Ausbau in vollem Gang
02.06.2026 Region Unterfreiamt, DottikonES veröffentlicht Jahreszahlen und eröffnet neue Mehrzweckanlage
Auch wenn der Gewinn um 1,9 Prozent auf «nur» noch 103,6 Millionen Franken gesunken ist, kann Markus Blocher zufrieden sein mit dem vergangenen Jahr. Wichtiger als die nackten Zahlen ist ...
ES veröffentlicht Jahreszahlen und eröffnet neue Mehrzweckanlage
Auch wenn der Gewinn um 1,9 Prozent auf «nur» noch 103,6 Millionen Franken gesunken ist, kann Markus Blocher zufrieden sein mit dem vergangenen Jahr. Wichtiger als die nackten Zahlen ist für ihn, dass die Firma auf Hochtouren läuft und die Kunden zufrieden sind.
Chregi Hansen
Wer so viel Geld investiert, der muss an die Zukunft des Unternehmens glauben. Unabhängig von der Weltlage und der unsicheren Zollsituation mit den USA, einem der wichtigsten Märkte der Pharmaindustrie. Rechnet man die geplanten Ausgaben der kommenden vier Jahre dazu, hat die Dottikon ES innerhalb von nur neun Jahren eine Milliarde Franken in seinen Standort investiert. Wobei der Hauptbrocken bereits getätigt wurde.
Dabei handelt es sich um neue Kleinmengenproduktions- und Pilotanlagen sowie um grosstechnische Mehrzweckund Trocknungsproduktionsanlagen und die dazugehörige Infrastruktur wie beispielsweise Warenlager, eine Abgasbehandlungsanlage sowie eine Ersatzstromanlage – nach einem totalen Blackout könnte die Firma während zwei Wochen weiter produzieren.
Langfristiger Erfolg – nicht schneller Gewinn
Die beiden wichtigsten Anlagenerweiterungen, die sich derzeit in der schrittweisen Inbetriebnahme befinden oder bereits letztes Jahr in Betrieb gingen, sind eine mit Mehrzweckproduktionsanlage und eine Wirkstofftrocknungsanlage. Die Inbetriebnahme der ersten Produktionsstrasse der neuen chemischen Mehrzweckanlage für die Grossmengenproduktion von Pharmawirkstoffen ist abgeschlossen. Die Anlage wurde – obwohl schon in Betrieb – im Rahmen der Jahreskonferenz symbolisch eingeweiht. Dazu musste sie aber abgestellt werden. «Ein sehr teures Foto», scherzt CEO und VR-Präsident Markus Blocher.
Die Führung durch die Anlage macht deutlich, wie gross die Sicherheit hier gewichtet wird. Teilweise fühlt man sich zwischen den modernen Anlagen und den Mitarbeitenden in Schutzanzügen wie in einem Science-Fiction-Film. Wichtig sei dabei in erster Linie die Sicherheit für die Mitarbeitenden, die Produkte und die Umwelt, wie Blocher betont. Und weniger die Sicherheit für die Investoren. Blocher sucht den langfristigen Erfolg und nicht den schnellen Gewinn. Auf die Prognosen von Analysten gibt er wenig. «Wie sich unsere Zahlen entwickeln, können Sie nur wissen, wenn Sie alle Details unserer Tätigkeiten kennen. Aber die verraten wir nicht», so Blocher an der Medien- und Analystenkonferenz. Und auch die Aktionäre gehen leer aus, die Dottikon ES zahlt auch dieses Jahr keine Dividende. Die vielen Investitionen sollen möglichst schnell refinanziert werden, aktuell liegt die Eigenkapitalquote bei soliden 77,9 Prozent, Ziel ist die vollständige Eigenständigkeit.
Mitarbeitersuche ist Herausforderung
Die drei weiteren Produktionsstrassen sind gebaut und sollen nach Prüfung und Abnahme möglichst bald in Betrieb gehen. «Allerdings brauche ich dazu die nötigen Fachkräfte», erklärt Blocher. Die Suche nach Mitarbeitenden ist eine der grossen Herausforderungen. «Viele Konkurrenten bilden selbst nicht aus und werben dann unsere Leute ab», ärgert sich der Firmenchef. Im vergangenen Jahr nahm die Zahl der Vollzeitstellen um 7,7 Prozent auf 854 zu. Die vielen Anstellungen belasten das Jahresergebnis. «Es braucht eine Zeit der Einarbeitung, bis die neuen Stellen profitabel sind», so Blocher. Doch auch im kommenden Jahr wird die Zahl der Mitarbeitenden weiter ansteigen, schafft das Chemieunternehmen weitere Arbeitsplätze in der Region. Denn an der Einstandortstrategie wird nicht gerüttelt. Während andere Firmen wegen des Zollstreits neue Produktionsstandorte in den USA eröffnen, investiert Blocher weiterhin auf dem 600 000 Quadratmeter grossen Firmengelände. «Bis die neuen Anlagen laufen, dauert es einige Jahre. Keiner weiss, wie sich die Situation dann präsentiert», so sein Argument.
Die vielen Investitionen der vergangenen Jahre zahlen sich inzwischen aus. Der Umsatz stieg um 11,2 Prozent auf 428,4 Millionen Franken. Das Unternehmen profitiert von einer steigenden Nachfrage und von seinem guten Ruf. «Was wir den Kunden versprechen, das halten wir. Diese einfache Gleichung ist heute leider nicht mehr selbstverständlich», erklärt Blocher. Weil aber auch der Materialaufwand und der Personalbestand anstiegen und die neuen Anlagen ja amortisiert werden müssen, sank der Reingewinn um 1,9 Prozent auf 103 Millionen Franken.
Das Unternehmen stellt Chemikalien, Zwischenprodukte und Exklusivwirkstoffe her, die hauptsächlich in der Pharmaindustrie zur Anwendung kommen. Dabei hat sich die Firma auf sicherheitskritische Reaktionen spezialisiert. Und muss sich gegen eine Grosszahl von teilweise viel grösseren Konkurrenten durchsetzen. Von den 200 meistverkauften Medikamenten weltweit basieren 99 auf sogenannten «Small Molecules» – Dottikon ist an der Produktion von elf davon beteiligt, wie Blocher stolz erklärt.
Weiteres Wachstum
Der Erfolg kommt nicht von ungefähr. Dottikon ES beschäftigt 33 Projektteams und 24 Prozessentwicklungsteams. Die neuen Anlagen sind Unikate, die genau nach den Anforderungen der Firma gebaut wurden. Wegen des steigenden Medikamentenbedarfs rechnet Markus Blocher auch für die Zukunft mit einem Wachstum. Darum wird im laufenden Geschäftsjahr mit dem Tiefbau für ein neues Zentrallager und mit der Erweiterung der chemischen Kleinmengenproduktion begonnen. Zudem ist die Planung einer neuen Pilotproduktionsanlage für Pharmawirkstoffe wieder aufgenommen worden, die zuletzt auf Eis gelegt wurde. «Dafür fehlten mir die Ingenieure», so der VR-Präsident.
Der Erfolg der vergangenen Jahre gibt seiner Strategie recht. Von den Kunden erhält das Unternehmen viel Lob. Der Erfolg sei aber nicht allein sein Verdienst. «In Geschäftsleitung und Verwaltungsrat sind 190 Jahre Dottikon ES versammelt. Da kommt viel Know-how zusammen. Dazu kommen viele langjährige Mitarbeitende», erklärt Markus Blocher. Und diese Leute stellt er denn auch in den Mittelpunkt für das Pressefoto in der neuen Produktionsstrasse. «Denn was nützen mir neue Anlagen, wenn ich keine Leute habe», meint er lakonisch.

