Mit Schub auf die Achterbahn
15.05.2026 Wohlen, FilmDer Dokumentarfilm «Eine Fabrik in Katalonien», mit Ursprung in Wohlen, wird nun in vier Kinos gezeigt
Langenthal, Olten, Aarau und erneut Wohlen. Dies sind die weiteren Stationen von «Eine Fabrik in Katalonien». Im Mittelpunkt Cäsar Dubler, der ...
Der Dokumentarfilm «Eine Fabrik in Katalonien», mit Ursprung in Wohlen, wird nun in vier Kinos gezeigt
Langenthal, Olten, Aarau und erneut Wohlen. Dies sind die weiteren Stationen von «Eine Fabrik in Katalonien». Im Mittelpunkt Cäsar Dubler, der 1908 von Wohlen nach Barcelona auswanderte. Der Unternehmer feierte Erfolge und Niederlagen. Filmemacherin Helena Dali hat die Spur von Cäsar Dubler aufgenommen – von Wohlen bis in die Hauptstadt Kataloniens.
Daniel Marti
Sie strahlte damals im Chappelehof. Denn Helena Dali durfte im vergangenen September endlich ihr Werk ein erstes Mal einem breiten Publikum zeigen. Und das in Wohlen. Das auch der Ausgangspunkt ihres Filmes «Eine Fabrik in Katalonien» ist. Hier wurde die Hauptfigur ihres Dokumentarfilmes geboren, hier wuchs Cäsar Dubler auf, um möglichst schnell nach Barcelona auszuwandern. Ein hochinteressantes Leben folgte. Geprägt von Höhen und Tiefen.
Aber so richtig präsent war Cäsar Dubler (1888–1948) in Historikerkreisen nicht – bis Helena Dali tätig wurde und auf Spurensuche ging. Wer war dieser Cäsar Dubler, der Wohlen als junger Mann verliess (siehe Kasten unten)?
Erst positives Echo, dann eine Festival-Enttäuschung
In Wohlen ist man in Kreisen der ehemaligen Strohindustrie happy, dass dieser Cäsar Dubler ein Gesicht erhielt. Nun geht der Film selber auf Reisen, in Kinos der Deutschschweiz wird er zu sehen sein, bald auch in der Romandie.
Es ist über ein halbes Jahr verstrichen seit der Vorpremiere. Und Filmemacherin Helena Dali blickt mit Abstand gerne zurück. «Die Wohler Vorpremiere mit dem positiven Echo war natürlich ein guter Start für den Film.» Das habe dem Film Sichtbarkeit und ihr als Produzentin und Verleiherin den entscheidenden Schub gegeben, so Helena Dali. «Wenn ein Film erst mal fertig produziert und vor einem realen Publikum getestet ist, beginnt die Achterbahnfahrt zwischen Anfragen, Warten, Absagen einstecken, Hoffnung nicht aufgeben.»
Die Tatsache, dass der Film bisher an Festivals kaum Beachtung gefunden habe, sei enttäuschend, gibt sie zu. Und für eine unabhängige Produktion sei es schwierig, beim Schweizer — Fernsehen Beachtung zu finden. «Wenigstens gab es vom Westschweizer Fernsehen Lob für den Film.» Aber Sendeplätze und Budgets sind knapp, lauten die Rückmeldungen. «Also muss man das einstecken und weitermachen.» Schliesslich soll der Film sein Publikum erreichen und auch etwas einspielen.
Immerhin, sie persönlich erhielt nach der Vorpremiere durchwegs positive Rückmeldungen. «Der Film wurde vom Publikum als spannend bezeichnet. Und das Portrait der Familie Dubler fanden viele einfühlsam.» Zu jenem Zeitpunkt hatte die «Festivalschlaufe» – Film bei Festivals anmelden, Dossiers zusammenstellen – bereits begonnen. Sie hat zwar von ihrem Netzwerk und der Branchenorganisation Swiss Films profitieren können, aber zum Erfolg führte das nicht. «In der Regel haben gute Festivals viermal mehr Anmeldungen als sie Filme aufnehmen können», räumt sie ein, «die Konkurrenz ist hart».
«Konnte mich kreativ endlich mal so richtig ausleben»
Darum ist es umso schöner, dass «Eine Fabrik in Katalonien» nun in drei Kinos Platz erhält. Insgesamt sei das «schon ein Erfolg», urteilt Dali. Denn nur schon Einzelvorstellungen in Kinosälen zu erwirken, sei bei der Menge an Filmen schwierig. Helena Dali hat mit den Kinos auch die Möglichkeit institutioneller Partnerschaften besprochen. Da gibt es einen Lichtblick: Die Filmemacherin darf zudem mit der Vorführung im Cinélux in Genf rechnen. Dies dank der Unterstützung der Delegation der Katalanischen Regierung in der Schweiz und der Maison de l’histoire.
Und die Vorführung in Langenthal ist dank dem inhaltlichen Bezug zur lokalen Industriegeschichte zustande gekommen. «Wir hoffen natürlich, dass dieses Argument die Leute ins Kino bringt.» Die Arbeit und die Energie, die Helena Dali in ihr Filmprojekt gesteckt hat, sind riesig. Dass der Dokumentarfilm nun in den Kinos gezeigt wird, ist für sie wie eine Belohnung. «Finanziell wird es sicher nicht lohnenswert sein, dafür habe ich einen vertieften Einblick in die Filmbranche bekommen, in die Förderstrukturen und Produktionsprozesse». Und sie habe einiges an filmischem Handwerk gelernt.
Ihr erster Dokumentarfilm ist für sie «trotzdem eine besondere Erfahrung. Ich konnte mich kreativ endlich mal so richtig ausleben», betont Dali. Gleichzeitig hat sie das Thema zurück zu ihren Wurzeln als Hispanistin geführt. Helena Dali: «Ich erzähle darin eine Familiengeschichte, die spannend und vielschichtig ist. Die ist ja nicht nur alt, sondern berührt Themen, die uns heute noch genauso beschäftigen. Da geht es um Ethik in Firmen, wie man mit politischer Vergangenheit umgeht, Wirtschaftsgeschichte und natürlich um den Wert der Erinnerung und den Zusammenhalt in der Familie.»
Nahe am Erinnerungsort für Spanienkämpfer
Dass der Film im Open-Air-Kino Wohlen gezeigt wird, ist für sie eine weitere Belohnung. Dies sei auch das Verdienst des Filmklubs Wohlen. Und die Anregung, mit dem Jubiläum des Strohmuseums Synergien zu suchen, macht sie irgendwie stolz. Damit nicht genug. Dali wird weiterhin versuchen, einen Spieltermin in Luzern zu bekommen, in dessen Umgebung sie aufgewachsen ist. Und sie ist bestrebt, einen Platz in La-Chaux-de-Fonds zu erhalten. Da steht das Kino ABC direkt an der «Place des Brigades-internationales» (Platz der Internationalen Brigaden), der Erinnerungsort für die Spanienkämpfer. Mit der Uni Zürich und dem Schweizerischen Sozialarchiv ist sie ebenfalls im Gespräch. «Selbstverständlich werde ich versuchen, den Film ab Ende 2026 auch auf einer Video-on-demand-Plattform anzubieten».
Mit der Vollendung des Filmes ist das Interesse am Wohler Cäsar Dubler keineswegs erloschen. Denn Fragezeichen gibt es weiterhin rund um den Unternehmer. Das private Archivmaterial hat sie weitestgehend ausgewertet. Gerne würde sie den Bericht von Cäsar Dubler aus dem Jahr 1909 – es ist ein Erlebnisbericht über die Unruhen der Semana Trágica – vollständig transkribieren und kommentiert publizieren. Und dann nennt sie noch einen wesentlichen Punkt: Das Firmenarchiv der Manufacturas Dubler S.A. über die Unternehmenstätigkeit würde am meisten hergeben, aber das ist bisher nicht zum Vorschein gekommen.
Mit vielen Fotos Kultur weiter erlebbar machen
Auch die vielen Fotos aus dem Familienarchiv von den Pyrenäen und den Alpen aus den 1920er- bis 1940er-Jahren faszinieren sie. Diese Aufnahmen archivarisch verfügbar zu machen, sei reizvoll. Das Alpine Museum in Bern hat bereits Interesse angemeldet. «Aber mir wäre noch wichtiger, dass die Fotos öffentlich gezeigt werden und ich als Ausstellungsmacherin mitgestalten könnte», erklärt Helena Dali abschliessend. «Archivieren ist gut, Kultur erlebbar zu machen, ist besser.» Und der Wohler Cäsar Dubler lebt dank Helena Dali irgendwie weiter.
Die Handlung des Films
«Eine Fabrik in Katalonien», die Handlung: Cäsar Dubler wandert 1908 von Wohlen nach Barcelona aus, baut eine Textilfabrik und feiert in den 1920er-Jahren Erfolge als Unternehmer. Die politischen Ereignisse gefährden seine Existenz: die Revolution 1936, die Kollektivierung der Fabrik und der Bürgerkrieg zwingen ihn und seine Familie zur Flucht in die Schweiz. 1939 kehrt er nach Spanien zurück und führt seine Geschäftstätigkeit unter Diktator Franco weiter. Die Spurensuche führt die Filmemacherin zu den Nachkommen, an Originalschauplätze und in Archive. Sie wirft die Frage auf, was aus der Fabrik geworden ist und warum im kollektiven Gedächtnis manches nicht abgespeichert ist.
Die weiteren Daten
Im Open-Air-Kino in Wohlen wird der Film ebenfalls Bestandteil des Programms sein. Voraussichtlich am Sonntag, 2. August, wird «Eine Fabrik in Katalonien» gezeigt. Nach der Vorpremiere ist es dann die zweite Ausstrahlung in Wohlen. Vorher und nachher geht es noch in drei Kinos.
Nachfolgend die Daten:
Dienstag, 19. Mai, 18 Uhr, Kino Scala, Langenthal, in Anwesenheit von Regie und Crew.
Samstag, 13. Juni, 17.30 Uhr, Kino Lichtspiel, Olten, in Anwesenheit von Regie und Crew.
Donnerstag, 18. Juni, 20 Uhr, Kino Lichtspiel, Olten.
Donnerstag, 17. September, 18 Uhr, Kino Schloss, Aarau, in Anwesenheit von Regie.

