Riesige Faszination genutzt
10.03.2026 Muri, SchuleAndrin Gaberthüel produzierte als Maturarbeit den Podcast «Kloster Muri in a Nutshell»
122 Minuten, unterteilt in vier Folgen. Darin arbeitet Andrin Gaberthüel die Meilensteine der bald tausendjährigen Geschichte des Klosters Muri auf. Er ...
Andrin Gaberthüel produzierte als Maturarbeit den Podcast «Kloster Muri in a Nutshell»
122 Minuten, unterteilt in vier Folgen. Darin arbeitet Andrin Gaberthüel die Meilensteine der bald tausendjährigen Geschichte des Klosters Muri auf. Er erzählt aber auch witzige Fakten und hat verschiedene Gesprächspartner interviewt. Dass er sich für seine Maturarbeit vertieft mit dem Kloster auseinandersetzte, kommt dabei nicht von ungefähr.
Annemarie Keusch
Er sagt es in einem Nebensatz. Fast belanglos. «Meine Grossmutter servierte im ‹Ochsen› und bediente auch Kaiserin Zita.» Vielleicht liegt da der Ursprung von Andrin Gaberthüels Begeisterung für das Kloster? Er lacht. «Tatsächlich aber motivierten mich meine Mutter und meine Grossmutter, dieses Thema für meine Maturarbeit auszuwählen.» Und die Verbindung zwischen der Grossmutter und dem vierteiligen Podcast geht noch weiter. «Ich habe die Aufnahmen bei ihr im Wohnzimmer gemacht.» Weil dort der Teppich für eine gute Akustik sorge. Weil es dort oft ruhig sei. Weil er gerne Zeit mit und bei seiner Grossmutter verbringe.
Andrin Gaberthüel ist 19-jährig. Im Sommer schliesst er die Matur an der Kanti in Wohlen ab. «Der Fokus liegt schon ganz auf den Abschlussprüfungen», gesteht er. Die Maturarbeit ist bereits in den Hintergrund gerückt. «Spass gemacht hat fast alles», sagt der Murianer rückblickend. «Ich weiss so viel mehr über das Kloster und doch ist es angesichts der riesigen Geschichte immer noch wenig.» Das Recherchieren, Lesen, Interviewen habe riesigen Spass gemacht. Das Aufnehmen der vier Podcast-Folgen ebenfalls. «Das Schneiden weniger», gesteht er. Aber auch darin sieht er das Positive. «Ich weiss nun, wie mit dem Programm umzugehen ist.» Und auch die schriftliche Begleitarbeit gehörte nicht zu seinen Lieblingsdisziplinen. «Aber das gehört eben auch dazu.» Für seinen Podcast erhält er die Note 5,75. Alles in allem resultiert als Note eine 5,5.
Kloster weckte sein Interesse für Geschichte
Nur einer guten Note wegen hat Andrin Gaberthüel, der sich in seiner Freizeit in der Jungwacht Muri engagiert und in Merenschwand Leichtathletik macht, den ganzen Aufwand nicht auf sich genommen. Das ist deutlich spürbar. «Geschichte interessiert mich sowieso», sagt er. Wohl auch wegen des Klosters. «Eine so spannende und vielseitige Geschichte direkt vor der Nase zu haben, das ist einmalig.» Überhaupt hat dieses Gebäude für ihn eine spezielle Ausstrahlung. «Wenn ich das Kloster sehe, weiss ich, dass ich zu Hause bin.» Aber Gaberthüel will mehr. Mehr wissen. Denn von zwei Besuchen als Kind sind nur noch wenige Erinnerungsfetzen geblieben. Dass das Kloster nächstes Jahr grosses Jubiläum feiert, dürfte Andrin Gaberthüels Interesse zusätzlich geweckt haben. «Das Thema ist sehr präsent im Dorf.»
Ein Buch zu schreiben – diese Idee stand am Anfang. Der 19-Jährige lacht. «Es gibt schon so viele. Ich habe mich gefragt, was ich denn anders machen könnte, liebäugelte mit einem Comic, aber ich kann schlicht zu wenig gut zeichnen.» Die Idee des Podcasts kam von Patricia Farahmand, die ihn bei seiner Maturarbeit betreute. «Ideal», sagt Andrin Gaberthüel, zumal er auch selbst hie und da Podcasts hört.
Spass an den Interviews
Die Begeisterung war sofort da, der Tatendrang ebenfalls. Und auch an den richtigen Kontakten mangelte es nicht.
Mit Klosterführerin Kirsty Räber tauchte er ins Thema ein, führte mit ihr Interviews. Gleiches machte er mit weiteren Personen – unter anderem Peter Hochuli, Präsident der Freunde der Klosterkirche Muri, Martin Allemann, Geschäftsführer der Stiftung Kloster Muri, Hans-Peter Budmiger, Gemeindepräsident. «Das machte grossen Spass.» Aber einfach war es nicht.Vor allem das Integrieren der Interviews in die Podcasts. «Genau auf den Punkt zu schneiden, ist mit sehr viel Aufwand verbunden», stellte der junge Murianer fest. Und laute Hintergrundgeräusche sorgten dafür, dass Gaberthüel nicht selten aus den Gesprächen zitiert, anstatt sie direkt einzuspielen.
In die Tiefe gehen, das ging nicht
Für seine Arbeit las sich Andrin Gaberthüel auch in Lektüre ein. «Ich durfte mich in der Acta Murensia umsehen. Ein einmaliges Erlebnis.» Die Fülle an Informationen, an Aspekten, an Ansatzpunkten – Andrin Gaberthüel sieht darin die grösste Herausforderung seiner Maturarbeit. «Es gäbe endlos viel zu erzählen. In die Tiefe zu gehen, ist aber bei vier Folgen à rund 30 Minuten schlicht nicht möglich.» Das sei ein wenig schade gewesen. «Je tiefer ich ins Thema eintauchte, desto mehr Fragen stellten sich mir und desto mehr faszinierte mich die Geschichte. Aber ich musste mich fokussieren. Anders ging es nicht.» Ihm war es dabei aber wichtig, nicht nur die wichtigsten Fakten zusammenzufassen, sondern auch Anekdoten zu erzählen. «Hier wird die Geschichte lebendig und das bleibt beim Publikum hängen», weiss er.
Neugier gestillt und gleichzeitig geweckt
Und Andrin Gaberthüel wollte Bilder kreieren. Bilder, wie sie bei ihm im Kopf ganz automatisch entstehen. Wenn er vor dem Kloster steht und sich vorzustellen versucht, wie hier einst eine Apotheke betrieben wurde. Wie hier die Mönche ein- und ausgingen. Wie sie im Garten arbeiteten. Dann entstehen in Andrin Gaberthüels Kopf eigene Geschichten. Genau das soll bei den Hörerinnen und Hörern des Podcasts auch passieren.
In vier Folgen nimmt er das Publikum mit auf einen Gang durch fast tausend Jahre Geschichte. «Mehrheitlich chronologisch, sonst wäre die Gefahr eines Durcheinanders gross», sagt er. Angereichert mit Orgelklängen, angereichert mit seiner ansteckenden Neugier, angereichert mit seiner riesigen Begeisterung. Öffentlich ist der Podcast nicht. «Noch nicht.» Andrin Gaberthüel hat grosse Hoffnung, dass sich dies im Rahmen des grossen Klosterjubiläums ändern wird. «Das wäre doch ein toller Anlass, Teil dieses riesigen Projekts sein zu können.» Davon macht er aber nicht abhängig, ob das Projekt für ihn ein Erfolg war. «Das war es ganz sicher. Meine Neugier ist einerseits etwas gestillt, andererseits noch mehr geweckt», erzählt er. Zuerst liegt aber der Fokus auf den Maturprüfungen.

