Gegen Moral und Sitte
12.03.2024 Kelleramt, JonenLiaisons mit Folgen
Erfolgreiche Premiere des Joner Theaters
Nicht immer geht es in Zürich sittlich zu – und schon gar nicht auf dem Polizeiposten. Das Joner Theater begeisterte mit «Seitensprung ins Paradies».
...Liaisons mit Folgen
Erfolgreiche Premiere des Joner Theaters
Nicht immer geht es in Zürich sittlich zu – und schon gar nicht auf dem Polizeiposten. Das Joner Theater begeisterte mit «Seitensprung ins Paradies».
Bereits seit 1944 füllt das Ensemble des Theaters Jonen die Säle mit seinen traditionellen Aufführungen. Und auch heuer, an der 28. Inszenierung, begeisterte man mit dem Schwank «Seitensprung ins Paradies» das zahlreich erschienene Publikum mit absurden Verwechslungen, unvorhergesehenen Wendungen und fragwürdigen Liaisons. Noch an zwei Wochenenden wird das aktuelle Stück gespielt. --cbl
An der Premiere glänzte das Theater Jonen mit der schlüpfrigen Komödie «Seitensprung ins Paradies»
Erstmals seit 2017 lud das Theater Jonen zum traditionellen Theaterabend ein. Mit reichlich Komik und einer geballten Ladung Zynismus wurde das Publikum mit dem Schwank «Seitensprung ins Paradies» in die korrupte und liederliche Welt der Zürcher Polizei entführt.
Celeste Blanc
«Nun folgt die ganz grosse Überraschung.» Triumphal hält Hugo Mörgeli (Alois Odermatt) die Hand in die Luft. Endlich ist ihm der langersehnte Coup gelungen: Gemeinsam mit Gemeinderätin Ottilie Häberling (Erika Odermatt) ist man den unmoralischen Polizisten der Abteilung 2 auf die Schliche gekommen. Während sich die kleinkarierte Häberling dem Kampf gegen das lasterhaft-ordinäre Verhalten einiger Beamten verschrieben hat, bahnt sich für Mörgeli hingegen durch die Aufdeckung der Seitensprünge und Affären im Hotel Paradies am Muggensee der längst verdiente Karrieresprung an. Nur zu dumm, dass er bei seinem Einsatz den Vorgesetzten Brandenberger (Markuy Meyer) dabei mit Ehefrau Silvia (Manu Kull-Gruber) vermeintlich in flagranti erwischt. Und so ist Mörgerlis Ausruf Programm zum Schluss des 3. Aktes – vor allem für ihn selbst.
Mit «Seitensprung ins Paradies» parodiert das Theater Jonen die Bemühungen der Zürcher Polizeibeamten in den 1980er-Jahren, dem Sexgewerbe und dem Verfall der Moral in der Stadt Einhalt zu gebieten. Und doch machen das älteste Gewerbe sowie die Suche nach einem unverbindlichen, romantischen Abenteuer auch vor den städtischen Beamten nicht halt. Dabei sorgt das elfköpfige Ensemble des Joner Theaters unter der Regie von Thomas Schönbächler vor ausverkauftem Haus mit den unvorhergesehenen Wendungen und Verwechslungen für zahlreiche Momente der Komik.
Seit acht Jahren übergangen
Doch zurück auf Anfang. Freitagmorgen, kurz nach acht. Dass das Präsidium abends durch einen Skandal erschüttert werden würde, liegt noch in undenkbarer Zukunft. Und doch beginnt der Tag in einer Weise, die verdächtig stimmt: Hugo Mörgeli, der zuverlässige und pflichtbewusste Beamte, kommt zu spät zur Arbeit. Für Sekretärin Fräulein Zuppinger (Xenia Hemmi) ein Grund zur Sorge – für Dr. Kuno Gehrig (Cyril Weber) hingegen ein Grund zum Hohn. Dieser hat nämlich von seinen Beziehungen profitiert – und Mörgeli, der schon seit acht Jahren als vorbildlicher Beamter glänzt, die Beförderung abgeluchst. Das hat dem liebenswerten Mörgeli den Rest gegeben, weshalb er am Vorabend die Lösung seines Problems auf dem Boden zahlreicher Schnapsgläser zu finden versuchte. Mit dem Erscheinen von Tutti (Monja Brunner), Mörgelis freundschaftlicher Bekanntschaft vom Abend zuvor, auf dem Posten wird die Sache zunehmend kompliziert. Denn Adjunkt Gehrig und Chef Brandenberger, beides «Glüstler» erster Stunde, schmeissen sich an «jede Chatz» heran. Und da gerät Tutti nun ins Visier.
Verschiedene Hauptrollen harmonieren glänzend
Ursprünglich von Franz Arnold und Ernst Bach für die deutschen Bühnen geschrieben, wurde die Schweizerdeutsche Fassung von Hans Gmür für die Stadt Zürich adaptiert. «Ein nicht einfaches Stück», meint Regisseur Schönbächler. Denn auch wenn es sich um einen Schwank handelt, müsse bei so viele Hauptrollen das Timing stimmen. «Und damit haben die Schauspielerinnen und Schauspieler nun an der Premiere geglänzt», lobt Schönbächler, nachdem der Vorhang gefallen ist. Mit dem Aufrechterhalten des Moralkodex möchte auch Gemeinderätin Häberling glänzen. Mithilfe von Mörgeli will sie das laszive Treiben im Hotel Paradies am Muggensee aufdecken. Für Mörgeli ein interessantes Angebot – schliesslich öffnen solche Ermittlungen neue Türen. Und so entgeht dem gutmütigen Beamten, was eigentlich sonst noch so auf dem Polizeiposten passiert: Nämlich, dass Gehrig Tutti mit Mörgelis Frau verwechselt und sie – gerade deshalb – ins Hotel Paradies einlädt. Oder dass sich Mörgelis eigentliche Ehefrau Silvia an Chef Brandenberger heranschmeisst, um ihrem Mann bei der nächsten Beförderung einen Vorteil zu verschaffen. Und dieser führt sie – wie könnte es anders sein – ins Hotel Paradies aus. So kommt, was kommen muss: Im Hotel Paradies treffen die Polizisten mit ihren Begleitungen auf Mörgeli und Häberling. Hinzu kommt der Lüstling Inderbitzin (Daniel Fischer), der sich an alle Frauen ranschmeisst und die verschlagene Hotelbetreiberin Dodo Ganzoni (Nadine Wanner), die alle deckt, weil sie durch die Zürcher Polizisten gutes Geld verdient.
Weitere Vorstellungen geplant
Seit August letzten Jahres feilt das Theater Jonen an der Komödie in vier Akten. Ursprünglich war die Inszenierung auf Frühling 2020 geplant, die jedoch der Corona-Pandemie zum Opfer fiel. Gleiches galt 2021 und 2022. «Danach gab es viele Wechsel und auch die Frage wurde laut, ob nicht ein neues Stück geprobt werden sollte», erinnert sich Schönbächler zurück. Man entschied sich, am «Seitensprung im Paradies» festzuhalten. Zum Glück, denn die Premiere habe gezeigt, dass sich das Warten und der Aufwand gelohnt haben. «Nach all der Zeit, den vielen Proben wurden das Ensemble und alle Helfenden zu einer Crew zusammengeschweisst. Das hat man auf der Bühne gesehen.» Die Premiere mit sensationellem Publikum sei hervorragend gelungen.
Ob sich der Ermittlungsaufwand im Hotel Paradies für Mörgeli gelohnt hat, was ein übermüdeter Lehrer (Adrian Odermatt) mit all dem zu tun hat und wie er mit den ganzen Beweisen weiterverfährt, kann man an den kommenden zwei Wochenenden herausfinden. Das Stück wird jeweils Freitag und Samstag (15./16. März und 22./23. März) um 20 Uhr in der Mehrzweckhalle Jonen aufgeführt.
Weitere Informationen unter: www.stv-jonen.ch.