Heimaturlaub fürs Autokino
16.06.2026 Muri, Kommende Events, Film, Auto23. bis 25. Juli: Joel Knecht kümmert sich um die Filmtechnik am Murianer Traditionsanlass
Seit 2017 lebt er in Deutschland, dem Autokino ist er aber treu geblieben. Joel Knecht ist für die Filmtechnik verantwortlich. «Der grösste Teil der Arbeit ...
23. bis 25. Juli: Joel Knecht kümmert sich um die Filmtechnik am Murianer Traditionsanlass
Seit 2017 lebt er in Deutschland, dem Autokino ist er aber treu geblieben. Joel Knecht ist für die Filmtechnik verantwortlich. «Der grösste Teil der Arbeit erfolgt im Voraus und kann auch aus Regensburg erledigt werden», sagt er. Dennoch, ohne eine Woche Ferien in Muri geht es nicht.
Annemarie Keusch
Nicht, dass es unwichtige Ressorts gäbe. Aber funktioniert die Technik im Autokino nicht, läuft der Film nicht, fehlt der Ton – dann ist das Erlebnis kaputt. Auch wenn der Anlass auch sonst vieles bietet. Kulinarischer Natur. Oder natürlich die Autos. «Ganz allgemein, das Ambiente ist immer wunderschön», sagt Joel Knecht. Seit rund zehn Jahren engagiert er sich im Vorstand, ist für die Technik und die Website verantwortlich und koordiniert das Komitee, das jeweils der Generalversammlung Filme vorschlägt. Dass Knecht mit dem Anlass oberhalb von Muri aufgewachsen wäre, ist dennoch nicht der Fall. «Ich hatte kein cooles Auto, geschweige denn einen ‹Ami-Schlitten›», erzählt Knecht. Das Klischee, dass nur Leute mit solchen Fahrzeugen willkommen seien, hielt sich bei ihm. «Heute noch glauben das viele Leute. Aber dem ist überhaupt nicht so», betont er. Ob in ganz normalen Autos oder gar zu Fuss, um den Anlass im Festzelt zu geniessen – «alle sind willkommen».
Zum Autokino kam Knecht entsprechend zufällig. Weil sich einige Freunde im Verein engagierten und weil 2016 der damalige Technik-Verantwortliche wegen eines Unfalls nicht mobil war und Unterstützung brauchte. Knecht sprang ein – als Operateur im Kino Mansarde waren seine Voraussetzungen entsprechend gut – und war sofort begeistert. Seit 2017 bildet er mit Marco Stadler und Andreas Stierli ein Dreiergespann im Bereich Technik und trägt dafür die Hauptverantwortung. Und das, obwohl er im selben Jahr der Liebe wegen nach Deutschland zog. «Meine Aufgaben lassen sich gut von hier aus erledigen», begründet er.
Pausen in Filme einbauen
Und eben, es hat Joel Knecht schnell den Ärmel reingezogen. «Es ist ein tolles Team, das diesen Anlass jeweils auf die Beine stellt. Entsprechend wollte ich dabeibleiben.» Dafür eine Woche Ferien zu nehmen und im Vorfeld einiges an Freizeit zu investieren, das sei es ihm wert. Zu seinen Hauptaufgaben gehören das Aufbereiten der Werbefilme und -bilder der Sponsoren, das Zusammenschneiden, das Unterlegen mit Musik. Er organisiert die Filme, samt entsprechenden Rechten, und bereitet auch diese auf. «Denn die Pausen bei Kinofilmen, die kennen nur wir Schweizer. In Deutschland oder den USA gibt es das nicht.» Entsprechend muss er die Pause einbauen.
Und Knecht organisiert die Technik. Damit die Filme auf der 14 mal 6,5 Meter grossen Leinwand zu sehen sind, ist nämlich einiges an technischem Aufwand notwendig. «Früher war vieles etwas hemdsärmelig, aber in den letzten Jahren waren die Entwicklungen enorm», erzählt Joel Knecht. Die Holzkiste direkt bei der Leinwand ist nicht mehr nötig, die Technik ist mittlerweile 80 Meter entfernt, entsprechende Projektoren machen das möglich. Diese werden gemietet, genau wie die Leinwand und die Technik für den Ton im Festzelt. «Damit wir wirklich immer à jour sind. Diese Geräte zu kaufen, das macht schlicht keinen Sinn.» Anders ist es mit dem Medienplayer und dem FM-Transmitter für den Ton – das Herzstück der Technik –, diese Geräte gehören dem Verein und befinden sich im mobilen Technik-Rack (sturzsichere und wettergeschützte Technikkiste).
Auf alles vorbereitet
Eine Woche vor dem Autokino reist Knecht jeweils in die Murianer Heimat. Beim Aufbau ist er natürlich dabei. «Ja, es kann durchaus sein, dass ich erst dann feststelle, dass etwas nicht mehr oder nicht wie gewünscht funktioniert.» Gewisse Improvisationskünste sind längst Routine geworden. «Die wichtigen Gerätschaften sind alle doppelt vor Ort, das gibt Sicherheit. Und mittlerweile ist das schnelle Reagieren viel einfacher geworden», sagt Joel Knecht, der beruflich in der Informatik tätig ist. «Das technische Verständnis hilft sicher», meint er und lacht.
Die Vorfreude auf das nächste Autokino von Ende Juli ist gross. Viele Werbungen sind bereits aufbereitet, mit Ton unterlegt. «Vor dem Autokino kann ich die Werbungen jeweils mitsprechen, weil ich sie während des Schnittund Bearbeitungsprozesses so oft gehört habe.» Wenn alles gut läuft, kann er jeweils eine Stunde vor Filmstart den Knopf drücken, dann werden Werbung, Film und so weiter abgespielt. «So kann ich den Anlass selber auch geniessen», sagt Joel Knecht.
Für alle etwas dabei
Die Arbeit ist dann zu weiten Teilen getan. Auch bezüglich Filmauswahl. Ein fünfköpfiges Komitee kümmert sich darum, Joel Knecht koordiniert dieses. «Wir alle sammeln Filmtitel und schauen uns die jeweiligen Trailer an.» Dann folgen die Diskussion und die Vorausscheidung auf maximal 15 Filme. «Dann schauen wir uns alle Filme an und klären ab, ob wir die Filmrechte überhaupt erhalten.» Disney Schweiz beispielsweise vergebe keine Rechte für Open-Air-Kinos. Sechs Filme werden an der GV des Vereins vorgeschlagen, dort folgt der Entscheid. «Alle sollten unterschiedlich sein. Es soll für alle etwas dabei sein. Wobei, das ist am Autokino sowieso der Fall.»
Mehr Infos: www.autokinomuri.ch.
Die drei Filme
Am Donnerstag, 23. Juli: «Ein Mann namens Otto», eine warmherzige Tragikomödie mit Tom Hanks in der Hauptrolle. Der Film erzählt die Geschichte des verbitterten Witwers Otto, der nach dem Tod seiner Frau jeden Lebensmut verloren hat – bis eine temperamentvolle junge Familie in die Nachbarschaft zieht. Besonders die lebensfrohe Marisol stellt Ottos Welt auf den Kopf. Mit Humor, Hartnäckigkeit und echter Herzlichkeit durchbricht sie seine harte Schale und zwingt ihn, sich wieder dem Leben zuzuwenden.
Am Freitag, 24. Juli: «The Mule», ein spannendes Krimi-Drama von und mit Clint Eastwood. Earl Stone, ein einsamer Kriegsveteran und gescheiterter Unternehmer, steht finanziell und familiär mit dem Rücken zur Wand. Als ihm ein scheinbar harmloser Fahrjob angeboten wird, ahnt er nicht, dass er damit zum Drogenkurier für ein mexikanisches Kartell wird. Der Film verspricht Spannung, Humor und emotionale Tiefe und zeigt Eastwood in einer seiner eindrucksvollsten späten Rollen.
Am Samstag, 25 Juli: «Kiss the Cook», eine charmante Feel-good-Komödie von Jon Favreau, der zugleich Regie führt und die Hauptrolle spielt. Favreau verkörpert Carl Casper, einen leidenschaftlichen, aber frustrierten Spitzenkoch, der in einem angesagten Restaurant feststeckt, in dem Kreativität keinen Platz mehr hat. Nach einem öffentlichen Streit mit einem Restaurantkritiker verliert Carl seinen Job – und beschliesst, noch einmal ganz von vorn anzufangen. Gemeinsam mit seinem Sohn und seinem besten Freund startet er einen Foodtruck, mit dem er quer durchs Land reist. Auf diesem kulinarischen Roadtrip findet Carl nicht nur seine Liebe zum Kochen wieder, sondern auch den Zugang zu seiner Familie.
--red


