Pünktlich zum Anpfiff abgepfiffen
23.06.2026 Region Unterfreiamt, HägglingenDie Hägglinger Gemeindeversammlung war diesmal sehr zahlenlastig
Der Kredit für die dritte Etappe des Generellen Entwässerungsplans war in wenigen Minuten unter Dach und Fach. So blieb mehr Zeit für die Rechnung und acht Kreditabrechnungen. Vor allem ...
Die Hägglinger Gemeindeversammlung war diesmal sehr zahlenlastig
Der Kredit für die dritte Etappe des Generellen Entwässerungsplans war in wenigen Minuten unter Dach und Fach. So blieb mehr Zeit für die Rechnung und acht Kreditabrechnungen. Vor allem die Mehrkosten bei der Sanierung der Mehrzweckhalle benötigten Erklärungen.
Chregi Hansen
Da um 21 Uhr das WM-Spiel der Schweizer auf dem Programm stand, hat der Gemeinderat den Beginn der «Gmeind» auf 19.30 Uhr vorverlegt. Trotzdem bleibt die Beteiligung eher bescheiden. Von den 1833 Stimmberechtigten nahmen nur deren 49 an der Versammlung teil.
Das liegt nur bedingt am WM-Fieber. Die Traktandenliste verspricht eben auch nur wenig Spannung. Der einzige Kreditantrag betrifft den Generellen Entwässerungsplan. Beim Start dieses gesetzlichen vorgeschriebenen Planungswerks wurden die anstehenden Massnahmen in drei Etappen eingeteilt. Nun steht der dritte und letzte Teil an, dieser betrifft Kanal-TV-Aufnahmen und Schachtsanierungen. Dafür wird mit Kosten in der Höhe von 370 000 Franken gerechnet. Der Kredit wird einstimmig und ohne Wortmeldung genehmigt.
Bauleitung hatte Kosten nicht im Griff
Dafür nimmt sich Ammann Franz Schaad mehr Zeit, die vielen Zahlen zu erklären, die an diesem Abend behandelt werden. Neben der Rechnung werden auch acht Kreditabrechnungen vorgelegt. Und insbesondere diejenige der Sanierung der Mehrzweckhalle hat es in sich. Dafür haben die Stimmbürger einen Kredit in der Höhe von 6,1 Millionen Franken bewilligt. Unter dem Strich sind Kosten von 6,78 Millionen Franken angefallen. Das entspricht einer Kreditüberschreitung von 11 Prozent.
Doch dafür gibt es Gründe, wie Schaad erklärt. Der Entscheid an der «Gmeind» wurde im November 2018 gefällt. «Damals waren die Auftragsbücher in der Baubranche voll und es war schwierig, gute Offerten einzuholen.
Danach kam Corona mit den Lieferengpässen», schaut er auf die Bauzeit zurück. Tatsächlich habe sich früh abgezeichnet, dass es teurer werden könnte. Der Gemeinderat hat sich in der Folge auch eine Etappierung oder gar eine Verschiebung überlegt. «Aber die Stimmbürger haben uns den Auftrag zur Sanierung gegeben, und den wollten wir ernst nehmen», so der Gemeindeammann.
Auch während des Baus tauchten viele Probleme auf. Es zeigte sich schnell, dass die Verantwortlichen vor Ort die Kosten nicht im Griff hatten. Es folgten viele Gespräche mit den Planern und der Entscheid, die Ausgaben strenger zu kontrollieren. «Letztlich haben wir auch nicht alle Rechnungen bezahlt und bei den Honoraren Kürzungen vorgenommen», macht Schaad deutlich. Trotzdem konnte der gesprochene Kredit nicht mehr eingehalten werden. Umgekehrt gab es aber auch Anpassungen im Projekt, die eine klare Verbesserung mit sich brachten, so beim Bau der Rampe oder beim Bühnen- und Küchenausbau. Nicht zuletzt sorgte auch die allgemeine Bauteuerung für Mehrkosten. Die Ausführungen von Franz Schaad überzeugen, mit nur einer Gegenstimme wird die Abrechnung genehmigt.
Viel mehr Steuern eingenommen
Die Gemeinde Hägglingen kann sich das leisten, wie der Blick auf die Rechnung zeigt. Franz Schaad spricht von einem «sehr erfreulichen Abschluss». Statt einem Plus von 58 000 Franken resultiert ein Ertragsüberschuss von 1,76 Millionen. «Im Jassen würde man bei einer solchen Differenz von schlechten Karten reden. In diesem Fall waren es aber gute Karten», so Schaad. Der Unterschied sei nicht darauf zurückzuführen, dass man auf der Gemeinde nicht rechnen könne. «Beim Budget 2025 greifen wir auf die Zahlen 2023 zurück. Seither ist die Gemeinde stark gewachsen und nahm auch der Steuerertrag pro Kopf zu», macht Schaad deutlich. Dadurch ergab sich bei den Steuern ein Plus von 1,13 Millionen Franken gegenüber dem Budget. Dazu kommen Minderausgaben in mehreren Bereichen.
Durch das gute Ergebnis konnten auch die Schulden wieder reduziert werden, und zwar von 5,2 im Jahr 2023 auf 3,1 Millionen Franken. «Es hat sich gelohnt, den Steuerfuss frühzeitig zu erhöhen. Das hilft uns jetzt, die Finanzen im Griff zu haben», sagt Schaad. Die Schulden möglichst tief zu halten, das sei wichtig, denn in den kommenden Jahren stehen wieder grössere Investitionen an. Und das Wachstum werde sich nicht im gleichen Mass fortsetzen. Trotzdem stehe man finanziell derzeit gut da.
Informationen gibt es an diesem Abend auch noch zur Sanierung des Fussballplatzes. Hier ist man bei der Planung auf Kurs. «Es gibt aber noch viele Details zu regeln, alles in allem sind wir auf einem guten Weg», kann Röbi Wirz vermelden. Aktuell warte man auf die Kostenzusammenstellung. Das Geschäft soll im November an der «Gmeind» behandelt werden, davor ist ein Infoabend geplant. Eine Diskussion zum Thema soll an diesem Abend nicht stattfinden. Aktuelle News gibt es auch zu den Tagesstrukturen und zur Schulraumplanung. Um 20.50 Uhr kann Franz Schaad aber die Versammlung schliessen. Damit schaffen es die Fussballfans noch rechtzeitig zum Anpfiff des WM-Spiels nach Hause.

