Dorf in heller Aufregung
19.06.2026 Region Unterfreiamt, Theater, HägglingenAm 14. August findet in Hägglingen die Premiere des Freilichtspiels «Gwitternacht» statt
Sommer 1969. Das Radio kommt ins kleine Dorf am Maiengrün und plant eine Live-Sendung. Das sorgt für viel Aufregung in der Bevölkerung. Im Stück ...
Am 14. August findet in Hägglingen die Premiere des Freilichtspiels «Gwitternacht» statt
Sommer 1969. Das Radio kommt ins kleine Dorf am Maiengrün und plant eine Live-Sendung. Das sorgt für viel Aufregung in der Bevölkerung. Im Stück kann das Publikum die Vorbereitungen und die Sendung vor Ort verfolgen. «Es wird in vielerlei Hinsicht speziell», versichert Produktionsleiter Christian Roth.
Chregi Hansen
Er ist gefordert an diesem Abend. Als Co-Präsident des Vereins Tellspiele Hägglingen lädt Christian Roth Gönner und Sponsoren zu einem ersten Probenbesuch vor dem Forsthaus. Als Produktionsleiter berichtet er über den aktuellen Stand der Arbeiten. Und als Mitglied des Ensembles hat er auch noch einen Auftritt in der gespielten Szene. «Ich muss zwar nur einen Satz sagen, aber der muss sitzen», erklärt Roth schmunzelnd.
Prompt misslingt der erste Versuch. Als Redaktor der Dorfzeitung soll Roth den heimlichen Flirt zwischen dem Gemeindeammann und der Radiomitarbeiterin bildlich festhalten. «Du musst schon durch den Sucher des Apparats schauen. Wir sind im Jahr 1969, da gab es noch keine Digitalkameras», interveniert Regisseurin Brigitt Maag und sorgt damit für einen Lacher. Auch andere Fehler kommentiert die langjährige Theatermacherin mit Humor. «Du kannst da nicht rauslaufen, da steht später eine Wand», gibt sie einem anderen Darsteller zu bedenken. «Wenn die Wand da ist, sehe ich sie auch», gibt dieser schlagfertig zurück.
Das Puzzle zusammenfügen
Die Stimmung ist bestens an diesem Abend, auch wenn sich alle bewusst sind, dass noch viel Arbeit auf das Ensemble und die künstlerische Leitung wartet. Diese Stimmung sei nicht selbstverständlich, erklärt der Produktionsleiter. Denn das Stück sei völlig anders als die bisherigen. Im ersten Teil dominieren viele kleine, in sich abgeschlossene Szenen an unterschiedlichen Schauplätzen. «Das führte dazu, dass die ersten Proben ganz anders waren als früher. Oft im kleinen Rahmen, in kurzen Abschnitten und in unterschiedlichen Zusammensetzungen. Das machte es schwierig, ein Gemeinschaftsgefühl zu entwickeln», schaut Christian Roth auf die Anfänge zurück. Umso glücklicher ist er, dass nun vor Ort im Wald geübt werden kann und sich die Einzelteile nach und nach zusammenfügen. «Jetzt wird spürbar, was hier Tolles entsteht.»
Seit Ende Mai kann vor dem Forsthaus geprobt werden. Damit kehrt man nach zehn Jahren an den Ort zurück, wo man mit «Emmetfeld» einen Grosserfolg feiern konnte. «Der Platz ist ideal. Leider finden noch verschiedene Anlässe im Forsthaus statt, sodass wir erst ab 6. Juli alles für uns haben», erklärt Vorstandsmitglied Pius Schöpfer. Das sei nicht ideal, aber man habe sich arrangiert. Bereits jetzt wird am Bühnenbild gearbeitet – gespielt wird in verschiedenen kleinen Räumen auf zwei Ebenen. Sie zeigen unter anderem das Büro des Ammanns, die Redaktion der Zeitung, ein Wohnzimmer oder auch eine Beiz. Auch in dieser Hinsicht unterscheidet sich «Gwitternacht» von allen bisherigen Produktionen. «Es wird in verschiedener Hinsicht speziell. Und Brigitt Maag als Regisseurin ist Garant dafür, dass am Schluss auch noch etwas Spektakuläres passiert», sagt Christian Roth. Was genau, will er noch nicht verraten. «Aber für das Publikum besteht keine Gefahr», versichert er lachend.
Ganz viel Lokalkolorit
Dieses kommt in den Genuss einer besonderen Geschichte. Das Stück beginnt an einem Montag mit der Ankündigung des Schweizer Radios, dass Hägglingen ausgewählt wurde, um am Samstag von hier aus «Bodeständig – ein bunter Unterhaltungsabend vom Land» live auszustrahlen. Eine Woche lang können die Zuschauer die Vorbereitungen mitverfolgen. Natürlich will jeder und jede glänzen und einen Auftritt in der beliebten Sendung haben. Selbst der DTV, obwohl man seine Nummer gar nicht sehen kann. «Ich kann ja kommentieren, was gerade gezeigt wird», meint die Präsidentin. Eine Idee, die verworfen wird.
Bei den Vorbereitungen wird einiges über das Dorf und die Stimmung Ende der 60er-Jahre deutlich: Dinge, die man gern kundtun – aber auch Sachen, die man lieber für sich behalten möchte. Auch Anspielungen auf das Dorfleben fehlen nicht. «Wir verwenden ganz viele Namen, die man in Hägglingen kennt. Aber setzen sie so ein, dass sich niemand düpiert fühlt», erklärt der Produktionsleiter. Im zweiten Teil des Stücks findet dann die Live-Sendung statt, die unter dem Eindruck der sich nähernden Gewitterfront steht. Dabei läuft natürlich nicht alles wie geplant. «Es gibt Momente zum Lachen. Aber auch nachdenkliche Momente», so Roth.
Auch abseits der Bühne auf hohem Niveau unterwegs
35 Personen zählt das Ensemble, welches aus lauter Laien besteht. Die künstlerische Leitung hingegen liegt in den Händen von professionellen Theaterleuten. Und natürlich gibt es auch dieses Jahr Live-Musik durch eine Band – sogar ein Kinderchor ist mit von der Partei. Nur auf den Auftritt der legendären Geschwister Schmid muss man verzichten. «Sie bedauern, aber müssen absagen», heisst es im Stück. Aber auch abseits der Bühne wird dem Publikum viel geboten. Vor der Aufführung kann man sich im eigens eingerichteten Restaurant kulinarisch verwöhnen lassen oder sich an einem der Aussenstände verpflegen. «Es gibt 320 Sitzplätze auf der Tribüne. Aber nur 100 Plätze im Restaurant. Es lohnt sich, rechtzeitig zu reservieren», sagt Co-Präsidentin Esther Schweizer mit einem Augenzwinkern.
Pro Abend rund 65 Personen im Einsatz
Apropos Reservation – Stand jetzt wurden bereits 2400 Tickets verkauft. Damit sei man zufrieden, versichert der Vorstand, denn noch wurde erst wenig Werbung gemacht. Damit soll jetzt gestartet werden. Insgesamt wird «Gwitternacht» 20-mal aufgeführt. Dafür braucht es nicht nur auf der Bühne viele Leute, sondern auch hinter den Kulissen. Pro Abend sind inklusive Ensemble rund 65 Personen im Einsatz. «Zum Glück haben wir in Hägglingen ein tolles und aktives Vereinsleben. Wir erhalten von ihnen ganz viel Unterstützung», erklärt Schweizer. Etliche Vereine würden gleich alle Helferschichten eines Abends übernehmen. «Aber natürlich freuen wir uns, wenn sich noch weitere Leute als Helfer melden», so die Co-Präsidentin.
Die Verantwortlichen sind überzeugt, dass «Gwitternacht» zum Erfolg wird. Dazu trägt sicher auch Regisseurin Brigitt Maag bei. Die Theatermacherin und Schauspielerin aus Othmarsingen gehörte zu den Gründern von Karl’s kühne Gassenschau und ist damit Garantin für Spektakel. Die Arbeit mit einem Laientheater ist für sie als Profi eine besondere Herausforderung. Doch sie findet den richtigen Ton, wie der Probenbesuch beweist. «Sie kann unglaublich gut mit Menschen umgehen. Sie weiss genau, was es braucht. Merkt aber auch, wenn es zu viel wird», berichtet Roth. Er jedenfalls mache die Erfahrung, dass alle nach einer Probe zufrieden nach Hause gehen. Und zufrieden soll auch das Publikum sein. Dafür wird in den nächsten acht Wochen noch intensiv gearbeitet. Bevor es dann am 14. August trotz drohendem Gewitter erstmals heisst: «Radio live aus Hägglingen».
«Gwitternacht»: Freilichttheater vor dem Forsthaus Hägglingen vom 14. August bis 19. September. Informationen und Tickets: www.gwitternacht.ch


