«Lokale Wertschöpfung ist wichtig»
19.06.2026 Muri, Wohlen, VillmergenUmsetzung wirtschaftlicher Entwicklungsschwerpunkt (ESP) startet
Wohlen und Villmergen investieren gemeinsam in die Zukunft. Und zwar in das grösste Arbeitsgebiet im Bünztal. Das Gebiet zwischen der Villmerger Allmend und dem Wohler Wil hat ganz viel Potenzial. ...
Umsetzung wirtschaftlicher Entwicklungsschwerpunkt (ESP) startet
Wohlen und Villmergen investieren gemeinsam in die Zukunft. Und zwar in das grösste Arbeitsgebiet im Bünztal. Das Gebiet zwischen der Villmerger Allmend und dem Wohler Wil hat ganz viel Potenzial. So viel, dass Regierungsrat Stephan Attiger die Wichtigkeit des Entwicklungsschwerpunktes mit seiner Präsenz markierte.
Daniel Marti
Dass sich Wohlen und Villmergen näherkommen und die Zusammenarbeit suchen, das ist nur positiv. Man kommt sich also entgegen, und beim Industrie- und Gewerbegebiet schliessen sich die beiden Gemeinden sogar zusammen – über die Gemeindegrenzen hinaus. Vom Industriegebiet Hopferen/Allmend über das Ferro-Areal bis hin zu Niedermatten und Wil/Huebächer erstreckt sich dieser Entwicklungsschwerpunkt (ESP), der zusammen nun gezielt gestärkt werden soll.
Wohlen und Villmergen definierten gemeinsam mit Unternehmen und Kanton 19 Massnahmen in den Bereichen Mobilität, Nutzung, Energie und Organisation. Nun wurden die ansässigen Unternehmen und Grundeigentümer sowie Gemeindevertreter über die ersten Ergebnisse der bisherigen Projektarbeiten orientiert (siehe Artikel unten).
Wachstum: Alle zwei Jahre die Stadt Aarau
Regierungsrat Stephan Attiger, Departementsvorsteher Bau, Verkehr und Umwelt, würdigte die Bedeutung des ESP Wohlen/Villmergen als Arbeitsplatzgebiet von kantonaler Bedeutung und die enge und erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Gemeinden und Kanton. Es gehe darum, gute Rahmenbedingungen zu schaffen.
Der Kanton Aargau zeichnet sich laut Attiger mit seiner liberalen Wirtschaftspolitik aus. «Wir sind der liberalste Kanton, bei vielen Rankings ist der Aargau vorne dabei.» Nur spüre der Aargau das überproportionale Bevölkerungswachstum. «Wir bemerken das auf der Strasse, im Restaurant, im Bus, in der Bahn», kritisierte er, um gleich zu relativieren: «Man wächst, weil man attraktiv ist.»
Der Kanton Aargau verzeichnet jährlich ein Bevölkerungswachstum von 10 000 Einwohnerinnen und Einwohnern. «Das macht alle zwei Jahre die Grösse der Stadt Aarau aus.»
Also, der Kanton Aargau wächst. Aber nur einseitig. Denn bei den Arbeitsplätzen ist die Entwicklung «völlig unterdurchschnittlich», so Regierungsrat Attiger. In dieser Hinsicht sei das Engagement beim Wohler und Villmerger Entwicklungsschwerpunkt nur zu begrüssen. Es brauche vor allem kurze Entscheidungswege, so, wie es hier nun der Fall sei, erklärte Attiger abschliessend.
Rund 120 Unternehmen und 3300 Beschäftigte
Die Wirtschaft müsse sich in einer schwierigen Zeit behaupten, in der Welt draussen herrsche Willkür, betonte Ueli Lütolf, Gemeindeammann von Villmergen. «Trotzdem müssen sich die Betriebe weiterentwickeln. Und die lokale Wertschöpfung ist wichtig.» Darum sei die koordinierte und gemeinsame Entwicklung bedeutungsvoll. Bei der Wirtschaftsförderung setzt der Kanton Aargau die Trends, so Lütolf. Genau das wird mit dem aktuellen Entwicklungsschwerpunkt Wohlen/ Villmergen noch unterstrichen.
Über 20 Sitzungen fanden bisher in dieser Sache statt. Vor allem der ehemalige Wohler Gemeindeammann Arsène Perroud steckte viel Herzblut in dieses Projekt. Sein Nachfolger Roland Vogt gehört wie sein Villmerger Amtskollege Ueli Lütolf der Projektsteuerung an.
Renato Sanvido, Vizeammann Villmergen, und Olivier Parvex, Gemeinderat Wohlen, zählen zum siebenköpfigen Projektteam. Sanvido spricht von einem speziellen Gebiet, das nun weiterentwickelt wird. Der ESP Wohlen/ Villmergen umfasst rund 100 Hektaren Arbeitsplatzgebiet mit rund 120 Unternehmen und 3300 Beschäftigten. «Das ganze Gebiet wird von der Gemeindegrenze durchschnitten, das ist eine Besonderheit», betonte Sanvido. Speziell sei auch das Ferro-Areal, das sich über beide Gemeinden erstreckt. Und das Waldgebiet Torbehölzli ist mitten im Industriegebiet ein kleines Naherholungsgebiet.
Online-Befragung lieferte wichtige Erkenntnisse
Das Ziel des Projekts ist eine gesamtheitliche Betrachtung. Weiter soll die Standortqualität verbessert, die bestehenden Arbeitsplätze gesichert und gute Rahmenbedingungen für Investitionen, Weiterentwicklungen und künftige Ansiedlungen geschaffen werden. «Bestehende Firmen sollen hier bleiben und wachsen können», ergänzte Sanvido.
Das Projekt wurde im Sommer 2023 gestartet und begann mit einer wirtschaftlichen Potenzialstudie im Jahr 2024. Im Jahr 2025 folgte eine Auftaktveranstaltung mit einer Online-Befragung und der Bildung einer Spurgruppe. Dieser Spurgruppe gehören ansässige Unternehmen, die beiden Standortgemeinden, die Wirtschaftsförderung Bünztal und der Kanton Aargau an. Die Spurgruppe begleitete die planerischen Arbeiten kritisch, und sie bewertete und priorisierte die Massnahmen.
Bei der Befragung lag die Rücklaufquote bei 41 Prozent. 38 von 93 angeschriebenen Unternehmen und Grundeigentümern nahmen daran teil. Die Unternehmen, die an der Umfrage teilgenommen haben, decken 80 Prozent der Mitarbeitenden im ESP Wohlen/ Villmergen ab. «Der Verkehr und die Erschliessung sind die grössten Herausforderungen», erklärte Sanvido. Auch die Aufenthaltsqualität sollte unbedingt verbessert werden, gefolgt von den fehlenden Grün- und Freiräumen.
Das Fazit teilt sich in vier Aspekte auf. 97 Prozent der Befragten sind mit dem Standort ESP Wohlen/Villmergen zufrieden. Rund zwei Drittel haben konkrete Entwicklungsabsichten in den kommenden fünf bis zehn Jahren. Es ist eine hohe Bereitschaft vorhanden, ökologische Aufwertungen vorzunehmen. Und die Sichtbarkeit und Auffindbarkeit wird positiv bewertet.
Auch die Bereitschaft, in Photovoltaikanlagen zu investieren, sei gross, erklärte Sanvido weiter. Und die Herausforderung namens Bünztalstrasse, die ein riesiges Verkehrsaufkommen hat, «können wir nicht verändern». Das ist dann eine kantonale Angelegenheit.
Für die Umsetzung der rund 20 Massnahmen (siehe Artikel unten) brauche es natürlich Geduld, mahnte Renato Sanvido. Das ist dann die Angelegenheit eines Gebietsmanagements als zentrale Anlaufstelle.
Ansprechperson ganz zentral
Ein Gebietsmanagement mit einer Ansprechperson bildet ein wesentliches Element für die Weiterentwicklung des ESP Wohlen/Villmergen. Die Kosten für diese Stelle werden auf rund 57 000 Franken geschätzt. Für die Wirtschaft entsteht dadurch ein konkreter Nutzen: Unternehmen erhalten eine Ansprechperson für Standort-, Flächen- und Vernetzungsfragen. Zudem werden verfügbare Flächen sichtbarer, gemeinsame Projekte können effizienter umgesetzt und Synergien gezielter genutzt werden.
Gleichzeitig stärkt ein attraktiveres Standortumfeld die Arbeitgeberattraktivität, erleichtert den Erfahrungsaustausch und verbessert die Wahrnehmung des Wirtschaftsstandortes. «Gesamthaft wollen wir das Areal attraktiver machen», betont Claudia Heger von der Wirtschaftsförderung Bünztal mit Sitz im Gemeindehaus Wohlen.
Die nächsten Schritte
Die prioritären Massnahmen werden nun schrittweise mit den Gemeinden Wohlen und Villmergen, dem Kanton, der Wirtschaftsförderung Bünztal sowie den ansässigen Unternehmen und der Grundeigentümerschaft weiter konkretisiert und umgesetzt.
Eine Handlungskarte zeigt ausführlich den Ist-Zustand und die vorgesehenen Massnahmen auf. Jetzt startet eine dreijährige Pilotphase. Eine Verkehrsstudie soll bis Ende 2026 erstellt sein. Ein Konzept für den öffentlichen Erholungsplatz «Torbehölzli» soll bis im Herbst stehen. Ab 2029 sollten die Umsetzungen aller Massnahmen gestartet sein und bis Ende 2032 dauern.
Auf jeden Fall sollte sich der grosse Aufwand allemal lohnen. «Denn dieses Gebiet ist das wichtigste in der ganzen Region», nahm Claudia Heger von der Wirtschaftsförderung Bünztal klar Stellung. --dm



