Wenn Geschichten auf Wein treffen
24.03.2026 Region Unterfreiamt, Kultur, Villmergen, Bücher, LiteraturKulturkreis Villmergen: «Wein und Worte» mit Autor Paul Steinmann und René Schmidli
Ein Gong eröffnet den Abend, danach entfaltet sich ein fein abgestimmtes Zusammenspiel aus Literatur und Wein. Beim Anlass des Kulturkreises Villmergen verbinden Paul ...
Kulturkreis Villmergen: «Wein und Worte» mit Autor Paul Steinmann und René Schmidli
Ein Gong eröffnet den Abend, danach entfaltet sich ein fein abgestimmtes Zusammenspiel aus Literatur und Wein. Beim Anlass des Kulturkreises Villmergen verbinden Paul Steinmann und René Schmidli auf eindrückliche Weise Geschichten und Genuss.
Es liegt eine gespannte Erwartung im Raum. Dann erklingt der Gong. Er setzt den Auftakt zu einem Abend, der im Zeichen von Wein und Literatur steht. Es folgt ein Wechselspiel aus Worten und Aromen, aus heiteren Momenten und leisen Zwischentönen.
Paul Steinmann eröffnet mit kontrastreichen Geschichten, mal humorvoll, mal nachdenklich. Er zieht das Publikum rasch in seinen Bann. Frei erzählt er im Aargauer Dialekt, lebendig und mit feinem Gespür für das Timing. Es entstehen Szenen aus dem Alltag, die oft unerwartet nachhallen. «Wo nimmt der Paul die vielen Ideen her?», fragt sich jemand im Publikum. Eine spontane Reaktion auf die Fülle und Vielseitigkeit seiner Erzählungen.
Die Dynamik des Publikums
Was seine Auftritte von einer klassischen Lesung unterscheidet, beschreibt Steinmann selbst: «Man kann das hier nicht proben. Vieles entsteht spontan aus der Dynamik mit dem Publikum.» Gerade in Villmergen sei dies besonders spürbar. «Ich fühle mich hier sofort getragen, ich bin im Herzen immer noch ein Villmerger. Es ist ein Heimspiel, viele Gesichter sind mir hier noch bestens vertraut.»
Im Wechsel dazu führt René Schmidli von der Vinothek Villmergen durch die Welt der Weine. Für ihn ist klar: «Wein und Geschichten sind Kultur und Kultur ist wichtig für ein Dorf.» Mit ruhiger Präsenz und spürbarer Leidenschaft erklärt er verständlich, was im Glas steckt. Begriffe wie Säure, Mineralität oder Textur werden nicht theoretisch abgehandelt, sondern anschaulich erfahrbar gemacht. Säure zeigt sich dabei als Frische und Lebendigkeit, Textur als Gefühl im Mund, von leicht und spritzig bis weich und rund.
Wissen vermitteln
René Schmidli ist auch Gemeinderat in Villmergen. Diese zusätzliche Rolle bleibt an diesem Abend im Hintergrund, unterstreicht aber sein Verständnis von Kultur als Teil des Dorflebens. «Ich will das vermitteln, mein Wissen weitergeben. Darum bin ich hier so gerne dabei», sagt er. Der Abend lebt von dieser Verbindung. Auf eine Geschichte folgt ein Wein. Die Übergänge wirken sorgfältig gesetzt, nichts dem Zufall überlassen. Während Steinmann mit seinen Geschichten Bilder entstehen lässt, ordnet Schmidli das Erlebte ein und gibt Herkunft sowie Charakter der Weine bekannt, das alles gibt dem Abend Kontur. Mal begleitet ein heiterer Text einen frischen Weisswein, mal führt eine nachdenkliche Passage zu einem kräftigen Rotwein.
Die Reise spannt sich vom Riesling-Sylvaner aus Lenzburg bis hin zum Shiraz aus Australien. Dazwischen zeigen verschiedene Weine, wie unterschiedlich Herkunft und Stilistik wirken können, vom strukturierten Klassiker aus der «Alten Welt» bis zum fruchtgeprägten Vertreter aus der «Neuen Welt».
«Wein braucht Zeit, genau wie Geschichten»
Dass der Anlass überhaupt zustande kam, hat eine Vorgeschichte. «Wir durften bereits früher einen Abend für den Kulturkreis Villmergen gestalten, damals zum Thema Gin», erklärt René Schmidli. Dieser sei auf grosses Interesse gestossen, weshalb die beiden erneut eingeladen worden seien, diesmal mit dem Fokus auf Wein und Literatur.
Immer wieder wird deutlich, wie eng Wein und Geschichten miteinander verbunden sind. «Wein braucht Zeit, genau wie Geschichten», lautet eine der treffenden Aussagen. Beides entfaltet seine Wirkung nicht sofort, sondern gewinnt mit jeder Minute an Tiefe.
Auch das Publikum wird Teil dieses Zusammenspiels. Lachen, zustimmendes Nicken und aufmerksame Stille wechseln sich ab. So entsteht über rund zwei Stunden ein Abend, der Gegensätze zulässt und gerade daraus seine Stärke bezieht. Unterhaltsam, aber nie oberflächlich. Informativ, ohne belehrend zu wirken. Und immer wieder mit Momenten, die über das Gesagte hinauswirken.
Am Ende bleibt ein Satz aus dem Publikum hängen: «Isch de Paul scho fertig?» Fast ein wenig bedauernd gestellt. Ein besseres Kompliment für einen Abend, der noch lange nachklingt, lässt sich kaum finden. --str

