Der Biber musste umziehen
12.05.2026 Region Unterfreiamt, VillmergenEröffnung des neuen Wärmeverbunds der Gemeindewerke Villmergen
Die wohl wichtigste Etappe ist gemeistert: Seit Kurzem versorgt der neue Wärmeverbund die ersten Haushalte mit Energie. In Zukunft sollen sich weitere Interessierte ans Netz anschliessen. Platz ...
Eröffnung des neuen Wärmeverbunds der Gemeindewerke Villmergen
Die wohl wichtigste Etappe ist gemeistert: Seit Kurzem versorgt der neue Wärmeverbund die ersten Haushalte mit Energie. In Zukunft sollen sich weitere Interessierte ans Netz anschliessen. Platz für einen Ausbau ist in der Heizzentrale vorhanden.
Chregi Hansen
Drei Jahre nach der Zustimmung durch die Stimmbürger konnten die Gemeindewerke Villmergen endlich zur Einweihung laden. Der Bau der Zentrale und der Leitungen hatte etwas länger gedauert als geplant, was auch mit Einsprachen zu tun hatte. Umso glücklicher ist man bei den Verantwortlichen, dass es nun endlich geklappt hat.
«Vor Kurzem stieg erstmals weisser Rauch in den Himmel. Aber keine Angst, wir haben keinen neuen Papst gewählt, sondern die Heizzentrale in Betrieb genommen», erklärte Vizeammann und Ressortvorsteher Renato Sanvido an der Einweihungsfeier. Und überhaupt – was man sehe, sei kein Rauch, sondern Dampf. Mit dem Start des Betriebs sei ein weiterer Meilenstein erreicht worden. «Der Weg war nicht immer einfach. Wir mussten das Projekt immer wieder hinterfragen, anpassen und optimieren», so Sanvido weiter. Aber das Ziel war immer klar: «Wir können hier mit Holz aus dem eigenen Wald Energie erzeugen. Das bedeutet kurze Transportwege und regionale Wertschöpfung. Und weniger Abhängigkeit von den fossilen Energieträgern. Die aktuelle Entwicklung zeigt, wie richtig dieser Entscheid vor drei Jahren war.» Der neue Wärmeverbund war auch ein Herzensprojekt von Martin Hössli, Geschäftsleiter der Gemeindewerke. «Natürlich ist das Ganze ein Teamwork. Aber er ist stets vorausgegangen und hat an das Projekt geglaubt», lobte Gemeinderat Sanvido. Hössli strahlte denn auch über das ganze Gesicht an diesem Morgen. Er spricht von einem wunderbaren Zusammenspiel. «Der Forst liefert das Holz, das ewz macht daraus Energie, und wir liefern diese zu den Kunden», fasst er das Prinzip zusammen.
Kooperation als neues Modell
Christoph Deiss, Leiter Energielösungen bei der ewz, spricht gar von einem einmaligen Modell. «Wir betreiben schweizweit rund 50 Wärmeverbünde. Aber dieses Kooperationsmodell ist neu», sagt er. Normalerweise werde ein solcher Verbund von einem Versorger betrieben, hier seinen zwei in einem Boot. Aber Deiss sieht darin auch Vorteile. «Die Gemeindewerke kennen die Kunden besser als wir. Und diese wissen, an wen sie sich wenden können», so der Vertreter aus Zürich. Und wenn die Heizungen mal kalt bleiben, landen die Reklamationen bei den Gemeindewerken und nicht beim ewz, fügt er schmunzelnd an.
Genug Holz im Wald
Wobei die Gefahr dafür gering ist. Die ewz überwacht die Anlage aus der Ferne und kann bei Störungen sofort reagieren. Und auch das Holz wird den Villmergern nicht so schnell ausgehen, wie Förster Matthias Bruder versichert. «Diese Frage wird mir immer wieder gestellt. Aber obwohl in der Schweiz nur so viel Holz genutzt werden kann, wie auch nachwächst, reicht es problemlos für diese Heizzentrale», erklärt er und unterstreicht die Aussage mit einer Mengenrechnung. Wie aus den Baumstämmen Schnitzel für die Heizung wird, demonstriert sein Team nach der Einweihung direkt vor Ort. «Im Wald arbeiten wir immer nachhaltig. Dieses Projekt passt gut zu uns», so Bruder.
Martin Hössli wiederum schaut auf die Probleme während der Planung und dem Bau zurück. Da gab es einige. Schon der Spatenstich hat sich wegen der Einsprachen eine halbes Jahr verzögert. Beim Leitungsbau machten Vorschriften des Kantons Anpassungen nötig. Dabei ging es vor allem um die Bachquerung. «Da haben innert drei Jahren die Vorschriften komplett geändert», so der Geschäftsleiter. Dazu haben die Arbeiter in den Leitungsrohren plötzlich eine Biberfamilie entdeckt, die sich dort gemütlich eingerichtet hat und zum Umzug bewegt werden musste. «Insgesamt sind beim Bau der Leitungen Mehrkosten von rund 100 000 Franken entstanden», berichtet Hössli. Weil man beim Bau der Zentrale aber unter Budget bleibt, sollte der bewilligte Kredit von 6,6 Millionen Franken eingehalten werden.
Tolles Teamwork
Auch Martin Hössli betont die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten. «Am Bau waren 32 Firmen mit rund 160 Fachleuten beteiligt, vom Lehrling bis zum Ingenieur», schaut er auf die vergangenen Monate zurück. Doch noch gibt es viel zu tun, bisher wurde nur die erste Etappe realisiert. Dazu gehörte auch die Übernahme des bestehenden Wärmeverbunds von Godi Stähli. In den kommenden Monaten sollen weitere Kunden akquiriert und weitere öffentliche Gebäude angeschlossen werden. Vorausschauend hat man die Zentrale so konzipiert, dass ein zweiter Brenner Platz findet. Doch schon früher können die Gemeindewerke zu einem weiteren Fest laden. Nächstes Jahr feiert Villmergen 125 Jahre Stromversorgung. «Dann treffen wir uns wieder hier zum Feiern», verspricht der Geschäftsleiter.


