Einblick in die Bundespolitik
13.03.2026 Berikon, Mutschellen, Parteien, PolitikNationalrätin Simona Brizzi zu Gast in Berikon
Mehr als 20 interessierte Gäste kamen auf die Einladung der SP Mutschellen-Kelleramt, um von Nationalrätin Simona Brizzi eine ebenso persönliche wie politische Reise durch ihren Alltag im Bundeshaus zu ...
Nationalrätin Simona Brizzi zu Gast in Berikon
Mehr als 20 interessierte Gäste kamen auf die Einladung der SP Mutschellen-Kelleramt, um von Nationalrätin Simona Brizzi eine ebenso persönliche wie politische Reise durch ihren Alltag im Bundeshaus zu hören.
In offener, lebendiger Atmosphäre berichtete Brizzi gut gelaunt und erzählfreudig aus ihrem Leben zwischen verschiedenen Rollen: als Dozentin an der Pädagogischen Hochschule Zürich, als Nationalrätin, als Ehefrau und Mutter. Sie schilderte eindrücklich, wie stark ihr Alltag durch Mobilität, Terminfülle und ständige Verfügbarkeit geprägt ist und wie anspruchsvoll es ist, diese verschiedenen Lebensbereiche miteinander zu verbinden. Besonders eindrücklich war ihre Schilderung des Übergangs vom kantonalen Parlament in den Nationalrat. Trotz ihrer Erfahrung als Grossrätin habe sie den Unterschied unterschätzt: Während beispielsweise kantonale Regierungsbotschaften im Grossen Rat rund 30 Seiten umfassen, seien es im Nationalrat nicht selten mehrere Hundert Seiten. Auch die Arbeit mit zahlreichen Räten, Kommissionen und Lobbyorganisationen sei komplex, herausfordernd, zugleich aber politisch hoch spannend. Hinzu komme die neue Perspektive: Nicht mehr primär der Kanton Aargau stehe im Zentrum, sondern die Interessen und Herausforderungen der gesamten Schweiz. Diese Abgrenzung falle im Alltag nicht immer leicht, insbesondere wenn sie im Kanton unterwegs sei und mit lokalen Anliegen konfrontiert werde.
Inhaltlich gewährte Brizzi auch Einblicke in ihre Arbeit in der nationalrätlichen Wissenschafts-, Bildungs- und Kulturkommission (WBK). Als Bildungspolitikerin sei sie dort am richtigen Ort: Zwar gehöre die Kommission nicht zu den öffentlichkeitswirksamsten, doch der fachliche Austausch, die inhaltliche Tiefe der Debatten und die konstruktive Diskussionskultur seien besonders ausgeprägt. Aktuell beschäftige sich die Kommission unter anderem mit dem Entlastungspaket 27 sowie langfristigen Planungen wie der möglichen Austragung der Olympischen Spiele 2038. Ein persönliches Detail sorgte für Schmunzeln im Publikum: Während der Sessionen lebt Simona Brizzi in Bern nicht im Hotel, sondern in einer Wohngemeinschaft und geniesst, wie sie sagte, das «Studentenleben in der Erwachsenen-WG» mitten im politischen Betrieb. Besonders eindrücklich schilderte Brizzi den politischen Entstehungsprozess von Vorstössen: Von der ersten Idee bis zur Umsetzung seien zahlreiche Gespräche, Kompromisse und Aushandlungsprozesse notwendig. Erfolgreiche Politik entstehe nicht durch Abschottung, sondern durch Dialog über Parteigrenzen hinweg. Wer politische Gegner nicht verstehe, nicht zuhöre und nicht versuche, ihre Perspektiven nachzuvollziehen, könne langfristig keine tragfähigen Lösungen entwickeln. Diese Haltung präge auch ihr eigenes politisches Wirken.
Im anschliessenden Austausch wurden zahlreiche Fragen gestellt, unter anderem zu bildungspolitischen Themen wie dem Lehrplan 21, zur Kompromissfähigkeit bürgerlicher Parteien sowie zu lokalen schulpolitischen Fragestellungen. Auch die aktuelle Situation rund um die Kreisschule Mutschellen (KSM) wurde thematisiert. Brizzi begegnete diesen Fragen offen, differenziert und mit Humor und verwies augenzwinkernd darauf, dass sie als PH-Dozentin, Moderatorin und Supervisorin in solchen Prozessen zwar fachlich unterstützen könnte, bislang jedoch noch nicht angefragt worden sei. Den Abschluss des Abends bildete ein gemeinsamer Apéro, bei dem die Gespräche in persönlicher Atmosphäre weitergeführt wurden. --zg
