Zum Lesen animieren
07.07.2026 Boswil, Region OberfreiamtAm Kirchweg in Boswil steht seit Kurzem eine begehbare Bücherbox – ein Projekt des Frauenvereins
In der Roten Box wurden bisher Kartoffeln und Eier verkauft. Jetzt ist sie auch der Ort, wo Bücher getauscht werden können. Auf Initiative von Rebecca ...
Am Kirchweg in Boswil steht seit Kurzem eine begehbare Bücherbox – ein Projekt des Frauenvereins
In der Roten Box wurden bisher Kartoffeln und Eier verkauft. Jetzt ist sie auch der Ort, wo Bücher getauscht werden können. Auf Initiative von Rebecca Bucher hat der Frauenverein das Thema an die Hand genommen. Seit gut einem Monat ist die Bücherbox offen und wird bereits rege besucht.
Annemarie Keusch
Nur ein Buch mit nach Hause nehmen, wenn auch eines in die Bücherbox gebracht wurde. Rebecca Bucher macht sich diese Vorgabe selber. «Sonst würde ich zu viele Bücher mitnehmen», sagt sie und lacht. Dass sie sehr gerne liest, liegt folglich auf der Hand. Die Idee zur begehbaren Bücherbox ist ihre. «Die Bibliothek in Boswil steht nur der Schule offen. Wir müssen nach Muri oder Wohlen fahren», sagt sie. Bücher hinbringen und neue mitnehmen – das ist nun im Dorf möglich. Dank Buchers Initiative. Dabei geht es ihr nicht nur um die Bücher. «Es ist ein Ort, um sich zu begegnen», sagt Rebecca Bucher. Bei ihren Kindern funktioniert das bereits bestens. «Sie gehen regelmässig auf dem Schulweg hier vorbei und schauen, was es Neues gibt.»
Rebecca Bucher ist vierfache Mutter. «Ja, langweilig wäre es mir nicht, aber das Projekt ist mir eben wichtig genug», sagt sie. Sie betreut die Bücherbox, schaut hier regelmässig zum Rechten. Es kommt auch vor, dass sie einzelne Bücher via soziale Medien vorstellt. Was Bucher dabei besonders freut, ist die Vielfalt. Romane, Kinderbücher, Erstlesebücher, geschichtliche Bücher zum Dorf und zur Region – alles gibt es in der begehbaren Bücherbox. Und die Boswilerinnen und Boswiler halten sich an die Regeln. Sie bringen beispielsweise nur saubere und gut erhaltene Bücher vorbei. Und vor allem bringen und holen sie ganz fleissig Bücher. «Es freut mich sehr, dass dieses Angebot ankommt.»
Schon einige Male «verhocket»
Zudem freut es Rebecca Bucher, dass sie beim Frauenverein Boswil-Kallern auf viel Unterstützung gestossen ist. «Ihr Konzept hat im Vorstand sofort überzeugt», sagt Präsidentin Luzia Keusch. Das Unkomplizierte etwa. Und dass das Projekt Kinder, Jugendliche und Erwachsene zum Lesen animiert. Hinzu kommt auch der Gedanke der Nachhaltigkeit. «Ich habe selber unzählige Bücher unserer Kinder zu Hause. Sie zu entsorgen, wäre schade. Einige habe ich in die Bücherbox gebracht und sie bereiten mittlerweile anderen Kindern Freude.» Genau das ist das Ziel, das Rebecca Bucher erreichen wollte. Überhaupt, Luzia Keusch ist begeistert von der Bücherbox. «Ich bin schon einige Male ‹verhocket› hier», gesteht sie. Eingetaucht in Bücher.
Zum Frauenverein passt, was gemeinnützig ist und der Bevölkerung vom Dorf in irgendeiner Form zugutekommt. «Darum waren wir sofort bereit, Hand zu bieten.» Heisst, dass in der Roten Box am Kirchweg etwas Platz geschaffen werden musste. Es ist der Hofladen von Keuschs Familie, den ihre Kinder einst lancierten. Hier verkaufen sie Kartoffeln und Eier. Und hier gibt es nun eben auch Platz, Bücher zu platzieren. Dank ein paar Tablaren mehr, dank eingebauten Kisten. «Ideal», sagt Rebecca Bucher. Auch in Bezug auf die Lage. Zentral im Dorf. Zudem bietet der Frauenverein eine Plattform, die Bücherbox bekannter zu machen. Denn der Verein zählt 130 Mitglieder. Chäberli-Nachmittag, Eiersuche, Frauen-Kafi, Kinderkleiderbörse, Kürbisschnitzen, Kinderbasteln – und nun eben auch die Bücherbox. Die Palette an Veranstaltungen ist gross, soll von Klein bis Gross etwas bieten. «Aber in der jüngeren Vergangenheit mussten wir hie und da Anlässe absagen, weil es schlicht an Helferinnen mangelte», sagt Luzia Keusch.
Ideales Umfeld, um Ideen umzusetzen
Das sei natürlich schade. Zumal der Verein gerade für die Integration junger Mütter im Dorf ideal sei. «Schliesslich lebt ein Dorf von vielen kleinen Initiativen.» Solchen, wie sie beispielsweise Rebecca Bucher an den Tag legte. «Unser Verein ist ein gutes Umfeld, um Ideen umzusetzen.» Rebecca Bucher nickt lachend.
Längst sind nicht mehr nur ihre Bücher in der begehbaren Bücherbox. «Anfänglich war dem natürlich so, aber seither kamen schon viele neue Bücher dazu oder wurden mitgenommen.» So, wie sie es sich vorstellte. Zusammenfassend sagt sie: «Die begehbare Bücherbox lebt von Vertrauen, Sorgfalt und der Freude am Teilen und Weitergeben.» Tugenden, die einer Gesellschaft und einem Dorf guttun. Und Lesen sowieso.

