Demokratie versus Solidarität
30.12.2025 Kelleramt, LeserbriefeDie geplanten Windräder auf dem Lindenberg bewegen die Gemüter. Nachdem ich als Auswärtiger die Transparente in der Gemeinde Beinwil gesehen habe, dachte ich: «Hoffentlich hinterlässt das keinen bleibenden ‹Flurschaden›». Das ...
Die geplanten Windräder auf dem Lindenberg bewegen die Gemüter. Nachdem ich als Auswärtiger die Transparente in der Gemeinde Beinwil gesehen habe, dachte ich: «Hoffentlich hinterlässt das keinen bleibenden ‹Flurschaden›». Das deutliche Abstimmungsresultat gegen die Windräder hat mich überrascht. Der Gemeinderat hatte das Projekt unterstützt. Bemerkenswerterweise hat kein einziger Umweltverband Beschwerde eingereicht. Eigentlich eine klare Ausgangslage. Und trotzdem dieses Verdikt vom Beueler Stimmvolk. So weit, so gut – Demokratie eben.
Als Aussenstehender stelle ich mir trotzdem ein paar Fragen. Nicht Fragen zu den Windrädern direkt. Als Hausbesitzer wage ich zum Beispiel schon gar nicht die Frage nach dem Landver- schleiss zu stellen. Wegen der Verhältnismässigkeit würde ich mich sofort als Egoist entlarven. Es geht mir um die Solidarität. Wieso um Solidarität? Sehr viele Menschen tragen Lasten, die erst unseren Wohlstand ermöglichen. Ich meine damit Autobahnlärm, Eisenbahnlärm, Fluglärm, AKW-Nähe, Strassenlärm, Staudämme, Hochspannungsleitungen, Kläranlagen und vieles mehr. In Beinwil ist von all diesen Dingen nichts zu spüren. Die schöne kleine Gemeinde ist auf Kosten des Kantons gleich mit zwei Hauptstrassen erschlossen. Die Turnhalle und auch das Schulhaus wurden mit kantonalem Finanzausgleich mitfinanziert.
Beinwil konnte diese Windräder im Alleingang bodigen. Wie wäre das wohl gewesen, wenn es dazu eine kantonale Abstimmung gegeben hätte? Wenn die von anderen Lasten zugunsten des Allgemeinwohls Betroffenen auch hätten abstimmen dürfen? Um das zu verdeutlichen, braucht man gar nicht weit zu suchen. Ich denke da an die Sinser. Sie mussten für sehr viel Geld eine Umfahrung bauen, die sie selbst gar nicht brauchen. Wetten, dass auf dieser Umfahrung täglich Leute von Beinwil auf ihrem Arbeitsweg anzutreffen sind. Nutzen und Lasten sind hier ungleich verteilt.
Ich will mich bewusst nicht in die Niederungen der Pseudoargumente gegen Windräder auf dem Lindenberg einlassen. Aber das mit der Solidarität beschäftigt mich. Solidarität ist keine Einbahnstrasse.
Franz Hagenbuch, Rottenschwil
