Schwimmtalent geht seinen Weg
14.07.2026 Kelleramt, Sport, Weitere Sportarten, SchuleMattis Teepe aus Arni wechselt Ende Sommer in die Sportbezirksschule nach Aarau
Er ist 13 Jahre alt und die Hälfte seines Lebens schwimmt er. «Weil ich dann nicht zu Fuss gehen muss», sagt er und schmunzelt. Der Bezirksschüler träumt davon, an ...
Mattis Teepe aus Arni wechselt Ende Sommer in die Sportbezirksschule nach Aarau
Er ist 13 Jahre alt und die Hälfte seines Lebens schwimmt er. «Weil ich dann nicht zu Fuss gehen muss», sagt er und schmunzelt. Der Bezirksschüler träumt davon, an Olympia zu starten, und möchte Sportwissenschaften studieren.
Verena Anna Wigger
Mattis Teepe steckt mitten im Wachstum. Dies stellt den jungen Schwimmer immer wieder vor Herausforderungen. Abläufe, die sich bewährt haben in seinen Disziplinen, funktionieren mit einem Mal nicht mehr. Das ganze Schwimmsystem, welches er sich zugelegt hat, muss er neu ausrichten und auch dann hinterlässt es Zweifel, ob es funktioniert. «Wir reden da von sechs Sekunden auf 400 Meter», sagt Mutter Melanie, die ihren Sohn begleitet.
Sie haben medizinische Abklärungen gemacht. Weitere Punkte wie die schulische Belastung, Ernährung und Regeneration spielen eine Rolle. Auch mental stellt diese Unsicherheit den jungen Mitteldistanz- und Langstreckenschwimmer vor Aufgaben. Die Durststrecke, die er bei anderen schon miterlebt hat, muss er nun selbst durchleben. Doch seine Freude am Schwimmen behält er. «Es macht einfach Spass und im Sommer ist es eine gute Abkühlung», sagt er verschmitzt. Auch wenn es im Moment frustriert, weiss er: Wenn es sich wieder ausgleicht, entscheidet allein sein Körper. Bis dahin trainiert er und feilt an Technik und Kraft.
Ein Junge auf seinem Weg
Mattis ist in Thalwil zum Schwimmen gekommen. Dort wurde der Grundstein für seinen Sport gelegt. Auch seine Mutter und sein Bruder schwimmen. Seit frühster Jugend geht er regelmässig ins Training. Mutter Melanie Teepe sagt von ihrem Sohn: «Er hat einen unheimlichen Ehrgeiz.» Sie hat das festgestellt, da der Bruder von Mattis, Silas, ebenfalls schwimmt. «Bei ihm hat das Schwimmen einen anderen Stellenwert», erzählt sie. Daneben sitzt Mattis mit dem blonden Lockenkopf und dem spitzbübischen Lächeln. Sein Blick verrät, er weiss, was er will. Das verraten auch seine präzisen, klaren Antworten auf die Fragen im Interview. Aber auch Mattis hadert mit sich, wenn es nicht funktioniert, das hat die Familie schon beim Spielen zu Hause erlebt, sagt die Mutter. Heute kennt er sich besser und zieht sich zurück oder geht zu seinen Freunden, wenn die Zeiten oder Leistungen im Becken nicht seinen Vorstellungen entsprechen. Darüber zu sprechen, gefällt ihm nicht, da lässt er seiner Mutter den Vorzug. Er brauche dann jeweils ein paar Stunden für sich, doch dann sprechen sie darüber.
Noè Ponti sein Vorbild
Sein grösster Erfolg im Becken ist der 3. Rang an der Nachwuchs-Schweizer-Meisterschaft über 800 Meter Crawl im vergangenen Jahr. Sein grösster Traum ist es, bei den Olympischen Spielen über 200 Meter Rücken und 800 Meter Crawl an den Start zu gehen. Dass er dieses Ziel visualisiert hat, zeigt das grosse Fotoplakat bei ihm zu Hause im Wohnzimmer. Es zeigt ihn zusammen mit seinem Schwimm-Idol Noè Ponti. Entstanden ist das Foto vor rund einem Jahr an den Nachwuchs-Schweizer-Meisterschaften in Uster. Dies erzählt Mattis, während seine Augen leuchten.
Der junge Langstreckenschwimmer geht zurzeit an die Bezirksschule in Bremgarten und trainiert sechsmal die Woche beim Schwimmclub Bremgarten und an den Wochenenden besucht er Wettkämpfe. In seiner spärlichen Freizeit geht er gerne mit seinen Kollegen raus und geniesst die Zeit mit ihnen. Denn Bezirksschule und Schwimmen als Leistungssport fordern den Jungen.
Neue Schule, andere Trainingsmöglichkeiten
Im Sommer wird sich das ändern. Mattis hat die Aufnahmebedingungen für die Sportbezirksschule in Aarau erfüllt. Er wird dort die Schule besuchen und parallel dazu im Schwimmclub Aarefisch trainieren. Dann heisst es um 6.30 Uhr aus dem Haus gehen und um 19 Uhr nach Hause kommen. Zwei Jungs und zwei Mädchen aus seiner neuen Klasse kennt er bereits. Auch sie schwimmen. In Zukunft trainiert er sogar achtmal in der Woche.
Den Schulwechsel angestrebt haben er und seine Eltern, da Schule und Leistungssport hier stärker aufeinander abgestimmt sind. Denn schulisch will er auch nicht schlechter dastehen. Sein Ziel ist es, Sportwissenschaften zu studieren. «Weil ich seit Langem Berührungspunkte mit dem Sport habe», sagt Mattis. Die neue Schule unterstützt ihn auch schulisch, indem sie auch Förderstunden anbietet, in denen Stoff aufgearbeitet oder vertieft werden kann, der noch zu wenig gefestigt ist. Dafür fallen einzelne musische Fächer aus dem Stundenplan, dies zugunsten der Morgentrainings. Schon seine alte Schule kam ihm entgegen. So durfte er die Sportstunden streichen oder eine Arbeit später schreiben. «Mattis ist ein Wettkampftyp», sagt seine Mutter über ihn. Doch genau diese Wettkämpfe belasten den Wechsel des jungen Schwimmers. Da immer wieder Talente zu grösseren Schwimmclubs wechseln, wurde vor Jahren eine Vereinbarung getroffen, welche die Interessen der Clubs berücksichtigt. Die Lizenz bleibt noch ein Jahr beim vorherigen Club. Das heisst, dass er Werbung machen kann mit ihm. Denn die jungen Sportler sind oft Aushängeschilder für die Clubs. Mattis schwimmt also noch ein Jahr unter den Farben des bisherigen Clubs. Ausser Acht gelassen wird, was das für den jungen Schwimmer bedeutet.
Übergang mit Hürden
Die Eltern von Mattis, die mit den Clubs im Gespräch sind, sagen zur Situation: «Es ist verzwickt. Doch wir sind zuversichtlich, dass wir gemeinsam eine Lösung finden, die für alle passt.»

