Über Parteigrenzen hinweg gerockt
20.03.2026 Wohlen, Traditionen, EinwohnerratTraditionelle Feier für die neue Einwohnerratspräsidentin Julia Frischknecht wurde zur lockeren Party
Locker, lässig, verbindend und mit ausgelassener Stimmung. Die traditionelle Feier für das neue Oberhaupt des Einwohnerrates wurde zu einem positiven ...
Traditionelle Feier für die neue Einwohnerratspräsidentin Julia Frischknecht wurde zur lockeren Party
Locker, lässig, verbindend und mit ausgelassener Stimmung. Die traditionelle Feier für das neue Oberhaupt des Einwohnerrates wurde zu einem positiven Moment der Wohler Politik. Es wurde über alle Parteigrenzen hinweg gefeiert – auch dank der Band «FraktionsZwang».
Daniel Marti
«Da habt ihr eine gute Person ausgewählt», hauchte Simon Glauser ins Mikrofon. Der SVP-Politiker meinte damit Einwohnerratspräsidentin Julia Frischknecht. Glauser sass zehn Jahre im Stadtrat von Bern. Und ist Sänger der Band «FraktionsZwang». Musiker und Politiker Glauser kennt, wie alle seine Bandmitglieder, keine Berührungsängste. Als SVPler macht er einen Grünliberalen eben auch gerne Komplimente. Solche waren übrigens durchaus angebracht. Julia Frischknecht verstärkte zwischendurch «FraktionsZwang», sang selbst mit, und zwar «Hemmige» von Mani Matter – und das ganz ohne Hemmungen.
Einen Wunsch erfüllt
Frischknecht, Politikerin und ausgebildete Sängerin, passt bestens zur Band «FraktionsZwang». Und es war der Wunsch der neuen Einwohnerratspräsidentin, dass «FraktionsZwang» bei ihrem Fest aufspielt. Der traditionelle Apéro zu Beginn der neuen Legislatur fand im Kulturwerk Bleichi statt. Einmal ganz anders, ganz locker mit Bar und Band. Tolle Idee. Man merkt, da ist eine junge Politvertreterin als «höchste Wohlerin» am Ruder. Und das wird der Wohler Politik bestimmt nur guttun.
Im Kulturwerk kamen sich die Politikerinnen und Politiker näher, lachten und diskutierten zusammen. Und sie genossen «FraktionsZwang» in vollen Zügen. Ein ganz guter Start in die neue Amtsperiode. Sie habe sich «Fraktions-Zwang» bewusst für ihre Party gewünscht, fügte Frischknecht nochmals an. Und sie sei happy, dass es geklappt habe.
Bereits an der Einwohnerratssitzung zuvor hatte Julia Frischknecht alles im Griff. Die beiden dominanten Traktanden, zwei Schulraumprovisorien und die Sanierung von vier Plätzen beim Tennisclub Wohlen Niedermatten, waren herausfordernd und in der Führung anspruchsvoll. Die Diskussionen waren zum Teil sehr ausgedehnt. Julia Frischknecht ermahnte die Politikerinnen und Politiker, die ihre Voten in die Länge gezogen haben. Einerseits, weil das Geschäftsreglement unbedingt eingehalten werden soll, und andererseits, weil die Party mit «FraktionsZwang» wartete.
Alle politischen Couleurs mit Alt-Nationalratspräsidentin
Was versteckt sich überhaupt hinter «FraktionsZwang»? Unter der Initiative des ehemaligen Berner Stadtrates Martin «Tinu» Schneider haben sich mit «FraktionsZwang» zehn Politikerinnen und Politiker aller politischen Couleurs zusammengefunden, um gemeinsam Musik zu machen und auf der Bühne zu stehen. Schneider, ehemals BDP und heute parteilos, ist ein guter und vorbildlicher Wurf gelungen. Spätestens bei der Kultur sollten sich die Parteigrenzen auflösen. «Auch wenn sich die zehn Bandmitglieder politisch nichts schenken, im Proberaum gilt: Das gemeinsame Musizieren wird immer über die politische Ausrichtung gestellt», schreibt die Band zu ihrer Ausrichtung.
Seit März 2009 komponieren, proben und rocken die zehn Personen zusammen. Sie spielen bekannte Covers, Polo Hofer bis Mani Matter, singen «Berndütsch» und haben inzwischen 25 eigene Songs in ihrem Repertoire. In den Songtexten gibt es keine politischen Statements, aber etwas Selbstironie darf es schon mal sein. Und noch eine Feststellung: «Fraktions-Zwang ist ein aussergewöhnliches politisches, musikalisches, aber auch soziales Experiment, das wohl weltweit vergeblich seinesgleichen sucht.» Etliche Persönlichkeiten spielen mit: Beispielsweise am Schlagzeug Mario Imhof, FDP, Stadtrat Bern; an der Gitarre Patrizia Mordini, SP, Stadträtin Bern. Ebenfalls an der Gitarre Bandgründer Martin Tinu Schneider. Oder Sänger Simon Glauser, der SVPler sass zehn Jahre im Berner Stadtrat. Und da wäre noch Christa Markwalder, Alt-Nationalratspräsidentin, FDP, am Cello.
Wie das Wohler Gegenstück aussehen könnte
Würde man diese Besetzung auf Wohler Verhältnisse ummünzen, dann würde das etwa so aussehen – ein rein spekulativer Vorschlag: Ruedi Donat (Mitte) wäre der Bandgründer. Dieter Stäger (FDP) am Schlagzeug, Laura Pascolin (SP) an der Gitarre, Alt-Einwohnerratspräsidentin Ariane Gregor (Mitte) am Cello. Und das Gesangsduo würden Renato Hübscher (SVP) und natürlich Julia Frischknecht (GLP) bilden. Ob die Musik da gut wäre? Vielleicht. Aber die Verbindung über die Parteigrenzen hinaus wäre vorbildlich – und natürlich wünschenswert. Ein guter Anfang ist diesbezüglich jedenfalls mit der etwas anderen und lockeren Party für die neue Einwohnerratspräsidentin gemacht.
Noch eine schöne Sache nebenbei: Zehn ehemalige Einwohnerratspräsidentinnen und -präsidenten waren an der Einwohnerratssitzung auf der Tribüne anwesend – und praktisch alle erwiesen der neuen Einwohnerratspräsidentin bei ihrer Party die Ehre. Auch das passt zur Botschaft der Band «FraktionsZwang».



