Zweites Leben für viele «Gwändli»
16.01.2026 Muri, FasnachtDie Vereinigten Fasnachtsgesellschaften organisieren erstmals ein Kostüm-Karussell – mit Erfolg
Fasnachtsverkleidungen, die in Kisten auf dem Estrich schlummern. «Das muss nicht sein», dachten sich die Vereinigten Fasnachtsgesellschaften. Und trafen ...
Die Vereinigten Fasnachtsgesellschaften organisieren erstmals ein Kostüm-Karussell – mit Erfolg
Fasnachtsverkleidungen, die in Kisten auf dem Estrich schlummern. «Das muss nicht sein», dachten sich die Vereinigten Fasnachtsgesellschaften. Und trafen damit einen Nerv. Am ersten Tag des Kostüm-Karussells war der Aufmarsch gross – an Kundschaft und an Kostümen.
Annemarie Keusch
Der Polizeihelm lässt ihn nicht los. Dabei steht der kleine Bub auch im Cowboy-Kostüm ganz stolz vor dem Spiegel. Aber eben, dieser Helm. Kurz darauf findet seine Mutter das dazugehörige Polizisten-Kostüm. «Das trug einst einer meiner Söhne», sagt Daniela Schweizer und lacht. Sie hat es damals genäht. An diesem Nachmittag im Gemeinschaftszentrum erhält es ein zweites Leben. «Das war nun ganz viele Jahre in einer der rund 15 mit Fasnachtskleidern gefüllten Schachteln», erzählt die Co-Schultheissin von Muri-Wien. Eine Börse zu organisieren, wo solche Kostüme ein zweites Leben erhalten – Schweizer hatte die Idee im letzten Herbst am Helferessen der Fasnachtsgesellschaft. Bisher hatte sie jeweils versucht, einige Fasnachtsgewänder an der Kinderkleiderbörse in Boswil weiterzugeben. «Aber weil diese im Frühling und im Herbst stattfindet und in dieser Zeit noch niemand an die Fasnacht denkt, war es schwierig», erzählt Schweizer.
An diesem Nachmittag zeigt sich ein ganz anderes Bild. Immer wieder kommen Interessierte, stöbern durch die Kleiderständer und in den Accessoires. Kinder, Familien, Erwachsene. Ursprünglich nur für Kinder-Kostüme gedacht, weitete sich das Konzept schnell aus. Vor allem wegen Verena Wigger. Daniela Schweizer erzählte ihr von der Idee, die Begeisterung schwappte sofort über und Wigger erarbeitete ein Konzept. «Bei mir lagern schrankweise alte Gewänder», sagt sie, die seit 44 Jahren als Schnitzelbänklerin an der Fasnacht in Muri unterwegs ist. Immer mal wieder verkauft sie einige. Das Kostüm-Karussell ist nun auch für sie die Chance, wieder mehr Platz für neue Kostüme zu erhalten.
Gedanke an Nachhaltigkeit
Begeistert von der Idee waren auch alle vier Fasnachtsgesellschaften. Gerade auch weil das Verkleiden in Muri zur Fasnacht gehört. «Das ist nicht überall so, aber hier wird es gelebt.» Bei den Kindern sowieso. Jedes Jahr ein neues Kostüm zu kaufen oder zu nähen – das wollen viele nicht. Jahrelang mit demselben an die Fasnacht zu gehen – auch nicht. Das Kostüm-Karussell schafft genau da Abhilfe. Gewänder erhalten ein neues Leben, machen anderen Leuten Freude, anstatt in eine Kiste auf dem Estrich zu lagern. Hinzu kommt der Gedanke der Nachhaltigkeit. Und das Beispiel vom Polizei-Kostüm, das Schweizer einst selbst nähte, zeigts deutlich: Mit vielen Gewändern sind Emotionen verbunden. «Es ist schön, wenn sie nicht weggeworfen, sondern wieder gebraucht werden», sagt Daniela Schweizer.
Dass dieses Konzept ankommt, wird im Gemeinschaftszentrum deutlich. Viele Fasnächtlerinnen und Fasnächtler haben ihre Kostüme gebracht. Ältere Leute, die nicht mehr an die Fasnacht gehen. Familien, denen die Verkleidungen für die Kinder zu klein wurden. «Wir erleben ganz spezielle Geschichten», verrät Verena Wigger. Eine ist schön und traurig zugleich. «Ein Mann brachte den ganzen Fundus seiner verstorbenen Frau, die in Muri eine leidenschaftliche Fasnächtlerin war.» Dass das neue Angebot auf Anhieb so gut ankommt, damit hätten die Organisatoren nicht gerechnet. Das grosse Sortiment an Kleidern – für sie, für ihn, für die Kleinen, für die Familie – ist das eine. Die riesige Vielfalt an Accessoires – von Brillen über Larven und Perücken, bis zu Instrumenten und Hüten – das andere. «Der Erfolg ist ein schönes Zeichen dafür, wie viel die Fasnacht in Muri etwas bedeutet», sagt Verena Wigger.
Am 24. Januar im Muri13
Am 24. Januar, 10 bis 13 Uhr, folgt die zweite Ausgabe des Kostüm-Karussells im Jugendhaus Muri13. Dort können Gewänder abgegeben und gekauft werden. Der Erlös der Anlässe kommt der Vereinigten Fasnachtsgesellschaften, also der Fasnacht in Muri und Buttwil, zugute. Nicht verkaufte oder nicht wieder abgeholte Ware wird eingelagert oder an die Caritas gespendet. Das Einlagern verräts: Geplant ist, dass das Kostüm-Karussell auch im nächsten Jahr stattfindet. Der Andrang am ersten Tag beweist, dass das Bedürfnis dafür da ist.




