, Flugzeugtriebwerk und historische Maschinen begeisterten in Sarmenstorf zahlreiche Besucher
Der unverwechselbare Duft von Diesel, das rhythmische Stampfen alter Motoren und glänzend polierte Oldtimer versetzten Sarmenstorf am vergangenen Samstag zurück in vergangene Zeiten.
Stefan Hotz
Auf dem Brunnmatt-Gelände der Interessengemeinschaft Oldi Technik trafen sich auch dieses Jahr Liebhaber historischer Fahrzeuge, Maschinen und traditioneller Handwerkskunst zur Ausstellung «Motoren – Räder – Raupen». Unter dem Motto «Technik von damals – die heute begeistert und sogar noch läuft» erlebten zahlreiche Besucher Technikgeschichte hautnah – und vor allem in Bewegung.
Bereits am Freitagabend hatte das traditionelle Feierabendbier in der Latzhosen-Bar viele Gäste auf das Wochenende eingestimmt. Am Samstagmorgen füllte sich das Ausstellungsgelände dann rasch mit Interessierten aus der ganzen Region und darüber hinaus. Anders als bei vielen klassischen Oldtimertreffen standen die Fahrzeuge und Maschinen nicht einfach still nebeneinander. Die Organisatoren legten grossen Wert darauf, die historische Technik möglichst im Betrieb zu präsentieren und den Besuchern ein authentisches Erlebnis zu bieten.
Nicht statisch, sondern in Bewegung
Genau darin liegt für Alex Hagenbuch von der IG Oldtimer der besondere Reiz des Anlasses. «Die Idee dahinter ist: In einem Museum ist alles statisch, wir wollen die alten Maschinen in Bewegung zeigen.» Dieser Gedanke zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Ausstellung. Überall konnten die Besucher Motoren hören, Maschinen arbeiten sehen und Technik hautnah erleben.
Ob liebevoll restaurierte Traktoren, elegante Oldtimer-Automobile, historische Motorräder oder imposante Lastwagen – an beinahe jeder Ecke gab es etwas zu entdecken. Immer wieder ertönte das Knattern alter Motoren, während fachkundige Besitzer bereitwillig Auskunft über die Geschichte und Technik ihrer Schmuckstücke gaben. Viele Besucher nutzten die Gelegenheit, mit den Ausstellern ins Gespräch zu kommen und Erinnerungen an längst vergangene Zeiten aufleben zu lassen.
Viele staunende Gesichter
Für besondere Aufmerksamkeit sorgten die eindrücklichen Vorführungen verschiedener Maschinen. Mehrmals am Tag wurde das Triebwerk eines ehemaligen Trainingsflugzeugs vom Typ Aero L-29 Delfin gestartet. Der markante Klang des Turbinentriebwerks zog zahlreiche Zuschauer an und sorgte für staunende Gesichter.
Ebenfalls ein Blickfang war das ausgestellte Ausbildungsmodell einer RAF Spitfire MK9 (Prop), welches ursprünglich aus dem Boeing Museum in Seattle stammt und als letztes erhaltenes Exemplar dieser Art gilt.
Hagenbuch selbst präsentierte an der Ausstellung vier historische Objekte. Besonders eindrücklich ragte dabei der imposante Brückenpanzer aus der Ausstellung heraus und zog zahlreiche neugierige Blicke auf sich. Solche aussergewöhnlichen Exponate gehören für ihn zum Konzept der Veranstaltung. «Ich möchte jeweils zwei bis drei spezielle Acts dabei haben, wie dieses Jahr die Turbine und den Flieger. Das muss alles zuvor mobilisiert werden», erklärte er.
Maschine förmlich spürbar
Nicht minder spektakulär präsentierte sich die historische Delmag-Explosionsramme, die früher unter anderem beim Bau von Autobahnen und anderen Grossprojekten zum Einsatz kam. Als das imposante Gerät in Betrieb genommen wurde, war die Wucht der Maschine förmlich zu spüren. Der Boden vibrierte bei jedem Schlag, während sich grosse Staubwolken erhoben und den Zuschauern eindrucksvoll vor Augen führten, mit welchen Kräften damals gearbeitet wurde. Zahlreiche Besucher zückten ihre Smartphones, um dieses selten gewordene Schauspiel festzuhalten. Eindrucksvoll präsentierte sich auch die gewaltige Gotthard-Raupen-Schneefräse aus dem Jahr 1943. Obwohl weit und breit kein Schnee zu sehen war, demonstrierten die Besitzer, wie der mächtige Saurer-BXD-Motor mit Pressluft gestartet wird. Das charakteristische Zischen der Druckluft und das anschliessende tiefe Brummen des Motors versetzten Technikbegeisterte ebenso ins Staunen wie jüngere Besucher, die diese Art des Motorstarts zum ersten Mal miterlebten.
Auch das historische Kieswerk war während der Ausstellung in Betrieb. Mit erstaunlicher Leichtigkeit zerkleinerte die alte Anlage Steine zu Kies und zeigte, wie robust und langlebig die Technik früherer Generationen gebaut wurde. Immer wieder blieben Besucher stehen, beobachteten die mechanischen Abläufe und liessen sich die Funktionsweise erklären. Doch nicht nur Technikfans kamen auf ihre Kosten. Für Familien standen ein nostalgisches Kettenkarussell sowie die beliebten Furypferdchen bereit, welche von den jüngsten Gästen mit grosser Begeisterung genutzt wurden. In der Festwirtschaft herrschte den ganzen Tag über reger Betrieb. Bei Speis und Trank sowie kühlen Getränken genossen viele Besucher das gemütliche Beisammensein, während die Dumpergirls unterwegs für willkommene Erfrischungen sorgten.
Glücklicher Organisator
Dass sich der grosse Aufwand lohnt, zeigte sich für den Organisator am Ende des Tages nicht nur an den zahlreichen Besuchern, sondern vor allem an deren Reaktionen. «Die gute Stimmung und die Dankbarkeit der Leute» hätten ihm am meisten gefallen, fasste Alex Hagenbuch zusammen.
Auch Besucherin Annemarie Haueter zeigte sich von der Vielfalt der Ausstellung begeistert: «Mich interessieren grundsätzlich alle alten Werkzeuge und Maschinen.» Besonders angetan hatte es ihr das historische Kieswerk: «Der Steinbrecher hat mir besonders gefallen.» Die ausgestellten Geräte würden Erinnerungen an frühere Zeiten wecken. «Mir gefällt die gezeigte Vielfalt, es hat für jeden etwas dabei. Ich komme bestimmt nächstes Jahr wieder.»
Mit dem gelungenen Mix aus röhrenden Motoren, historischen Fahrzeugen, eindrucksvollen Vorführungen und gelebter Technikgeschichte bewies die Ausstellung einmal mehr, dass Oldtimer weit mehr sind als nostalgische Ausstellungsstücke. In Sarmenstorf wurde Vergangenheit nicht einfach präsentiert – sie wurde gestartet, bewegt und für einen Tag wieder lebendig.




