Zum Sparen mehr ausgeben
31.10.2025 Mutschellen, BerikonStimmberechtigte entscheiden über eine Stellenerhöhung um 100 Prozent
Für die Beriker Gemeindeversammlung vom Donnerstag, 13. November, beantragt der Gemeinderat eine Stellenerhöhung um 100 Prozent. Damit möchte er das Verwaltungsleitungsmodell ...
Stimmberechtigte entscheiden über eine Stellenerhöhung um 100 Prozent
Für die Beriker Gemeindeversammlung vom Donnerstag, 13. November, beantragt der Gemeinderat eine Stellenerhöhung um 100 Prozent. Damit möchte er das Verwaltungsleitungsmodell noch besser umsetzen. Er sieht darin nur Vorteile für die Gemeinde.
Roger Wetli
«Mit Patrick Vogel als Verwaltungsleiter konnten wir bereits viel Geld sparen», weiss Frau Gemeindeammann Rosmarie Groux. Ab Januar ist Petra Oggenfuss Feldgrill ihre Nachfolgerin. Sie präzisiert: «Patrick Vogel erledigt Arbeiten, die wir vorher teuer an externe Personen und Firmen ausgelagert haben. Zudem hat er die Personalführung – welche früher beim Gemeindeammann war – übernommen und er hat zusammen mit den Mitarbeitenden dafür gesorgt, dass die Abläufe heute einfacher und generell effizienter sind. Das spüren auch die Einwohnerinnen und Einwohner. Deren Anliegen werden heute schneller erledigt.»
Groux betont: «Die Erfahrungen mit diesem Verwaltungsleitungsmodell der letzten zwei Jahre sind äusserst positiv. In all den Jahren im Gemeinderat war das für mich bisher die beste Zeit.» Es habe sich aber gezeigt, dass die 160 Stellenprozente für die Verwaltungsleitungs- und Gemeindeschreiberarbeiten nicht reichen. «Früher hatte die Gemeindeschreiberin mit Stellvertretung 170 Stellenprozente – und es reichte nicht. Heute kommen noch viele weitere Aufgaben dazu.»
Keine Steuerfusserhöhung
Petra Oggenfuss Feldgrill spricht davon, dass Patrick Vogel weder sein Ferienguthaben noch seine Mehrstunden adäquat abbauen könne. «Die beantragte Stellenprozenterhöhung sollte verhindern, dass wir ihn verheizen.» Der Beriker Gemeinderat möchte auf eine starke Verwaltung setzen, damit er sich selbst auf die strategische Ebene konzentrieren könne. Rosmarie Groux gibt zu bedenken: «Diese Stellenprozenterhöhung wird nicht zu einem höheren Steuerfuss führen.»
Vor zwei Jahren wurde eine ähnliche Stellenprozenterhöhung an einer Referendumsabstimmung abgelehnt. Dass der Gemeinderat diese jetzt wieder traktandiert, sehen die beiden Frauen nicht als undemokratisch. «Heute haben wir eine ganz andere Ausgangslage. Wir haben unterdessen Erfahrungen mit dem Verwaltungsleiter und können Erfolge ausweisen in der Weiterentwicklung. Und es konnten Einsparungen gemacht werden», so Oggenfuss Feldgrill. «Dank diesem sind jetzt Pendenzen erledigt worden, die lange liegen geblieben sind.» Als Beispiel nennt sie das erste Pachtlandreglement und die neuen Verträge, die in diesen Tagen verschickt wurden. Aber auch die neue Website, bei der es lange nur zögerlich vorwärtsgegangen sei. Auf externe rechtliche Gutachten könne jetzt häufig verzichtet werden, weil Patrick Vogel diese Kompetenz bereits mitbringe und einbringe. «Er hat die Hauptverantwortung für alle 90 Mitarbeitenden und das Gesamtbild der Gemeinde im Kopf. Und er hat für eine spürbar gute Stimmung im Team gesorgt», lobt ihn Rosmarie Groux.
Die neuen Stellenprozente würden dafür eingesetzt, dass die Aufgaben des Verwaltungsleiters und der Gemeindeschreiberin besser getrennt sind. So solle etwa die Kommunikation stark verbessert und die Informatik noch besser durch eigenes Personal betreut werden können. «Lehnen die Stimmberechtigten diese Stellenerhöhung ab, werden diese Aufgaben weiterhin von externen Personen und Firmen erledigt werden müssen. Dass das mehr kostet, belegt der Bericht der BDO (siehe Kasten)», warnt Petra Oggenfuss Feldgrill.
Hoffnung auf ein klares Ja
Sie, Rosmarie Groux und der ganze Gemeinderat hoffen deshalb auf ein klares Ja zu dieser Stellenprozenterhöhung an der Gemeindeversammlung. «Das wird unsere Gemeinde und die Verwaltung stärken und ein wichtiger Schritt sein, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern», sind beide überzeugt.
Die Traktanden
Die Einwohnergemeindeversammlung findet am Donnerstag, 13. November, um 19.30 Uhr im Berikerhus statt. Der Gemeinderat hat die Traktanden wie folgt verabschiedet: 1. Protokoll vom 11. Juni. – 2. Zusicherung des Gemeindebürgerrechts an sieben Personen. – 3. Revision Satzungen Gemeindeverband Regionale Alterszentren. – 4. Verpflichtungskredit von 231 000 Franken für die Erneuerung der öffentlichen Strassen- und Gehwegbeleuchtung auf der Bahnhof- und Oberwilerstrasse. – 5. Verpflichtungskredit von 1,109 Millionen Franken (Anteil Berikon 114 800 Franken) für das Vorprojekt zum Ausbau der Kläranlage Bremgarten und Abklärung möglicher Integration der Kläranlage Kelleramt am Standort Bremgarten. – 6. Berichterstattung Überweisungsanträge, a) Überweisungsantrag «Prüfen Satzungen Burkertsmatt und Kreisschule Mutschellen», b) Überweisungsantrag «Analyse Auslagerung Aufgaben der Abteilungen Planung und Bau und Steuern». – 7. Erhöhung Stellenplan um eine Stelle (100 Prozent) zur Umsetzung des Verwaltungsleitungsmodells. – 8. Budget 2026 mit einem unveränderten Steuerfuss von 89 Prozent. – 9. Verschiedenes und Umfrage.
Intern günstiger als extern
BDO-Analyse empfiehlt, zwei Abteilungen nicht auszulagern
An der Gemeindeversammlung im Juni wurde der Gemeinderat mittels Überweisungsantrag beauftragt, aufzuzeigen, welche finanziellen Auswirkungen eine Auslagerung der Aufgaben der Bauverwaltung und des Steueramtes an externe Dienstleister hätte. Der Gemeinderat beauftragte dafür die Experten der BDO AG. In ihrem 25-seitigen Bericht stellten sie verschiedene Möglichkeiten gegenüber. Sie prüften Vor- und Nachteile einer Belassung im heutigen Zustand, einer Vergabe an eine andere Gemeinde oder an eine externe Firma. Die BDO AG kam zum Schluss, dass der heutige Zustand die günstigste und bürgernahe Variante ist. Gekostet hat diese Analyse 16 000 Franken. Für Rosmarie Groux hat sich dieser Aufwand gelohnt. «Dem Gemeinderat war es wichtig, die konkreten Fragestellungen aus dem Überweisungsantrag heraus von einem unabhängigen, unvoreingenommenen und neutralen Expertenteam beurteilen zu lassen. Das war nur mit externer Unterstützung möglich.» Es gebe schon längere Zeit Stimmen im Dorf, die grosses Einsparpotenzial bei der Auslagerung von Abteilungen vermuten. «Der nun vorliegende Bericht entkräftet diese Haltung. Dem Gemeinderat scheint es nun angezeigt, dass die Abteilungen wieder ihrer gewohnten Arbeit nachgehen können.» --rwi

