Arbeitslast nimmt zu
08.05.2026 Region Unterfreiamt, Hägglingen, PolitikPolitapéro der Gemeinde Hägglingen im Forsthaus
Im ungezwungenen Rahmen orientieren die Mitglieder des Gemeinderates über aktuelle Themen aus ihren Ressorts. Neben spannenden Infos gibt es auch viel zu lachen. Der neue Gemeinderat Nicola Bernabei besteht ...
Politapéro der Gemeinde Hägglingen im Forsthaus
Im ungezwungenen Rahmen orientieren die Mitglieder des Gemeinderates über aktuelle Themen aus ihren Ressorts. Neben spannenden Infos gibt es auch viel zu lachen. Der neue Gemeinderat Nicola Bernabei besteht seine Feuertaufe mit Bravour.
Chregi Hansen
Man schätze diesen Rahmen sehr, sagt Gemeindeammann Franz Schaad zu Beginn des Abends. Rund 40 Bürger haben sich im Forsthaus versammelt und warten gespannt, was es aus der Gemeinde zu berichten gibt. «Der Abend ermöglicht euch einen Blick hinter die Kulissen, wir können umfassender orientieren und auch Fragen und Anliegen aufnehmen. Das hilft bei Entscheidungen an den Gemeindeversammlungen», ist Schaad überzeugt.
Der Gemeindeammann ist schon länger im Amt. Und Arbeit hatte er in dieser Zeit stets genug. «Aber die Last und die Zahl der Projekte nimmt klar zu», stellt er fest. Darum habe sich der Gemeinderat Anfang Jahr gezwungen gesehen, eine Prioritätenliste zu erstellen, alles gehe einfach nicht. Zu schaffen macht ihm auch die steigende Zahl der Einsprachen bei Gesuchen, oft mit Unterstützung eines Anwalts. «Das führt zu enormem Mehraufwand in der Verwaltung», so der Ammann.
Kritik am Finanzausgleich
Es gebe aber auch erfreuliche Entwicklungen. So etwa der tolle Rechnungsabschluss mit einem Plus von 1,7 Millionen Franken. «Vor drei Jahren hat uns der Kanton noch gewarnt, was die Finanzen angeht. Da sieht man, wie schnell sich etwas ändern kann», sagt Schaad. Dass man vor einigen Jahren beschlossen hat, den Steuerfuss zu erhöhen, obwohl es noch nicht dringlich war, habe sich bewährt. «Wir konnten in dieser Zeit unsere Schulden abbauen. Angesicht der kommenden Investitionen ist das ein grosser Vorteil.» Dass die Versammlung zu diesem Vorgehen Ja gesagt hat, sei nicht selbstverständlich. «Dafür habt ihr ein Danke verdient.»
Doch der finanzielle Druck werde nicht kleiner. Der Gemeindeammann kritisiert den aktuell geltenden Finanzund Lastenausgleich. Es könne doch nicht sein, dass Hägglingen Beiträge zahlen muss, während andere mit einem tieferen Steuerfuss und einem besseren Steuersubstrat Gelder erhalten. Letztlich sei es doch einfach so, «wir müssen unsere Projekte alle selber bezahlen». Darum habe auch der Wunsch nach einem direkten ÖV-Anschluss am Morgen und Abend an die Heitersberglinie keine Chance. «Diese Linie würde nur für uns eingerichtet und würde pro Jahr eine Viertelmillion kosten», rechnet Schaad vor. Es bleibe nur die kleine Hoffnung, dass der Finanzausgleich überarbeitet wird – der Grosse Rat nimmt sich des Themas bald an.
Beim Schulraum externe Hilfe geholt
An den kommenden Gemeindeversammlungen müssen die Hägglinger über einige Kredite entscheiden. So etwa in Sachen Abwasser. Zum einen wolle man die letzten Arbeiten des Generellen Entwässerungsplans (GEP) 1 erledigen, zum anderen mit den Arbeiten für den GEP der 2. Generation starten, erklärt Vizeammann Ruedi Schmid. Überhaupt könnten in Sachen Abwasser einige Kosten auf die Gemeinden zukommen, da der Kanton die Zahl der ARAs reduzieren will. Ein grosses Thema ist auch der geplante Kunstrasenplatz für den Fussballclub. Über den Kredit wird aber erst an der Winter- «Gmeind» und nicht schon im Sommer entschieden. «Der Kanton gibt den Gemeinden, welche von den doppelten Subventionen profitieren, mehr Zeit. Das ermöglicht uns, einige kritische Punkte noch etwas genauer anzuschauen», erklärt Schaad.
Thema sind ebenso die Tagesstrukturen, für die aktuell eine Pilotphase läuft (siehe Artikel unten). Zudem beschäftigt sich der Gemeinderat mit dem Schulraum. «Die Schülerzahlen werden in den kommenden Jahren steigen», erklärt der neue Gemeinderat Nicola Bernabei. Vor Kurzem wurde eine 16. Klasse eröffnet, im Jahr 2030 rechnet man mit einer weiteren Abteilung, obwohl die Kinderzahl im Dorf nicht gross steigt. «Aber in Dottikon wurde eine weitere Kindergartenabteilung eröffnet, diese Kinder kommen in einigen Jahren zu uns.» Gleichzeitig gibt es in einigen Gebäuden Sanierungsbedarf. Darum habe man sich entschlossen, fachliche Hilfe zu holen und eine Machbarkeitsstudie in Angriff zu nehmen. «Die ganze Planung ist sehr komplex. Es macht beispielsweise keinen Sinn, jetzt den roten Platz zu sanieren, wenn wir da in Kürze vielleicht ein Provisorium aufbauen müssen», so Bernabei. «Wir holen nur selten externe Fachleute ins Boot, aber bei diesem Thema macht es Sinn», ergänzt Schaad.
Weniger Freizeit, dafür ganz viel Neues lernen
Bernabei nutzt den ersten öffentlichen Auftritt, um anschaulich darzulegen, wie man als Neuling in ein solches Amt startet. Der Arbeitsaufwand sei nicht zu unterschätzen, zu seinem 100-Prozent-Pensum bei der Polizei kommen nun weitere 20 Prozent bei der Gemeinde. Seit dem Start am 1. Januar habe er neben den Gemeinderatssitzungen 52 Termine wahrgenommen und 55 Telefonate geführt. «In meinem neuen Mailordner habe ich 15 Hauptordner mit insgesamt 83 Unterordnern für Gemeindethemen eingerichtet. Die Mails habe ich jetzt nicht auch noch gezählt», erzählt er schmunzelnd. Auch das Lesen der Unterlagen und Akten benötige Zeit. «Ich habe jetzt deutlich weniger Freizeit, aber es gibt auch etliche positive Aspekte des Amts», so der neue Gemeinderat weiter. So erfahre man viel darüber, wie eine Gemeinde funktioniere, entwickle neue Fähigkeiten und Kompetenzen, lerne viele Menschen kennen und könne dem Dorf, in dem man wohne, etwas zurückgeben. «Und es kommt auch immer mal wieder vor, dass einem jemand Danke sagt», schliesst er seine Ausführungen. Und mit einem Dank an die Bevölkerung schliesst Franz Schaad den offiziellen Startschuss und lädt zum Imbiss.


