Ruftaxi statt Bus-Anschluss
07.08.2026 Region Oberfreiamt, Kallern, VerkehrKallern ist nicht an den ÖV angebunden – hat aber ein Modell, das «sehr gut funktioniert»
Zwar ist das Ruftaxi nicht mehr 24 Stunden pro Tag im Einsatz. Dennoch spricht Gemeindeammann Christian Widmer von einem für die Gemeinde idealen Modell. ...
Kallern ist nicht an den ÖV angebunden – hat aber ein Modell, das «sehr gut funktioniert»
Zwar ist das Ruftaxi nicht mehr 24 Stunden pro Tag im Einsatz. Dennoch spricht Gemeindeammann Christian Widmer von einem für die Gemeinde idealen Modell. Der Kallerer Grossrat Alain Bütler lanciert indes ein Postulat betreffend automatisierten Fahrzeugen mit.
Annemarie Keusch
Kein Bus und erst recht kein Zug. Wer in Kallern lebt, der muss zu Fuss, mit dem Velo oder mit dem Auto an die nächstgelegenen Bahnhöfe in Boswil-Bünzen oder in Wohlen, um den öffentlichen Verkehr nutzen zu können. Oder man kontaktiert das Ruftaxi, das einen an einen dieser Bahnhöfe bringt. «Ein Modell, das es seit vielen Jahren gibt und das auch funktioniert», sagt Gemeindeammann Christian Widmer. Rund viermal täglich wird es durchschnittlich genutzt. «Die Voraussetzungen sind damit für alle im Dorf gleich», sagt Widmer und spricht damit die Situation der vielen Weiler an. Gäbe es eine Bushaltestelle, wäre diese wohl in Hinterbühl. Ober- und Unterniesenberg, Höll, Kallern – die Lage würde sich für die dortige Bevölkerung kaum verbessern. «Und ein Busanschluss wäre sehr teuer.» Widmer spricht von «einigen Steuerprozenten», die das ausmachen würde.
Lange Jahre stand das Ruftaxi der Kallerer Bevölkerung rund um die Uhr zur Verfügung. In Zusammenarbeit mit der Bahnhoftaxi Stutz AG aus Wohlen können die Kallererinnen und Kallern ein entsprechendes Fahrzeug bestellen, das sie nach Wohlen oder Boswil an den Bahnhof fährt. «Mittlerweile gilt das Angebot noch von 6 bis 24 Uhr», sagt Christian Widmer. Der Grund für die Einschränkung: beim Taxiunternehmer gibt es nicht genug Fahrerinnen und Fahrer, um den Betrieb rund um die Uhr aufrechtzuerhalten. «Die Bevölkerung nahm das zur Kenntnis, einen Aufschrei gab es deswegen nicht.» Zumal zwischen Mitternacht und 6 Uhr morgens an den beiden Bahnhöfen nur wenige Züge fahren, die nun nicht mehr erreicht werden können.
Entwicklungen beobachten
Vor diesem Hintergrund hat der Kallerer SVP-Grossrat Alain Bütler nun dennoch ein Postulat miteingereicht, bei dem automatisierte Fahrzeuge und deren Potenzial als Ergänzung zum öffentlichen Verkehr das zentrale Thema sind. Dabei wird der Regierungsrat eingeladen, zu prüfen und zu berichten, wie und in welcher Form automatisierte Fahrzeuge – beispielsweise bedarfsorientierte Rufbusse – im Kanton Aargau als Ergänzung oder als effizientere Alternative zum bestehenden öffentlichen Verkehr eingesetzt werden können. Technische, rechtliche, betriebliche und finanzielle Voraussetzungen sowie Nutzen und Risiken seien zu beleuchten. Bütler, der das Postulat zusammen mit Tim Voser (FDP, Neuenhof) und Marius Fedeli (SP, Buchs) eingereicht hat, begründet dieses unter anderem damit, dass in kleineren Gemeinden und Randregionen wirtschaftliche Zwänge oft zu eingeschränkten Fahrplänen oder Lücken in der Versorgung führen. Kallern ist ein Beispiel dafür.
Was sagt Christian Widmer zu automatisierten Fahrzeugen? «Von der Grundidee her sicher interessant.» Dennoch sei das eine Thematik, die wohl zuerst in städtischeren Gebieten getestet werden müsse, wo der Verkehr dichter und die Frequenzen höher seien. «Auf dem Land wäre dafür viel Infrastruktur notwendig. Entsprechend ist das für uns noch kein Thema, wir werden die Entwicklungen aber mit Interesse beobachten.»
Gemeinde und Kanton beteiligen sich finanziell
Überhaupt, Handlungsbedarf sieht Christian Widmer vorerst keinen. «Die Bevölkerung ist grundsätzlich zufrieden mit dem Ruftaxi.» Wer in Kallern lebt, kann einen Taxi-Ausweis beantragen, damit eine Fahrt an die Bahnhöfe Wohlen oder Boswil-Bünzen bestellen und er bezahlt dafür acht Franken. «Pro Fahrt – entsprechend wird die Bevölkerung ermutigt, Fahrgemeinschaften zu bilden.» Die restlichen Kosten übernehmen Kanton und Gemeinde. «Bisher bezahlten wir einen entsprechenden Betrag an die Postauto AG und diese zahlte die Taxiunternehmung. Wir sind aber daran, das künftig ohne Umweg via Postauto AG zu lösen.» Die Gemeinde lässt sich das Ruftaxi also etwas kosten. «Aber massiv weniger, als wir für nur eine einzige Bushaltestelle zahlen müssten», betont Christian Widmer.
«Natürlich gibt es Ausnahmen»
Ein funktionierendes Konzept – logisch, dass die Gemeinde daran festhalten will. «Natürlich gibt es Ausnahmen, wenn mehrere Leute zu ähnlichen Zeiten ein Taxi bestellen wollen, zum Beispiel. Schliesslich hat die Taxi-Unternehmung keine Fahrzeuge für uns Kallererinnen und Kallerer reserviert und sowieso nicht Unmengen an Fahrzeugen und Fahrerinnen und Fahrern zur Verfügung», führt Christian Widmer aus. Mit Vorlaufzeit funktioniere es indes fast immer einwandfrei. Darum will der Gemeinderat weiterhin am erfolgreichen Konzept Ruftaxi festhalten. Auch wenn der Betrieb mittlerweile «nur» noch von 6 bis 24 Uhr ist.

