Wirbel um Verbotsschild
29.05.2026 Bremgarten, Hermetschwil-Staffeln, Schule, JugendEin Schild sorgt für Aufregung
In Hermetschwil-Staffeln wehren sich Kinder und ihre Eltern gegen eine neue «Benützungsordnung», die ab sofort für die Schul- und Sportanlage Staffeln gelten soll. Die neuen Regeln würden die Spielzeit beim ...
Ein Schild sorgt für Aufregung
In Hermetschwil-Staffeln wehren sich Kinder und ihre Eltern gegen eine neue «Benützungsordnung», die ab sofort für die Schul- und Sportanlage Staffeln gelten soll. Die neuen Regeln würden die Spielzeit beim wichtigen Kindertreffpunkt massiv einschränken. Man sammelt deshalb Unterschriften und schreibt einen Brief an den Bremgarter Stadtrat. Noch bevor dieser im Rathaus eintrifft, reagiert die Ressortvorsteherin bereits. --huy
Kinder aus Hermetschwil-Staffeln wehren sich beim Stadtrat
Seit Kurzem steht ein Schild auf dem Spiel- und Sportplatz in Hermetschwil-Staffeln. Darauf wird die Nutzung der Anlage stark eingeschränkt. Das sorgt bei Kindern und Eltern gleichermassen für Empörung. Sie wenden sich mit einem Schreiben an den Stadtrat. Doch dieser beschwichtigt. Es handle sich um ein Missverständnis.
Marco Huwyler
Der Sommer hat temperaturmässig auch in Hermetschwil-Staffeln Einzug gehalten. Da ist es sinnvoll, körperliche Ertüchtigung in die Abendstunden zu verlegen. Doch als die Kinder von Vanessa Prina ebendies vor ein paar Tagen tun wollten, da trauten sie ihren Augen kaum. Am Eingang zur Sportanlage Staffeln hing diese Woche plötzlich ein neues Schild.
Die Botschaft darauf unter anderem: Die Benutzung des Platzes sei nun am Wochenende nach 18 Uhr untersagt. «Meine Kinder rannten sofort zu uns. Ziemlich aufgebracht und eingeschüchtert», erzählt die Hermetschwil-Stafflerin. Denn – auf besagtem Schild sind nicht bloss die neuen offiziellen «Öffnungszeiten» der Schul- und Sportanlage festgehalten, die bislang gänzlich ohne solches auskam – die neue «Benützungsordnung» enthielt auch die Androhung einer empfindlichen Busse von «bis zu 2000 Franken» bei Zuwiderhandlung.
Erst Verunsicherung – dann Unterschriftensammlung
Schnell machte die Nachricht die Runde im Dorf. Und empörte nicht nur die Familie Prina. «Das Ganze war innert kürzester Zeit Gesprächsthema Nummer eins», erzählt die zweifache Mutter. Schliesslich sei der Schul- und Sportplatz nicht irgendein Ort. «Es ist DER Treffpunkt aller Dorfkinder.» Vor allem am Wochenende tummeln sich hier Kinder aller Altersklassen. Ob bei «Tschutte», «Fangis» oder «Räuber und Poli» – hier können sie sich austoben und «chillen». Unter ihresgleichen einfach Kind sein. Plötzlich soll dies also nicht mehr möglich sein bzw. deutlich eingeschränkt werden? «Das Schild hat für grosse Verunsicherung gesorgt», sagt Prina. «Vor allem auch der Wortlaut. Viele Kinder getrauten sich gar nicht mehr auf die Anlage.»
Rasch organisiert sich indes der Widerstand. Diese neue «Benützungsordnung» ohne vorherige Ankündigung will man nicht einfach hinnehmen in Hermetschwil-Staffeln. Kinder beginnen Unterschriften zu sammeln und werden dabei von ihren Eltern unterstützt. Rund 100 sind innert kürzester Zeit zusammengekommen. Zusammen mit einem eindringlichen Brief an den Stadtrat sollen sie noch diese Woche im Rathaus eingereicht werden. Die Botschaft der Kinder: «Wir möchten lebendiger Teil dieser Gemeinde sein – nicht an den Rand gedrängt werden.» Sie bitten den Stadtrat im stellvertretend von Nadja Diethelm (auch sie eine betroffene Mutter) formulierten und unterzeichneten Brief, die neue Benützungsordnung für die Sportanlage Staffeln nochmals zu überprüfen. Sogar Vorschläge zur Überarbeitung unterbreiten sie dem Stadtrat.
Die Stadträtin reagiert
Wobei solcherlei voraussichtlich gar nicht nötig sein wird. Denn die vermeintliche Neuregelung war kein Beschluss der Bremgarter Regierung, dem ein neues Konzept oder dergleichen zugrunde liegt. Die zuständige Stadträtin Claudia Bamert musste selbst erst abklären, wie es dazu kam. «Es handelt sich dabei um ein klassisches Missverständnis», erklärt sie schliesslich. Kürzlich seien in Bremgarten im Rahmen des normalen Unterhalts die verwitterten Tafeln bei den Sportanlagen Bärenmatte und Isenlauf ersetzt worden. In diesem Zusammenhang wurde offenbar festgestellt, dass bei der Anlage in Staffeln bislang keine entsprechende Tafel vorhanden war. «In der Absicht, die Beschilderung in Bremgarten zu vereinheitlichen, wurde deshalb auch dort eine Tafel montiert», sagt Bamert.
Der Stadträtin tut es leid, dass die Aktion zu Ärger und Unmut geführt hat. «Dies war keineswegs die Absicht», beteuert sie. Bamert hat bereits veranlasst, dass das Schild wieder entfernt wird. «Denn ich bin stets der Meinung, dass man Bewährtes nicht unnötig neu regeln sollte.» Zumal es in Staffeln nie zu grösseren Problemen oder Reklamationen gekommen sei.
Generelle Problematik
So hat sich das Ganze letztlich als Sturm im Wasserglas entpuppt. Doch bei den Kindern und Eltern in Hermetschwil-Staffeln hat es dennoch etwas ausgelöst. Der Wortlaut auf der Beschilderung habe bei den Kindern das Gefühl, unerwünscht zu sein und primär als Problem gesehen zu werden, nochmals verstärkt, berichten die Eltern in Hermetschwil-Staffeln. «Ich beobachte generell, dass unsere Gesellschaft sehr intolerant gegenüber Kindern geworden ist», sagt Prina. Scheinbar nichts werde mehr geduldet.
Alleine in den Frühlingsferien seien ihre Kinder mehrmals aus den Quartiersträsschen verjagt worden – zuweilen gar unter Androhung der Polizei. «Dabei haben sie nichts Aussergewöhnliches oder Böses gemacht. Bloss ganz normale Kinderaktivitäten. Schwatzen, Spielen, Lachen, Tanzen …» Letztlich sei man halt unausweichlich im eigenen Garten gelandet – mit sämtlichen «Gspänli» aus der Nachbarschaft. «Doch nicht alle Familien haben dieses Privileg», sagt Prina. «Deshalb ist es unabdingbar, dass auch Kinder ihren Raum in unserer Öffentlichkeit erhalten.»
Wäre die Benützungsordnung bei der Sportanlage Staffeln tatsächlich so umgesetzt worden wie auf dem Schild, wäre dies für die Mutter bloss das negative i-Tüpfelchen gewesen. Sie wünscht sich generell mehr Verständnis für den Nachwuchs. «Lasst doch Kinder einfach nur Kinder sein», appelliert Prina – nicht bloss an die Stadt, sondern an die ganze Gesellschaft.
Für sich selbst einstehen
Letztlich hat die Hermetschwil-Staffler Kontroverse um ein Schild auch ihr Positives. Mit ihrem Engagement haben die Kinder etwas ausgelöst. Dafür gibt es sogar Lob aus dem Bremgarter Rathaus. «Die Unterschriftensammlung der Kinder finde ich super», sagt Stadträtin Claudia Bamert. Das Engagement verdiene Anerkennung und Respekt. Denn: «Ich finde es wichtig, dass Kinder früh lernen, ihre Meinung zu äussern, sich für ihre Anliegen einzusetzen und Verantwortung zu übernehmen.» Und das hätten die Kinder in betreffendem Fall vorbildlich getan, findet Bamert, die überdies betont, dass man im Stadtrat stets ein offenes Ohr habe. Das Anliegen bzw. der Unmut über die vermeintlichen neuen Öffnungszeiten werde generell ernst genommen und könnte auch auf andere Sportanlagen Auswirkungen haben. «Wir werden die Situation in Bremgarten – insbesondere die Regelung beim Isenlauf – nochmals überprüfen», verspricht Bamert.

