Strategie für eine starke Schule
19.05.2026 Boswil, Region Oberfreiamt, Politik, SchuleSVP-Regierungsrätin Martina Bircher spricht bei der Bezirkspartei in Boswil über die Volksschule
Martina Bircher berichtet in ihrem Vortrag über ihre ersten Erfahrungen und Schwerpunkte als Vorsteherin der Volksschule im Aargau. Dabei ging sie der Frage ...
SVP-Regierungsrätin Martina Bircher spricht bei der Bezirkspartei in Boswil über die Volksschule
Martina Bircher berichtet in ihrem Vortrag über ihre ersten Erfahrungen und Schwerpunkte als Vorsteherin der Volksschule im Aargau. Dabei ging sie der Frage nach, warum in den Nordländern die Digitalisierung so gut funktioniert und wo sie ansetzen will, damit die Qualität der Volksschule im Aargau gut bleibt.
Verena Anna Wigger
Die Pisa-Studie belegt mehrfach, dass die Volksschule in den nordischen Staaten, wie Dänemark oder Estland bessere Resultate hervorbringt. Martina Bircher, Regierungsrätin und Vorsteherin im Departement Bildung, Kultur und Sport, wollte dem auf die Spur kommen. Wie sie sagt, liegen ihr Studien nicht. «Ich schaue mir das lieber am Ort des Geschehens an», sagt die Ökonomin. So bereiste sie zusammen mit ihren Spitzenbeamten die Nordländer und stellte fest: «In den unteren Klassen gibt es kein einziges Tablet. Es wird nach dem Leitsatz ‹mit Kopf, Herz und Hand› gearbeitet», sagt sie. Dieser Grundsatz legt mehr Wert auf musische Fächer. Kinder werden hier stark gefördert. Weiter überzeugte sie das Modell, dass dafür die Lektionen in den oberen Klassen umso wirkungsvoller sind.
Sprachunterricht, gestützt oder nicht, macht den Unterschied
Dies zeigt sich laut der SVP-Politikerin auch im Lernen der Sprachen. Früher habe man daraufgesetzt, dass Kinder früh verschiedene Sprachen lernen sollten. Nun habe es sich aber gezeigt, dass Sprachunterricht, der nicht gestützt werde, wenig bringt. Wenn eine Sprache erlernt wird, diese aber im Alltag nicht angewendet wird, bleibt der langfristige Lernerfolg aus. Früher seien vielleicht zwei Kinder fremdsprachig gewesen, doch diese hätten auch ausserhalb der Schule Deutsch gelernt. Das hat die Regierungsrätin während ihrer Schulzeit erlebt. Da heute generell 40 Prozent der Schüler fremdsprachig seien, sei dies nicht mehr gegeben, dass die Kinder neben der Schule Deutsch sprechen und lernen, erklärt die Vorsteherin der Volksschule.
Ein anderes Phänomen im Bezug aus Sprache sind Kinder von Familien, die in die Schweiz gezogen oder geflüchtet sind. Bircher sagt, die Schule sei ein Abbild der Gesellschaft. Wenn in der Familie die Muttersprache gesprochen wird und die Kinder beim Eintritt in den Kindergarten kein Deutsch sprechen, bleibt dieser Nachteil bis zum Ende der Schule bestehen. Heute erlebt man in den Spielgruppen, dass Kinder zum Teil kein Deutsch sprechen. Diese Defizite belasten Kind und System, so die Ausführungen von Bircher. Auf eine Frage nach den Gründen bezüglich der fehlenden Deutschkenntnisse sagt Bircher, dass beispielsweise Angst und Vorurteile bezüglich «Identitätsverlust» eine Rolle spielen.
Abfrage bei den Eltern starten
Als ehemalige Gemeinderätin von Aarburg startete sie eine Umfrage bei Eltern von Vorschulkindern. «90 Prozent der Eltern haben den Fragebogen ausgefüllt retourniert», sagt Bircher. Diese gaben an, wie gut ihre Kinder Deutsch sprechen. Daraufhin hat die Gemeinde gezielte Massnahmen eingeleitet, welche die Kinder in der Spielgruppe gefördert hat. Allein diese Förderung bringe eine grosse Entlastung des Schulsystems, weiss Bircher. Darum wird dieses System im Kanton Aargau nun eingeführt. Ab 2027 wird die Sprachstandserhebung für alle Eltern obligatorisch, ansonsten würden Bussen erhoben, so Bircher weiter. Die Kinder erhalten in den Spielgruppen ein niederschwelliges, einfaches Angebot, welches ihre Kompetenzen erhöht. Dies hat sich im Pilotprojekt, welches Bircher in Aarburg gestaltete, gezeigt. «Die Lehrkräfte stehen vor gewaltigen Herausforderungen», sagt sie.
Digitale Nutzung abstimmen
Die Regierungsrätin ging auch auf die Empfehlung der Pro Juventute betreffend Nutzung von digitalen Medien bei Kindern ein. Diese sagt aus, dass Kleinen in Spielgruppen und im Kindergartenalter 30 bis 60 Minuten empfohlen werden. Bircher, selbst Mutter eines achtjährigen Buben, gestand: «Es ist ein ständiger Kampf.» Selbst die Gastgeberin Nicole Heggli-Boder, SVP-Grossrätin, hat sich ein Foto der Zeiten gemacht. Sie sagte im Anschluss: «Das werde ich mit meinen Kindern noch besprechen.» Denn was es heisst, verantwortungsvoll mit dem Handy umzugehen, zeigte ein Versuch von zwei Aargauer Klassen. Während zwei Wochen haben sie auf das Handy verzichtet. Dass die Aufmerksamkeitsspanne sich ohne Handy in Raum und Reichweite verdoppelt, war eindrücklich.
Massnahmenpaket geschnürt
Mit verschiedenen Massnahmen möchte Bircher die Qualität der Volksschule hochhalten. Ins Strategiepaket werden Massnahmen für die Integration, Deutschkompetenz und Fremdsprachenkompetenz gehören. Auch der Ausbau der Förderklassen liegt ihr am Herzen. So ist ihr erklärtes Ziel, im Sommer in 15 Gemeinden mit Förderklassen zu beginnen. «Das werden wir übertreffen», sagt sie. In einem weiteren Schritt soll auch etwas für die Förderung hochbegabter Schüler unternommen werden. Bircher: «Jedes Kind zur richtigen Zeit in der richtigen Klasse», gegen dieses Ziel könne niemand etwas haben.

