Kulturverein lud zum «Tag der offenen Bunkertür» ein
Am vergangenen Samstag veranstaltete der Kulturverein Berikon unter dem Motto «Tag der offenen Bunkertür» eine Besichtigung der ehemaligen Artilleriestellung aus dem Zweiten Weltkrieg in ...
Kulturverein lud zum «Tag der offenen Bunkertür» ein
Am vergangenen Samstag veranstaltete der Kulturverein Berikon unter dem Motto «Tag der offenen Bunkertür» eine Besichtigung der ehemaligen Artilleriestellung aus dem Zweiten Weltkrieg in Berikon. Trotz des sehr heissen Wetters folgte eine respektable Anzahl von Interessierten den informativen Ausführungen.
Alphonse Hauser
Lobenswert bei diesem Anlass war, dass die Menschen der Nachkriegsgeneration Wissenswertes aus der jüngeren Schweizer Geschichte erfuhren. Denn spätestens mit der Machtübernahme durch Hitler und seine NSDAP in Deutschland 1933 geriet die neutrale Schweiz in das internationale politische Spannungsfeld. So befasste sich bereits 1935 die Armeeführung mit der Frage der Verteidigung im Norden des Landes. Man plante damals, die Verteidigung grundsätzlich im Grenzraum zu führen.
Berikon wird ein «Hotspot» der Artillerie
Durch die Bildung der Achsenmächte (Deutschland inklusive des annektierten Österreichs sowie Italien) entstand 1938 für die Schweiz eine zu verteidigende Grenzfront von 1300 Kilometern, was nach einer neuen militärischen Verteidigungsdoktrin verlangte.
So rechnete der Generalstab im September 1939 – der Zweite Weltkrieg hatte indessen bereits begonnen – mit einem deutschen Angriff auf Frankreich mit südlicher Umgehung der Maginot-Linie. Dadurch wurde vor allem die deutsche Rheingrenze zur grossen Gefahr. Daraus entwickelte die Armee unter anderem die «Limmatstellung». In Berikon wurden an drei Orten Artilleriestellungen errichtet: im Waldgebiet Näsple, in der Wassermatte und an der Marrengasse.
Wie weitere Artilleriestellungen in der Region gehörten die Stellungen in Berikon zu einer übergeordneten Feldartillerie-Abteilung. Jede der drei Artilleriestellungen bestand aus vier Geschützständen und zwei Mannschaftsunterständen für 16 Mann. Die Verbindungsstollen waren meist unterirdisch angelegt. Die Stellungen wurden von welschen Truppen im April und Mai 1940 bezogen. Bereits im Juni 1940 wurden die welschen Truppen jedoch wieder in die Waadt zurückverlegt.
Nach der Kapitulation von Frankreich befahl General Guisan, einen grossen Teil der Armee ins Alpenreduit zu verlegen. Die Armeestellungen in der Region wurden faktisch aufgegeben und erst gegen Ende des Zweiten Weltkriegs sicherheitshalber nochmals aktiviert.
Nach Kriegsende wurden die Mannschaftsunterkünfte zugemauert. Nicht aber diejenige an der Marrengasse. Dieser Bunker wurde in den letzten Monaten instand gestellt und elektrifiziert.
Kulturell wertvoll
Jetzt kann man die Anlage in einer geführten Besichtigung besuchen. Das Interesse am Besuchstag war riesig. Dass dieses Projekt möglich wurde, dafür sorgten Max Welti, Nick Wettstein und weitere Mitinitianten. Initiator Welti meinte dazu: «Der Bunker ist kulturell wertvoll.» Und Nick Wettstein doppelte nach: «Da bleibt die Erinnerung lebendig.»
Abschliessender Hinweis: Einen fundierten, detaillierten Bericht zur ganzen Geschichte finden interessierte Leser auf der Homepage des Kulturvereins Berikon unter dem Stichwort «Chleeblätter 2022».