«Znüniöpfel» – vorschnell serviert?
15.05.2026 Region Bremgarten, LeserbriefeDer Gemeinderat präsentierte der Bevölkerung Ende April das Siegerprojekt «Znüniöpfel» als optimale Lösung. Bereits vor über zwei Jahren wurde dafür ein Projektierungskredit von 500 000 Franken bewilligt. Seither lief das Wettbewerbsverfahren unter ...
Der Gemeinderat präsentierte der Bevölkerung Ende April das Siegerprojekt «Znüniöpfel» als optimale Lösung. Bereits vor über zwei Jahren wurde dafür ein Projektierungskredit von 500 000 Franken bewilligt. Seither lief das Wettbewerbsverfahren unter Ausschluss der Öffentlichkeit – so festgelegt durch den Gemeinderat selbst.
Nun, nach mehr als zwei Jahren Planung im Verborgenen, wird der Öffentlichkeit ein fertig ausgearbeitetes Projekt präsentiert. Die Inszenierung am Infoabend war überzeugend, die Darstellung professionell. Doch genau hier beginnt das Problem: Eine gelungene Präsentation ersetzt keine echte Mitsprache.
Zwei zentrale Fragen vom Infoabend bleiben unbeantwortet: Warum wurden die Vereine nicht frühzeitig einbezogen? Die Begründung lautet: Geheimhaltung. Tatsache ist jedoch: Die direkt Betroffenen wurden bewusst ausgeschlossen. Wie steht es um den Austausch mit der Nachbargemeinde Bremgarten? Es wird von «engem Kontakt» gesprochen – konkrete Inhalte oder Ergebnisse bleiben jedoch im Dunkeln. Transparenz sieht anders aus.
Auch inhaltlich wirft das Projekt Fragen auf: – Mehr Schulraum und zusätzliche Sporthallen erfordern zwingend auch mehr Frei- und Grünflächen. Genau diese werden jedoch überbaut. – Schulhaus und Doppelturnhalle sollen ausgerechnet auf den wertvollen zusammenhängenden Grünflächen erstellt werden. Und dies ohne Unterkellerung. – Für Hallensportarten spielt die Aussen- fläche eine untergeordnete Rolle. Weshalb werden dennoch wertvollste Flächen dafür geopfert? – Selbst Nebenräume wie Garderoben und Duschen werden auf diesen Flächen platziert.
Besonders stossend ist jedoch das gesamte Vorgehen. Fünf Projekte wurden erarbeitet – gezeigt wird nur eines. Ein Vergleich ist nicht möglich. Über ein Investitionsvolumen von 22,9 Millionen Franken soll abgestimmt werden – ohne dass die konkrete Bauausführung nochmals zur Diskussion steht. Über zwei Jahre wurde im Stillen geplant – nun bleiben der Bevölkerung lediglich sieben Wochen, um sich eine fundierte Meinung zu bilden. Das führt zu einer grundlegenden Frage: Geht es hier um eine echte demokratische Entscheidung – oder lediglich um das Abnicken eines bereits fixfertigen Projekts?
Der «Znüniöpfel» mag ansprechend präsentiert sein – doch ist er wirklich reif genug, um ihn der Bevölkerung am 18. Juni für 22,9 Millionen Franken zur Abstimmung vorzulegen? Und vor allem: Warum werden die anderen vier Projekte der Öffentlichkeit vorenthalten? Offen bleibt auch, wie die Schulräume konkret ausgestattet werden und mit welchen Geräten die Turnhalle versehen wird. Bis zum Infoabend galt Geheimhaltung – hatten weder Lehrpersonen noch Vereine ein Mitspracherecht? Gerade bei einem Projekt dieser Grössenordnung müsste die Bevölkerung früher, breiter und transparenter einbezogen werden.
Alois Steigmeier, Alt-Vizeammann, Zufikon
