Der Ohnmacht begegnen
27.05.2026 Kelleramt, Jonen, WohltätigkeitSeine Art zu helfen
Spendenaktion für in Muri verunfallten Manuel
Sie trafen sich zum Grillieren, tauschten sich über Aktualitäten aus. «Wir sahen uns nicht wöchentlich, aber die Freundschaft hatte ganz viel Qualität», ...
Seine Art zu helfen
Spendenaktion für in Muri verunfallten Manuel
Sie trafen sich zum Grillieren, tauschten sich über Aktualitäten aus. «Wir sahen uns nicht wöchentlich, aber die Freundschaft hatte ganz viel Qualität», sagt Nathan Bühler. Vor erst wenigen Wochen verlor er bei einem tödlichen Selbstunfall seinen Freund Manuel. Eine Frau hat dabei ihren Mann verloren, ein erst fünf Wochen altes Baby seinen Vater. «Es ist alles unglaublich traurig», sagt Bühler. Trotz lähmender Ohnmacht lancierte er eine Spendensammlung. Bereits kamen 11 200 Franken zusammen.
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Manuel starb Anfang April bei einem Autounfall – nun sammelt sein Freund Geld für die Hinterbliebenen
Ein fünf Wochen altes Mädchen verlor seinen Vater. Eine junge Frau wurde auf einen Schlag zur allein erziehenden Mutter. Am 7. April verlor Manuel auf der Talstrasse in Muri sein Leben. Sein Freund Nathan Bühler reagiert nun mit einer Spendensammlung. «Mehr kann ich nicht tun, leider», sagt er.
Annemarie Keusch
Kalt lässt das niemanden. Ein 31-jähriger Mann aus Jonen verlor Anfang April sein Leben. Warum er auf der Talstrasse in Muri in einen Baum prallte? Warum sein Auto Feuer fing? Es sind Fragen, die wohl nie abschliessend beantwortet werden können. «Ja, das tut weh», sagt Nathan Bühler. Seit vielen Jahren war der verunfallte Manuel sein Freund. Würde er noch leben, wenn sofort jemand da gewesen wäre und reagiert hätte? Hätte es eine Chance gegeben? Solche Fragen stellt sich Nathan Bühler täglich, ohne je Antworten zu erhalten. Es gibt Tage, da realisiere er, was passiert sei. Die Tage, an denen er hadert, sich immer und immer wieder die Frage des Warums stellt, sind aber noch viel mehr.
Am 7. April hat Nathan Bühler einen langjährigen Freund verloren. «Wir kennen uns aus der Lehre, besuchten gemeinsam die Berufsschule.» Bühler, der in Nesselnbach aufwuchs und Manuel, der in Jonen lebt, trafen sich oft im Bus, verbrachten die Mittagspausen zusammen und schrieben die Projektarbeit gemeinsam. «Seither hielt der Kontakt.» Wenn auch lose. Mal ein Anruf, mal ein Treffen. «Er war einer jener Menschen, die für seine Leute immer da sind.» Liebevoll, herzensgut, ein wahrer Freund – so beschreibt Nathan Bühler den verstorbenen Manuel.
11 200 Franken bereits gesammelt
Der Schock sass tief, als Nathan Bühler noch am Tag des Unfalls von der Tragödie erfuhr. «Ich war unglaublich traurig. Für ihn, für seine Frau, für ihre Tochter.» Im Januar heiratete Manuel, fünf Wochen vor dem Unfall kam seine Tochter zur Welt. «Was mir besonders einfuhr: Auch ich erlitt einen Unfall, als mein Kind fünf Wochen alt war. Ich brach den Fuss. Manuel hatte nicht so viel Glück.» Entsprechend sind es vor allem die Momente mit seinen Kindern, die Nathan Bühler bewusst werden lassen, was Manuel und seine Tochter nicht zusammen erleben können. «Das tut unglaublich weh.»
Noch am Tag des Unfalls fuhr Bühler nach Jonen. Dorthin, wo der Verunglückte Zeit seines Lebens zu Hause war. Weil niemand zu Hause war, hinterliess er einen Zettel und bot seine Hilfe an. Der Kontakt zur Witwe und zum Vater des Verstorbenen ist seither da. Und als Nathan Bühler die Idee eines Spendenaufrufs einbrachte, spürte er sofort die Dankbarkeit der Familie. Vor rund zwei Wochen lancierte er das Projekt auf der Plattform «gofundme».
Stand gestern kamen bereits 11 200 Franken zusammen. 50 000 Franken sind das Ziel. «Es wäre schön, wenn Manuels Frau dank der Spenden nicht schon sehr früh wieder arbeiten müsste, sondern sich Vollzeit um die Tochter und um das Trauern kümmern könnte», sagt Nathan Bühler. Er wisse, dass diese Hilfe nur ein Tropfen auf den heissen Stein ist. Dass der Weg lang ist, den Manuels Familie gehen muss. «Aber so kann ich mindestens etwas tun.»
Zum Treffen kam es nicht mehr
Sein Spendenaufruf erhält viel Unterstützung. Auch persönlich darf Nathan Bühler viel Zuspruch erfahren. «Es ist schön zu spüren, dass die Familie nicht allein ist.» Das tue auch gut im eigenen Trauerprozess. «Ich hätte ihn so gerne nochmals gesehen, ihm zu seiner Tochter gratuliert.» Wenige Tage vor Manuels Tod schrieb er ihm eine Nachricht. «Das Treffen war geplant, aber dazu kam es leider nicht mehr. Natürlich ist das sehr schwer zu verstehen.» Kraft gibt ihm in dieser schwierigen Situation auch der Glauben. Nathan Bühler wandte sich auch an der Abdankungsfeier Anfang Mai an die vielen Trauernden.
Trost, helfen zu können
Durch das Sammeln von Spenden ist Nathan Bühler täglich mit dem schlimmen Ereignis konfrontiert. «Ich denke sowieso täglich an Manuel. Immer, wenn ich Zeit mit meinen Kindern verbringe.» Nun etwas machen zu können, was den Hinterbliebenen hilft, sei für ihn zusätzlich tröstlich. Trotzdem sagt Nathan Bühler: «Ich wünschte, wir würden weiterhin hie und da miteinander ein Bier trinken und quatschen. Und ich wünschte, seine Frau hätte ihren Mann und seine Tochter ihren Vater noch.»
Mehr Infos und Spendenmöglichkeit: www.gofundme.com/f/spendenaufruf-furdie-famile-von-manuel-f



