«Dann steht viel auf dem Spiel …»
27.05.2025 Wohlen, SchuleReferat von Patrick Isler, Leiter der Abteilung Volksschule im Departement BKS, zur integrativen Schule
Dieser Mann ist der Schul-Experte im Kanton Aargau. Patrick Isler-Wirth leitet die Abteilung Volksschule im kantonalen Departement Bildung, Kultur und Sport. «Die ...
Referat von Patrick Isler, Leiter der Abteilung Volksschule im Departement BKS, zur integrativen Schule
Dieser Mann ist der Schul-Experte im Kanton Aargau. Patrick Isler-Wirth leitet die Abteilung Volksschule im kantonalen Departement Bildung, Kultur und Sport. «Die Volksschule», sagt er, «legt die Basis für die Demokratie.» Damit ist natürlich auch die integrative Schule gemeint.
Wenn er über die Volksschule spricht, dann tut er es mit viel Fachwissen, aber auch mit Witz und Charme. Dabei wirkt der oberste Schulhüter im Aargau nicht überheblich, sondern bodenständig und verständnisvoll. Denn irgendwie muss man auch Verständnis aufbringen, wenn man über integrative Schule referiert. Sie steht zumindest ansatzweise in der Kritik – denn zwei Vorstösse im Grossen Rat verlangen Veränderungen. Zumindest Optimierungen, so wie es die Mitte verlangt. Darum war Isler mit seinem Referat im Schlössli am richtigen Ort bei der Mitte Wohlen. Bildung sei die Basis der Demokratie «und diese sichert uns den Wohlstand. Dabei ist die Volksschule der zentrale Ort», so Isler, «da kommen alle Menschen zusammen». Wirklich alle, unabhängig von Religion, Hautfarbe und Nationalität.
Und so folgerte der Leiter der Abteilung Volksschule im Departement Bildung, Kultur und Sport völlig logisch: «Wenn es der Volksschule nicht gut geht, dann steht viel auf dem Spiel. Denn sie erbringt zudem eine grosse und wichtige Integrationsleistung.» Und der integrative Ansatz sei wahrlich nicht neu, räumte er ein. Schule garantiere Strukturen und Sicherheit, «wer die aufbricht, schafft Unsicherheit».
Ein Milliarden-Budget unter sich
Wenn genau das einer wissen muss, dann ist es Patrick Isler. Er trägt gegenüber der Politik die Verantwortung für die Aargauer Volksschule mit einem Budget von rund einer Milliarde Franken. Unter seiner Führung stehen rund 500 Schulleitende, knapp 10 000 Lehrpersonen und rund 84 000 Schülerinnen und Schüler.
Isler verfügt zudem über einen riesigen Erfahrungsschatz. Der gelernte Hochbauzeichner kennt die Volksschule aus der Praxis: Er unterrichtete auf allen Stufen der Volksschule. Er amtete als Schulsozialarbeiter, Schulleiter und Sozialpädagoge. Und er war als Forscher, Dozent und Lehrbeauftragter an verschiedenen Hochschulen tätig.
In den letzten Jahren habe der Druck auf Schulleitungen und Lehrpersonen extrem zugenommen, weiss Patrick Isler. Die Schulraumfragen, der Lehrplan 21, die Abschaffung der Schulpflegen, dies alles zählte er auf. «Zudem verändert die Digitalisierung die ganze Welt. Und jede Reform war eine grosse Kiste.» Das alles erzeuge Druck auf das ganze System. Auch auf das Schulsystem. Aber alles ist nicht neu. Isler zeigte beispielsweise ein ganz altes Schwarz-Weiss-Bild einer Klasse. «Und so sieht eine Lernlandschaft aus», sagte er schmunzelnd dazu und machte einen Vergleich: «Seit es Bildung gibt, wird darüber diskutiert, was zu einer guten Lehrkraft gehört.»
Die grösstmöglichen Entwicklungschancen
Ähnlich alt ist die Diskussion über Standardunterricht. Um 1874 wurde verhandelt, ob beispielsweise Metzger von Metzgern unterrichtet werden. Ab 1980 gab es Modellprojekte für die integrative Schule in den Kantonen Bern, Zürich, Aargau. Und vier Jahre später sei die Integration in den Mittelpunkt gestellt worden. Mittlerweile gibt es ein genügend grosses Verständnis für die integrative Schule. Denn auch schwächere Schülerinnen und Schüler müssen «irgendwann dem Arbeitsmarkt zugeführt werden».
Darum ist das Ziel für Patrick Isler völlig klar: «Kinder müssen so platziert werden, dass sie mit ihren individuellen Bedürfnissen die grösstmöglichen Entwicklungschancen haben.» Und er räumt mit einem Vorurteil auf: «Alle Kinder zu gleichen Teilen im gleichen Raum zu unterrichten, das hat nichts mit integrativer Schule zu tun.» Zusammen ja, aber nicht immer in den gleichen Räumlichkeiten. «Denn eine reine Sonderschule ist die massivste Form von Separation.» Einmal Sonderschule bedeutet immer Sonderschule. «Und das bedeutet dann schlechtere Chancen, um in die Berufswelt einzusteigen.»
Fachkräftemangel ist eklatant
Das grösste Problem sei gegenwärtig der Fachkräftemangel, sagte Isler zum Abschluss. Dieser werde heute, morgen, übermorgen anhalten. «Es gibt einen eklatanten Mangel an Heilpädagogen und Lehrkräften.» Und wichtig sei deshalb auch der Transport des Know-hows.
Wenn das Personal schwach sei oder eben nicht ausgebildet, «dann nützen auch neue Schulräume nichts», sagte Patrick Isler an der anschliessenden Podiumsdiskussion leicht provokativ. Es sei halt ab und zu schwierig, eine gute Stimmung zu erzeugen, «auch in der Schule». Aber eine gute Atmosphäre ist natürlich hilfreich – selbstverständlich im Berufsleben und im Schulalltag. --dm

