Spuren in der Gesellschaft gefolgt
08.05.2026 Region Oberfreiamt, Jugend, BildungAngelina Franjic gewinnt Silber-Auszeichnung beim Schweizer-Jugend-forscht-Final in Muttenz
Die Boswiler Kantischülerin verfasste ihre Maturarbeit zum Thema: «Welche Spuren hat die Schlacht um Vukovar 1991 in der Stadt und Gesellschaft hinterlassen?» Die ...
Angelina Franjic gewinnt Silber-Auszeichnung beim Schweizer-Jugend-forscht-Final in Muttenz
Die Boswiler Kantischülerin verfasste ihre Maturarbeit zum Thema: «Welche Spuren hat die Schlacht um Vukovar 1991 in der Stadt und Gesellschaft hinterlassen?» Die Arbeit wurde beim 60. Nationalen Wettbewerb mit der Auszeichnung «Silber» belohnt.
Verena Anna Wigger
Angelina Franjic sagt, dass sie aus der Arbeit gelernt hat, «man sollte immer beide Seiten anhören». Ihre Recherche basierte auf einer Kombination aus Literaturrecherche und Forschung im Bereich der Oral History. Was bedeutet, dass sie mit einer Zeitzeugin des Krieges, einer Vertreterin der Nachkriegsgeneration sowie einer politwissenschaftlich ausgebildeten Person Gespräche führte. Dies brachte ihr die Erkenntnis, dass der Krieg zwischen der kroatischen und der serbischen Bevölkerung Spuren in der Stadt und der Gesellschaft hinterlassen hat. Hass und Verfeindungen sind Tabuthemen der Geschichte ihrer Heimat. Denen folgte sie.
Sie, die in der Schweiz aufwächst und hier zur Schule geht, lebt laut eigenen Aussagen in einem kroatischen Haushalt. Hier werden die kroatischen Nachrichten verfolgt, und in den Ferien besucht die Familie die alte Heimat und die restliche Familie. So hat die neunzehnjährige Schülerin im Rahmen ihrer Arbeit auch die Stadt Vukovar besucht. Zusammen mit Eltern, Onkeln und Tanten. «Der Kriegstourismus spielt im heutigen Vukovar eine zentrale Rolle», das sei ihr beim Besuch ins Auge gefallen, sagt die Boswilerin. Dabei erlebt sie, wie die betroffenen Menschen darauf verzichten, über die Geschehnisse von 1991 zu reden, insbesondere auch in der eigenen Familie.
In der Schweiz ist wenig bekannt
Eltern, Onkel und Tanten haben die ethnischen Spannungen und die Kriegsgräuel zum Teil als Kinder miterlebt. Doch das Thema Krieg sei bis dahin ein Tabu in der Familie gewesen. Was vielleicht auch ein Grund ist, warum die junge Kroatin sich diesem widmete. Nach Recherche und Präsentation ihrer Arbeit hat sie das Gefühl, dass sich durch ihre Arbeit etwas verändert hat. Die entstandenen Diskussionen haben zu einer «Verarbeitung» in der Familie geführt, sagt sie. «Schritt für Schritt hat sich das Thema von selbst eingebracht. So konnten sie Dinge aus der Kindheit etwas verarbeiten», so die angehende PH-Studentin.
Diskussion erwünscht
Anders erlebte sie es bei den öffentlichen Stellen und Behörden in Vukovar. «Diese gehen offener damit um», erzählt Franjic. «Sie sprechen darüber, wünschen sich sogar, dass darüber gesprochen wird. Ich habe auch drei Kurzfilme geschenkt bekommen», sagt sie. Denn es zeige sich, dass die Schweiz die Geschehnisse eher etwas ausblende. Dies erfuhr sie während ihrer Recherche-Arbeit. Sie möchte ihre Geschichte erzählen, damit diese die Anerkennung erhalte.
Sich mit dem Thema auseinandergesetzt
Die Arbeit zu schreiben, sei ein Prozess gewesen, der sich über ein halbes Jahr erstreckt hat. Es habe auch Zeiten gegeben, «da habe ich geweint», gesteht sie. Das Ganze habe sehr intensiv auf sie eingewirkt. In dieser Zeit hat sich Franjic mit ihrem Mentor Matthias Schwank regelmässig über ihre Arbeit ausgetauscht. Schwank war es denn auch, der sie drei Tage nach der Eingabe der Maturarbeit zum Nationalen Wettbewerb angemeldet hat. «Vielleicht wegen der Tiefe, mit der ich mich mit dem Thema auseinandergesetzt habe», mutmasst sie. Als sie im Januar erfuhr, dass sie eventuell für den Final ausgewählt wird, fiel es ihr leicht, die nötige Zusatzarbeit zu leisten. «Ich hatte ein gutes Bauchgefühl, dass ich zum Final zugelassen werde», sagt sie.
Da sie wenig serbische Literatur zu den Ereignissen gefunden hat und auch wenige Gesprächspartner sich für ein Interview zur Verfügung stellten, wurde ihr dies bei der Bewertung abgerechnet. So nimmt sie an, dass es dieser eine Punkt war, der ihr zur goldigen Auszeichnung fehlt.
Gefreut hat sie sich am meisten, als es hiess, dass sie zum Final zugelassen wird. «Es hat mir gezeigt, dass sich die Arbeit gelohnt hat», sagt sie. Und noch etwas hat sie gefreut: «Als ich gesehen habe, wie stolz meine Eltern sind.» Da sei ihr die ganze Arbeit noch lieber geworden.
Die Präsentation der Arbeit vor Publikum und Jury
Ende April fand der Final mit 114 Teilnehmenden in Muttenz statt. An drei Tagen stellte die Kantonsschülerin ihre Arbeit aus und präsentierte sie vor einer Jury. Wurde sie im Halbfinal noch von einer Schulkollegin begleitet, ging sie allein zum Final. Sie sei nervös gewesen, da es ihre erste Arbeit in einem solchen Wettbewerbsumfeld gewesen sei. Sportlich hingegen hat sich die ehemalige Fussballerin des FC Wohlen und Aerobic-Turnerin des DTV Boswil auch schon auf anderen Wettbewerbs-Parketten bewegt. Dass sie eine Woche zuvor vom Rotary Club Freiamt ebenfalls eine Anerkennung für ihre Maturarbeit erhielt, gab ihr persönlich Sicherheit und Bestätigung für den Auftritt am Final im Baselbiet.

