Nötig versus unnötig
20.02.2026 Berikon, Abstimmungen, Parteien, Politik, MutschellenAbstimmung Stellenplanerhöhung in Berikon
Am 8. März wird in Berikon über eine Stellenerhöhung auf der Gemeindeverwaltung abgestimmt. Die Gegner und der Gemeinderat sehen diese Sache völlig unterschiedlich.
«Zuerst braucht ...
Abstimmung Stellenplanerhöhung in Berikon
Am 8. März wird in Berikon über eine Stellenerhöhung auf der Gemeindeverwaltung abgestimmt. Die Gegner und der Gemeinderat sehen diese Sache völlig unterschiedlich.
«Zuerst braucht man ein Ziel, bevor man die zur Erreichung nötigen Stellenprozente spricht. Dieses Ziel fehlt dem Gemeinderat», heisst es bei den Gegnern der Vorlage. Der Gemeinderat entgegnet, dass nur mit genügend personellen Ressourcen eine Strategie für Berikon erarbeitet werden kann. Wem die Mehrheit der Stimmberechtigten mehr glaubt, wird bald entschieden. Bis dahin kämpfen beide Seiten mit Argumenten und Gegenargumenten um die Gunst der Bevölkerung --rwi
Zuerst die Strategie, dann die Prozente
Referendum Berikon: Überparteiliches Komitee kämpft gegen zusätzliche Stellenprozente auf der Verwaltung
Ende Dezember wurden 418 gültige Unterschriften gegen die an der November-Gemeindeversammlung beschlossene Stellenerhöhung von 100 Prozent auf der Verwaltung eingereicht. Das überparteiliche Komitee möchte diesen Entscheid kippen. Es kritisiert vor allem die fehlende Strategie des Gemeinderats für Berikon – und signalisiert Gesprächsbereitschaft.
Roger Wetli
«Wir sind erstaunt, dass der Gemeinderat mit einer ähnlichen Vorlage kommt, zu der eine Mehrheit der Beriker Stimmberechtigten bereits im März 2024 Nein gesagt hat», erklärt der neugewählte SVP-Berikon-Präsident Ramon Hug. «Begrüsst hätten wir, wenn der Gemeinderat die neue Besetzung seines Gremiums abgewartet hätte – um dann diese Stellenprozenterhöhung nochmals intern zu diskutieren.» Zum überparteilichen Komitee gehören neben Hug unter anderem Alt-Gemeinderat Felix Baur, Alt-Gemeinderat Thomas Trüb, FDP-Berikon-Mitglied Yvonne Jenny und Lieni Füglistaller. Diese betonen, dass ihnen Berikon sehr am Herzen liegt und sie sich deshalb engagieren. Yvonne Jenny: «Es ist schade, dass uns der Gemeinderat nach der letzten Abstimmung nicht einbezogen und zum Beispiel eine Arbeitsgruppe gegründet hat.»
Viel Einsparpotenzial
Als Hauptgrund für ihre Ablehnung zur vorgeschlagenen Stellenprozenterhöhung nennt das überparteiliche Komitee, dass dem Gemeinderat eine Strategie für das Dorf fehlt. «Normalerweise bestimmt man zuerst das Ziel, das man erreichen möchte. Erst danach schaut man, wie und mit wie vielen Stellenprozenten man dieses Ziel erreichen kann. In Berikon wird das genau umgekehrt gemacht», stellt Thomas Trüb fest. Lieni Füglistaller vergleicht mit Rudolfstetten-Friedlisberg: «Dort wurde an einer Gemeindeversammlung über die Strategie 2035 abgestimmt. Das gab es in Berikon nie.»
Der Beriker Gemeinderat begründet die Stellenprozenterhöhung mit einer besseren Effizienz auf der Verwaltung. Diese sei mit der Anstellung von Verwaltungsleiter Patrick Vogel bereits erreicht worden, sollte jetzt aber ausgebaut werden. «Das mag sein. Patrick Vogel scheint einen guten Job zu machen», erklärt Ramon Hug. «Trotzdem gibt es noch viel Einsparpotenzial.» Lieni Füglistaller sieht dieses insbesondere in der besseren Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden. «Wieso braucht jedes Dorf eine eigene Finanz- und Steuerverwaltung? Aber auch bei der Bauverwaltung gibt es Sparpotenzial.» Zudem müssten nicht nur die Ausgaben, sondern auch die Einnahmen angeschaut werden. «Zum Beispiel kann in zwei Arbeitstagen eine Person ein Konzept zur Bewirtschaftung der Parkplätze beim Sportzentrum Burkertsmatt schreiben, welche heute gratis sind», schlägt Füglistaller vor. «Es gibt Firmen, die das danach mit überschaubaren Kosten umsetzen. Das würde mit wenig Aufwand Einnahmen generieren, die heute fehlen.»
Yvonne Jenny kritisiert, dass der Austausch zwischen den Räten der Mutscheller Gemeinderäte fehlt. «Und wenn sie mal miteinander sprechen, gibt der Beriker Gemeinderat schnell auf.» Es fehle der spürbare Sparwillen. «Das Geld wird einfacher ausgegeben als gespart.»
Steuern müssten erhöht werden
Yvonne Jenny hatte als Mitglied der Finanzkommission Einblick in die Löhne der Beriker Verwaltungsangestellten. «Diese sind generell sehr hoch. Auch verglichen mit denjenigen der umliegenden Gemeinden. Berikon bringt dadurch das Lohngefüge auf dem Mutschellen durcheinander.» Der Beriker Gemeinderat rechnet für die zusätzliche 100-Prozent-Stelle mit jährlichen Lohnkosten von rund 130 000 Franken. Eine Steuererhöhung sei deshalb aber nicht nötig. «Das glauben wir nicht», entgegnet Lieni Füglistaller. «Ein Steuerprozent beträgt bei uns etwa diese Summe. Also müssten wir mit den Steuern hoch.» Er vermutet, dass der Gemeinderat diese Stellenprozente vorschlägt, weil er grosse Angst hat, dass Patrick Vogel sonst die Verwaltung verlässt.
Das überparteiliche Komitee beobachtet, dass immer mehr Beriker Stimmberechtigte mit ihrem Gemeinderat nicht mehr einverstanden sind. «Sie befassen sich vertieft mit den Gemeindeversammlungs-Traktanden und stellen kritische Fragen», so Ramon Hug. «Wir verlangen, dass der Gemeinderat sich ehrlich, transparent offen und mit einem inhaltlichen Leitfaden verhält. Das vermissen wir.»
Für den Vorschlag der FiKo
Das überparteiliche Komitee wird immer wieder wegen seines Stiles kritisiert, der teilweise als aggressiv empfunden wird. Yvonne Jenny erklärt: «Wir führen einen Abstimmungskampf und sind deshalb auch provokativ. In unserem Flyer sind aber alle Aussagen mit Quellen belegt. Wir überzeugen mit Fakten.» Thomas Trüb stellt klar: «Es geht uns um die Sache und nicht um persönliche Angriffe.»
Das überparteiliche Komitee begrüsst den Vorschlag der Finanzkommission, die jetzt zur Diskussion stehenden zusätzlichen 100 Stellenprozente für die Verwaltungsleitung durch interne Verschiebung von als Reserven gesprochenen Stellenprozenten zu decken. «Auch das müssten wir kritisch anschauen. Aber die Verwaltung würde dadurch wenigstens nicht grösser», so Ramon Hug. Er und seine Mitstreiter möchten beim Gemeinderat Gehör finden und konstruktiv mitarbeiten, egal, wie die Abstimmung am 8. März ausgeht.
Vom Ja zum Referendum
An der Gemeindeversammlung vom 13. November 2025 genehmigten die Stimmberechtigten die Erhöhung des Stellenplans um 100 Prozent deutlich mit 144 zu 30 Stimmen. Ziel war die vollständige Umsetzung des Verwaltungsleitungsmodells. Mit 418 gültigen Unterschriften wurde das Referendum ergriffen. Damit kommt es am 8. März zur Urnenabstimmung. Das operative Führungsmodell, bei dem der Ammann die Verwaltung personell leitete, war in Berikon bis 2023 in Kraft. Mit der Anstellung eines Verwaltungsleiters wurde der Systemwechsel eingeleitet. Die nun beantragte zusätzliche Stelle soll die definitive Trennung von Führung und Fachfunktion ermöglichen. --red
Die finanzielle Lage lässt es nicht zu
FDP Berikon lehnt Stellenplanerhöhung ab
Die Mitglieder der FDP Berikon haben anlässlich ihrer Generalversammlung beschlossen, das Referendum gegen die vorgesehene Stellenplanerhöhung zu unterstützen.
«Der Verwaltungsleiter und zugleich Gemeindeschreiber erfüllt seine operativen Aufgaben engagiert und kompetent», hält die FDP Berikon in ihrer Mitteilung fest. «Gleichwohl bestehen auf strategischer Ebene weiterhin offene Fragestellungen, die einer sorgfältigen Klärung bedürfen.» Die finanzielle Lage der Gemeinde Berikon lasse derzeit keine zusätzlichen Stellenprozenterhöhungen zu. Die FDP findet: «Eine Ausweitung des Personalbestands würde den Druck auf die Gemeindefinanzen weiter erhöhen und mittelfristig unweigerlich Diskussionen über Steuererhöhungen auslösen.» Für die FDP Berikon ist klar, dass der Steuersatz auf dem heutigen Niveau stabil gehalten werden muss und bei verbesserter finanzieller Lage ans meist tiefere Niveau der Nachbarsgemeinden auf dem Mutschellen angepasst werden sollte. Eine weitere Belastung der Bevölkerung komme nicht infrage. «Dabei gehört der Personalaufwand zu den wenigen beeinflussbaren Kostenblöcken im Gemeindehaushalt. Gerade deshalb ist hier Zurückhaltung geboten.» Wer das finanzielle Ungleichgewicht der Gemeinde nachhaltig korrigieren will, darf nicht ausgerechnet beim Personalaufwand weiter ausbauen, so die Meinung der Ortspartei.
Aus finanzpolitischer Sicht sei insbesondere die interkommunale Zusammenarbeit vertieft zu prüfen und konsequent voranzutreiben. Die Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden (In- oder Outsourcings) bietet Potenzial zur Effizienzsteigerung und Kostendämpfung. In diesem Bereich sieht die FDP Berikon bislang ungenutzte Möglichkeiten.
«Darüber hinaus fehlt eine klar definierte strategische Ausrichtung hinsichtlich der künftigen Entwicklung der Gemeinde Berikon.» Sie sagen: «Bevor zusätzliche personelle Ressourcen geschaffen werden, sind die strategischen Zielsetzungen festzulegen.» Für die FDP Berikon müssen zuerst die strategischen Grundlagen erarbeitet werden, anschliessend kann über die konkrete Ausgestaltung des operativen Modells entschieden werden. --zg/red
Verwaltungsleitung stärken
Finanzkommission Berikon unterstützt die Erhöhung des Stellenplans
Die Finanzkommission Berikon empfiehlt ein Ja zur Erhöhung des Stellenplans um eine Stelle mit 100 Stellenprozenten zur Umsetzung des Verwaltungsleitungsmodells.
Die Finanzkommission schreibt, dass sie in den letzten zwei Jahren eine deutliche Professionalisierung in der Verwaltung der Gemeinde Berikon feststellen konnte. Einerseits wurden diverse Themen wie zum Beispiel die Implementierung eines IKS (internes Kontroll-System) endlich umgesetzt, anderseits wurden Abläufe und Prozesse verbessert, welche auch zu Einsparungen geführt haben. Die Verwaltungsleitung in der Person von Patrick Vogel habe dazu einen wesentlichen Teil beigetragen. «Es gibt aber noch viel zu tun», so die Finanzkommission. «Weitere Optimierungen bei Prozessen, der Informatik, der Digitalisierung sowie bei der gemeindeübergreifenden Zusammenarbeit stehen an, was entsprechende Kompetenzen und Ressourcen benötigt.» Ausserdem plane die Gemeinde in den nächsten Jahren verschiedene grössere Investitionen, welche sorgfältig geplant und überwacht werden müssten. Die Finanzkommission ist überzeugt, dass die Stärkung der Verwaltungsleitung für die Umsetzung dieser Aufgaben sowohl in Bezug auf die Qualität als auch auf die Kosten von zentraler Bedeutung ist. Gleichzeitig erwartet die Finanzkommission auch eine weitere Steigerung der Effizienz, sodass mittelfristig zusätzliche Aufgaben auch bei einem Bevölkerungswachstum mit dem bestehenden Personal abgedeckt werden können.
Der aktuell durch die Gemeindeversammlung bewilligte Stellenplan für die Gemeinde Berikon sieht insgesamt 2430 Stellenprozente vor. Auch unter Berücksichtigung der beantragten Stelle mit 100 Stellenprozenten zur Umsetzung des Verwaltungsleitermodells enthalte das Budget 2026 per 31.12.2026 insgesamt 2400 Stellenprozente (24 Vollzeitstellen), womit der bewilligte Stellenplan nicht ausgeschöpft sei.
Die Finanzkommission schreibt, dass aufgrund des aktuell gültigen Personalreglements die nicht ausgenützten Stellenprozente aber nicht innerhalb der einzelnen Bereiche verschoben werden können. Die Finanzkommission hat dem Gemeinderat deshalb empfohlen, die Stärkung der Verwaltungsleitung nicht mit einer Stellenerhöhung, sondern über eine Anpassung des Personalreglements zu beantragen. Dadurch hätte die neue Stelle innerhalb des bewilligten Gesamtstellenplans besetzt werden können. «Leider hat der Gemeinderat diese Empfehlung nicht umgesetzt, sondern wie bereits vor zwei Jahren eine Stellenerhöhung beantragt, welche wie bereits damals zu einem Referendum geführt hat.»
Der an der Einwohnergemeindeversammlung vom 13. November 2025 mit deutlichem Mehr angenommene Überweisungsantrag «Änderung Personalreglement für ein Globalbudget im Rahmen des bewilligten Gesamtstellenplans» solle zukünftig die Flexibilität des Gemeinderats für Umschichtungen innerhalb des bewilligten Stellenplans erhöhen, sodass zukünftig die Ressourcen innerhalb des bewilligten Rahmens bedarfsgerecht eingesetzt werden könnten. «Da an der Abstimmung vom 8. März nur über die Neuschaffung einer 100-Prozent-Stelle abgestimmt werden kann, unterstützt die Finanzkommission den Antrag des Gemeinderats, erwartet aber, dass der Gesamtstellenplan von insgesamt 2430 Stellenprozenten trotzdem gültig bleibt und das Personalkostendach nicht erhöht werden darf», schreibt sie.
Die Finanzkommission sei davon überzeugt, dass sich die Stärkung der Verwaltungsleitung positiv auf die Entwicklung der Gemeinde Berikon in den nächsten Jahren auswirken wird. Gleichzeitig werde die Finanzkommission die Entwicklung der Personalkosten und die weitere Professionalisierung der Verwaltung aber weiterhin kritisch überprüfen. --zg/red
Keine Luxuslösung, sondern Bedarf
Referendum Berikon: Gemeinderat verteidigt Verwaltungsleitungsmodell als Investition in Stabilität und Effizienz
Wieder steht in Berikon die Organisation der Gemeindeverwaltung zur Debatte. Nach einem deutlichen Ja an der Gemeindeversammlung kommt es am 8. März zur Urnenabstimmung. Das Referendumskomitee spricht von Missachtung des Volkswillens – der Gemeinderat hält dagegen und verweist auf konkrete Erfahrungen und wachsende Aufgaben.
Sabrina Salm
Die Auseinandersetzung wird engagiert geführt. Das Referendumskomitee wirft dem Gemeinderat vor, mit einem nahezu identischen Anliegen wie vor zwei Jahren erneut vor die Bevölkerung zu treten – und damit einen früheren Entscheid zu missachten. Teilweise wird der Ton persönlich. «Wir haben auf eine sachliche Diskussion gehofft», sagt Frau Gemeindeammann Petra Oggenfuss Feldgrill. «Leider wird viel zu polemisch politisiert und viele Gegenargumente aus dem Kontext gerissen», fügt Vizeammann Patrick Stangl hinzu. Beide weisen den Vorwurf zur Missachtung des Volkswillens entschieden zurück: «Es ist keine Zwängerei.» In der Politik sei es normal, dass Themen wiederkehrten, wenn der Bedarf weiterhin bestehe, so Oggenfuss Feldgrill. «Es ist eine andere Situation als noch vor zwei Jahren. Damals haben wir zu wenig transparent kommuniziert. Das war ein Fehler. Heute können wir auf konkrete Erfahrungen verweisen. Wir sehen den Mehrwert.» Auch Stangl betont, man habe bewusst den Weg über eine offene Abstimmung gewählt – und nicht versucht, strukturelle Anpassungen über Reglementsänderungen im Hintergrund vorzunehmen. «Wir wollten mit offenen Karten spielen.»
Klare Trennung statt Doppelrolle
Seit November 2023 arbeitet die Gemeinde faktisch mit einem Verwaltungsleitungsmodell. Patrick Vogel wurde damals als Verwaltungsleiter angestellt und übernahm zusätzlich die Funktion des Gemeindeschreibers. Diese Doppelrolle war als Übergangslösung gedacht. Unterstützt wird er von einer stellvertretenden Gemeindeschreiberin mit 60-Prozent-Pensum. Inzwischen zeige sich klar, dass diese Konstellation an Grenzen stosse. Die Arbeitszeiterfassung weise ein deutliches Überpensum aus. «Patrick Vogel ist als Gemeindeschreiber überlastet», erklärt Oggenfuss Feldgrill. Die Aufgaben seien vielfältiger und komplexer geworden – von rechtlichen Fragestellungen bis zu übergeordneten Projekten in den Bereichen Sicherheit, Gesundheit, Gesellschaft und Bildung.
Mit der beantragten zusätzlichen Stelle von 80 bis 100 Prozent soll die Gemeindeschreiberei personell verstärkt werden. Die Führungsverantwortung läge beim Verwaltungsleiter, die neue Fachperson wäre keine Führungskraft. «Wir brauchen jemanden, der führt – und deshalb mehr Ressourcen für die Schreiberei, damit sich Vogel auf die Führung konzentrieren kann», so Stangl. Die Funktionen unterschieden sich deutlich: «Der Verwaltungsleiter ist ein Generalist, der Gemeindeschreiber ein Fachspezialist.» Erst die klare Trennung schaffe effiziente Abläufe und klare Zuständigkeiten.
Strategischer Rückstand und wachsende Aufgaben
Das bis 2023 praktizierte Modell, bei dem der Ammann die Verwaltung auch personell führte, sei rückblickend nicht mehr zeitgemäss. «Es war früher richtig und gut, aber in der heutigen Zeit funktioniert es nicht mehr», findet Oggenfuss Feldgrill. Mit über 5000 Einwohnerinnen und Einwohnern (Prognosen gehen von mehr als 6000 aus) wachse auch die Aufgabenfülle: mehr gesetzliche Vorgaben, mehr Projekte, mehr Anfragen aus der Bevölkerung. Früher hätten Gemeinderäte zu stark im operativen Geschäft gearbeitet. «Wir haben gemerkt, dass sich dadurch ein Investitions- und Entwicklungsstau gebildet hat.» Strategische Themen seien liegen geblieben. Mit dem Verwaltungsleitungsmodell könne sich der Gemeinderat wieder auf Lenkung, Steuerung und langfristige Entwicklung konzentrieren.
Der Vorwurf, man müsse zuerst eine Strategie vorlegen und erst danach personell aufstocken, greife aus Sicht des Gemeinderats zu kurz. «Genau deshalb brauchen wir diese Stelle», betont Stangl. «Nur mit genügend Ressourcen können wir strategisch arbeiten und die anstehenden Projekte umsetzen.»
Kosten, Nutzen und die Steuerfrage
Das Referendumskomitee kritisiert weiter die Vorlage als überdimensioniert für eine Gemeinde der Grösse Berikons. Der Gemeinderat widerspricht. «Jede Gemeinde ist anders organisiert», sagt Oggenfuss Feldgrill. Entscheidend sei nicht das Modell, sondern die vorhandenen Ressourcen. Andere Gemeinden verfügten ohne formellen Verwaltungsleiter über vergleichbare oder höhere Stellenprozente. Zudem bringe das Modell Stabilität. «Wir Gemeinderäte werden alle vier Jahre gewählt. Verwaltungsangestellte bleiben in der Regel länger. Das Knowhow bleibt im Haus.» Eine professionelle Führung reduziere externe Mandate und schaffe Effizienz. Trotz Mehrkosten von rund 130 000 Franken pro Jahr rechnet der Gemeinderat mit Einsparungen in ähnlicher Höhe, etwa durch weniger externe Beratungen und optimierte Abläufe.
Einen direkten Zusammenhang mit einer möglichen Steuerfusserhöhung weist der Gemeinderat ebenfalls zurück. «Diese Diskussion müssen wir so oder so führen – unabhängig von dieser Vorlage», sagt Stangl mit Blick auf anstehende Investitionen. Die Stellenplanerhöhung löse für sich allein keine Steuererhöhung aus. Als «nicht fair» bezeichnet Oggenfuss Feldgrill den Vorwurf, man spare bei Vereinen oder beim Seniorenausflug, investiere aber in die Verwaltung. «Der Auftrag lautete, Sparmassnahmen aufzuzeigen. Das haben wir gemacht – und die Gemeindeversammlung hat sie beschlossen.»
Abstimmung matchentscheidend
Für den Gemeinderat ist es mehr als eine Personalfrage. «Es ist eine Investition in die Zukunft – nicht für uns, sondern für die Gemeinde», so Stangl. Petra Oggenfuss Feldgrill: «Es ist kein Luxus, sondern eine bedürfnisgerechte Weiterentwicklung.» Würde man zum alten System zurückkehren, beginne man wieder bei null – mit erhöhtem externem Aufwand und ohne klare Führungsstruktur.
Bewusst hat der Gemeinderat seine Legislaturziele noch nicht definitiv festgelegt. «Wir müssen zuerst wissen, welche Ressourcen wir haben», sagt Frau Gemeindeammann. Das Resultat vom 8. März werde richtungsweisend sein. «Es wird eine Matchentscheidung.» Der Gemeinderat zeigt sich überzeugt, dass das Verwaltungsleitungsmodell die Gemeinde für kommende Herausforderungen stärkt. «Wir glauben, dass es der richtige Weg ist.»


