Neues Haus, nur eine Woche
27.02.2026 Region Oberfreiamt, Vereine, Jugend, TraditionenDer Verein Freiämter Ferienlager wagt einen Neuanfang
1951 fand das erste «Rigilager» statt. Eine Tradition also, die im Freiamt tief verankert ist. Die letzten Jahre aber waren nicht einfach. Die Suche nach Leitungspersonen wurde schwieriger, die Anzahl ...
Der Verein Freiämter Ferienlager wagt einen Neuanfang
1951 fand das erste «Rigilager» statt. Eine Tradition also, die im Freiamt tief verankert ist. Die letzten Jahre aber waren nicht einfach. Die Suche nach Leitungspersonen wurde schwieriger, die Anzahl der teilnehmenden Kinder ist rückläufig. Nun beginnt für den Verein um Präsidentin Rahel Odermatt ein neues Kapitel.
Annemarie Keusch
Sie selber hatte innerhalb des Vorstandes fast am meisten Mühe. Dass das Freiämter Ferienlager künftig nicht mehr in Rigi Klösterli stattfindet, ist Tatsache. Ein vernünftiger Entscheid, das weiss Rahel Odermatt. Und trotzdem einer, der gerade ihr nicht leichtfällt. «Es sind ganz viele Erinnerungen mit diesem Ort verbunden», sagt die Präsidentin des Vereins. Einst war sie selber als Kind im «Rigilager», später gehörte sie zum Leitungsteam, übernahm die Hauptleitung und seit rund acht Jahren präsidiert sie den Verein.
Auch wenn es «Freiämter Ferienlager» heisst: Im Volksmund ist es das «Rigilager». Eng verbunden mit dem Haus in Rigi Klösterli, das dem Verein lange gehörte. 2012 wurde es verkauft. «Weil der Aufwand zu gross war und sich der Verein auf den Kerninhalt konzentrieren wollte – ein Lager für Kinder zu organisieren.»
Das tut er seit 75 Jahren. Gegründet wurde der Verein einst, um auch jenen eine Woche voller Abenteuer und Spass zu ermöglichen, die finanziell sonst nicht die Möglichkeit dazu hätten. «So ist es immer noch», sagt Rahel Odermatt. Die Preise für eine Lagerwoche sind sehr moderat. «Das ist uns auch enorm wichtig.»
Haus auf der Rigi ist in die Jahre gekommen
Und trotzdem, gerade in den letzten Jahren hat sich einiges verändert. Vor allem die Pandemie sorgte für einen Bruch. «Es wurde immer schwieriger, die Lagerwochen zu füllen», erzählt die Präsidentin. Die 55 Kinder, die pro Woche teilnehmen könnten, wurden nur noch selten erreicht. «Über die Gründe können wir nur spekulieren. Etwa weil das Angebot anderer Vereine und Organisationen stetig gewachsen ist oder weil viele Familien nicht mehr im Sommer, sondern im Herbst in die Ferien fahren», mutmasst Rahel Odermatt. Wie auch immer. Rentabel sind die Ferienwochen für den Verein sowieso nicht. «Wir wollen auch keinen Gewinn machen.» Aber sind die Lagerplätze nicht besetzt, wird es finanziell mit der Zeit schon herausfordernd.
Freiwillige zu finden, die die Lagerwochen organisieren und leiten – auch das wurde immer schwieriger. Zuletzt waren es pro Woche noch rund zehn junge Leiterinnen und Leiter. «Eigentlich zu wenige», sagt Rahel Odermatt. Aber nicht nur, was die Anzahl der Leitenden und der teilnehmenden Primarschülerinnen und -schüler betrifft, wurde es schwieriger. «Auch das Haus ist mittlerweile in die Jahre gekommen», sagt die Präsidentin. Seit 75 Jahren fand das Lager im selben Gebäude in Rigi Klösterli statt. Renoviert wurde seither hie und da, aber nie tiefgreifend. «Wir hörten von verschiedenen Seiten, dass es vielleicht nicht mehr die richtige Örtlichkeit ist.» Vonseiten der Leitungsteams, aber auch vonseiten der Eltern.
Wunsch, in der Nähe der Rigi zu bleiben, ist erfüllt
Also machte sich der Vorstand auf die Suche nach einem neuen Lagerhaus. Mit Kriterien, die nicht leicht zu erfüllen sind. Massenschläge etwa sind nicht erwünscht. «Gerade die Kleinsten brauchen ihren Schlaf, deshalb sind kleine Zimmer umso wichtiger.» Und die Nähe zur Natur. Das Haus sollte abgelegen sein, draussen Platz für viele Aktivitäten im Freien bieten. «Natürlich war es auch unser Wunsch, in der Nähe der Rigi zu bleiben.» Weil das Lager eben überall als «Rigilager» bekannt ist. Rahel Odermatt spricht von einem Glücksfall und meint damit ein Lagerhaus in Weggis. Grösser, moderner, nahe der Rigi und in den Herbstferien noch frei. «Wir freuen uns riesig.»
Dass das neue Lagerhaus teurer sein würde, das war dem Vorstand von Anfang an klar. Den Preis für die Teilnehmenden stark zu erhöhen, das kam indes nicht infrage. «Wir hätten beide Lagerwochen mit je 60 Kindern füllen müssen, damit die Rechnung einigermassen aufgegangen wäre», betont Rahel Odermatt. Dass dies aktuell aber nicht möglich ist, sei eine Tatsache, die nur schwer zu ändern sei. «Deshalb entschieden wir uns, einen totalen Neuanfang zu wagen.» Nicht nur mit neuem Lagerhaus, sondern künftig mit nur noch einer Lagerwoche.
In der zweiten Herbstferienwoche – vom 4. bis 9. Oktober
Das 15-köpfige Leitungsteam dafür steht bereits, ebenfalls die Küchencrew. «Das freut uns sehr.» Überhaupt sei die Unterstützung im Verein und bei den Freiwilligen gross. «Alle stehen hinter den Neuerungen und freuen sich darauf.» Die grosse Unbekannte sind indes die Anmeldungen. Im April wird sich zeigen, ob die 60 Plätze besetzt werden. «Wir hoffen sehr», sagt Rahel Odermatt. Vom 4. bis 9. Oktober wird das Lager stattfinden. Inhaltlich verändert sich trotz Ortswechsel nicht viel. «Nach wie vor spielt sich ein Grossteil des Programms draussen ab. Das ist uns wichtig», sagt die Präsidentin, die in jedem Lager vorbeischaut, wenn es ihr möglich ist.
Alle Primarschülerinnen und -schüler des Bezirks Muri sind willkommen. «Ich bin zuversichtlich, dass der neu eingeschlagene Weg der richtige ist», betont Rahel Odermatt. Kommt das neue Lagerhaus gar so gut an, dass wieder mehr Kinder kommen, könne wieder auf zwei Ferienwochen aufgestockt werden. «Wir sammeln jetzt aber erste Erfahrungen und analysieren nachher.» Denn vom Konzept ist Rahel Odermatt nach wie vor überzeugt. «Ein solches Lager schafft Erinnerungen, die man nie vergisst.» Und es sei wertvoll für die Kinder, etwas zu erleben, an einem anderen Ort zu übernachten, Kinder aus anderen Dörfern kennenzulernen. «Es entstehen schöne Freundschaften», erzählt die Präsidentin aus eigener Erfahrung. Weg vom Alltag, weg vom Druck – hin zur Naturverbundenheit. Zwar nicht mehr auf, aber immer noch am Fuss der Rigi.
Mehr Informationen unter: www.freiaemter-ferienlager.ch.


