Strategische Führung ermöglichen
17.02.2026 Mutschellen, Berikon, Parteien, PolitikDie Mitte, GLP und SP luden zum Infoabend über die Erhöhung des Stellenplans um 100 Prozent ein
Am 8. März entscheiden die Beriker Stimmberechtigten an der Urne über eine Erhöhung des Stellenplans um 100 Prozent auf der Verwaltung für die ...
Die Mitte, GLP und SP luden zum Infoabend über die Erhöhung des Stellenplans um 100 Prozent ein
Am 8. März entscheiden die Beriker Stimmberechtigten an der Urne über eine Erhöhung des Stellenplans um 100 Prozent auf der Verwaltung für die Umsetzung des Verwaltungsleitermodells. Am Infoabend gab Verwaltungsleiter Patrick Vogel Einblick in die Strukturen der Verwaltung. Zudem wurden viele Fragen gestellt.
Roger Wetli
«Die Finanzkommission hat ein ziemlich grosses Gewicht in der Gemeinde. Wieso verhält sie sich in dieser Abstimmung sehr ruhig?», wollte jemand in der Fragerunde wissen. Anwesend war Fiko-Präsident Rudolf Vögeli. Er kündigte an: «Die Fiko wird sich noch öffentlich äussern. Wir unterstützen die Stellenprozenterhöhung. Lieber hätten wir, wenn diese 100 Prozent aus dem bisher nicht vollständig ausgenutzten Stellenplan der Gemeinde genommen würden. Diese Stellen sind aktuell noch zu sehr für die verschiedenen Abteilungen reserviert.» Die Fiko möchte diese Barrieren aufbrechen und hat an der letzten Gemeindeversammlung einen entsprechenden Antrag gestellt. Vögeli erklärte: «Der jetzige Urnengang hätte verhindert werden können, wenn statt der Stellenprozenterhöhung diese noch nicht besetzten Stellen umhergeschoben worden wären.» Frau Gemeindeammann Petra Oggenfuss Feldgrill entgegnete: «Das hätte den Eindruck erwecken können, dass wir sie versteckt einführen. Das wollten wir verhindern.»
Die jetzt beantragten Stellen dienen laut Gemeinderat dazu, das Verwaltungsleitermodell noch konsequenter umzusetzen und den Gemeinderat von operativen Arbeiten fernzuhalten. Der ehemalige Gemeinderat Otto Eggimann unterstützt diesen Plan. «In meiner Zeit im Rat waren wir sicher zu 75 Prozent operativ tätig. Das Strategische blieb auf der Strecke.» Dieses sei aber enorm wichtig für eine Gemeinde. «Deshalb stehe ich zu 100 Prozent hinter dem Antrag.»
Delegation nach oben
Vor der Fragerunde präsentierte Verwaltungsleiter Patrick Vogel, was das Verwaltungsleitermodell genau ist und wie es nun weitergehen soll. Er erklärte, dass es früher in jeder Abteilung dem Leiter eine Stellvertretung beistand. «Heute gibt es nur noch einen Leiter und ich bin der Stellvertreter. Bei Ausfällen wird neu nach oben delegiert.» Eine Anwesende wollte deshalb wissen, was bei einem Ausfall von Vogel passiert. «Das wird abgefedert, weil ich mich entsprechend abgesichert habe. Auch ich darf mal krank sein, möchte es aber nicht», erklärte Patrick Vogel.
Viele Anwesenden stören sich an der Art und Weise, wie das Referendumskomitee für sein Anliegen aufmerksam macht. Anwesend war auch der neue Gemeinderat Yves Blülle, der vor zwei Jahren eine ähnliche Vorlage bekämpft hatte. Er wurde gefragt, ob er jetzt in den ersten 1,5 Monaten im Amt positive Erfahrungen mit dem neuen Modell gemacht hat. Blülle antwortete: «Meine private Meinung ist bekannt. Ich stehe jetzt zum Kollegialitätsprinzip und vertrete dieses auch.»
Kritik an Verwaltung als genereller Trend
Jemand anderes wollte von Patrick Vogel wissen, wieso in Berikon ständig auf der Gemeindeverwaltung herumgehackt werde. Der Verwaltungsleiter mutmasste: «Es gibt generell kritische Stimmen gegenüber der Verwaltung - nicht nur bei uns. Sie kommen von denselben politischen Kräften, die mit neuen Gesetzen dafür sorgen, dass diese durch grössere Verwaltung umgesetzt werden müssen.» Ein Grund könne aber auch sein, dass der gesetzliche Spielraum bei Entscheidungen der Verwaltungen heute kleiner sei als früher. «Bei negativen Beschlüssen machen wir uns deshalb nicht beliebt. Zum Beispiel, wenn wir Baugesuche ablehnen.»
Am Infoabend wurde der Gemeinderat nach einem Plan B gefragt, sollte diese Stellenprozenterhöhung abgelehnt werden. Petra Oggenfuss Feldgrill: «Dann werden wir mit den aktuellen Stellenprozenten weiterarbeiten und wohl nur noch die gesetzlich dringenden Arbeiten ausführen. Und wir werden wieder vermehrt teure externe Firmen beauftragen müssen.» Ruedi Vögeli schlug vor, als Plan B den Vorschlag der Fiko umzusetzen. Einig schienen sich an diesem Abend alle, dass es diese Stellenprozenterhöhung braucht.
Gleich gross werden wie Rudolfstetten
Patrick Vogel betonte vor seinen Erklärungen, dass diese nicht politisch geprägt seien, sondern ausschliesslich sachlich. «Ich möchte hier keinen Leuchtturm realisieren, sondern eine moderne Verwaltung ermöglichen.» Ihn habe die Stelle in Berikon gerade deshalb gereizt, weil er mit dieser nicht nur verwalte, sondern auch gestalte. «Früher zeichnete der Gemeindeammann neben seinem normalen Job und seinem Familienleben verantwortlich für alle Abteilungen. Mit dem Verwaltungsleitermodell bin ich es.»
Vogel zeigte die Unterschiede zwischen einem Verwaltungsleiter und einem Gemeindeschreiber: «Der Verwaltungsleiter berät den Gemeinderat und die Kommissionen in Sachen Strategie, kümmert sich um das Personal, die Kommunikation, die Prozesse und um das Risiko- und Projektmanagement.» Der Gemeindeschreiber habe dagegen den Fokus auf die Vor- und Nachbereitungen von Sitzungen, berate den Gemeinderat in rechtlichen Belangen und sei für die Durchführung von Wahlen und Abstimmungen zuständig.
Seit er im November 2023 seine Stelle in Berikon begann, habe er unter anderem ein Reporting an den Gemeinderat aufgebaut, die Verwaltung an das Smart-Service-System angeschlossen, ein Pachtlandreglement erarbeitet und die Pachtverträge 2026 bis 2029 abgeschlossen. «In den verschiedenen Abteilungen sparen wir jetzt jährlich 100 000 Franken Lohnkosten, der Sachaufwand sank um jährlich rund 170 000 Franken und mit weiteren Optimierungen bei Auftragsvergaben geben wird jetzt rund 30 000 Franken weniger aus.» Nur schlecht beziffern lasse sich, wie viel jetzt gespart werde, weil weniger externe Firmen Aufträge erledigen. «Die juristischen Beratungen lösen wir mehrheitlich intern», so Vogel. «Und durch eine bessere Raumnutzung benötigen wir jetzt ein Zimmer weniger. Dieses vermieten wir bald. Wodurch wir Einnahmen generieren.»
Trotzdem blieben aber noch viele Aufgaben liegen. «Die Beratungen in den Kommissionen finden aktuell zum Beispiel gar nicht statt. Und die Arbeitszeiterfassung erfolgt immer noch mit Excel.» 160 Stellenprozente seien heute für den Verwaltungsleiter und Gemeindeschreiberei gesprochen. Davon würden rund 140 Prozent für die Schreiberei investiert. «Die zusätzlichen 100 Prozent benötigen wir deshalb, um das Verwaltungsleitungsmodell richtig umzusetzen», betonte er. Vogel verglich: «Bei einer Annahme hätten wir 260 Stellenprozente. Das ist gleich viel wie in Rudolfstetten-Friedlisberg, wo der Gemeindeschreiber von zwei Stellvertretern unterstützt wird.»
Keine Steuererhöhung wegen mehr Personal
Petra Oggenfuss Feldgrill erklärte, dass der aktuelle Antrag keine Luxuslösung sei. «Es geht darum, das Milizsystem des Gemeinderates zu stärken. Wir sind alle berufstätig und brauchen die Unterstützung der Verwaltung.» Ein Ammann im Berufsleben könne nicht im Nebenamt noch eine Verwaltung führen. Sie betonte: «Durch die Stellenprozenterhöhung gibt es keine Erhöhung des Steuerfusses. Diese wird wohl nötig, weil wir in den nächsten Jahren in Berikon mit Investitionen von rund 30 Millionen Franken rechnen. Natürlich können Sie über jedes Projekt an einer ‹Gmeind› abstimmen.»
Mit je fünf Personen sprechen
GLP-Mutschellen-Co-Präsident Lukas Huber machte den Anwesenden Mut, dass diese Abstimmung trotz starkem Gegenwind zu gewinnen sei. «Wir sind heute Abend zwar nur wenige. Wenn jeder von ihnen aber mit fünf weiteren Personen über das Thema spricht, können wir etwas bewirken.» Anthony Paine war überzeugt: «Wir sollten nach diesem Abend mehr wissen als zuvor.»

