Workshop lässt Fragen offen
23.01.2026 Kirche, Hermetschwil-Staffeln, Zufikon, BremgartenDiskussion über Fusion
Interessenten und Mitglieder der Kirchgemeinden Hermetschwil-Staffeln, Zufikon und Bremgarten haben sich im JoJo getroffen, um die Vor- und Nachteile einer Fusion zu diskutieren und die nächsten Schritte zu planen. --huy
Diskussion über Fusion
Interessenten und Mitglieder der Kirchgemeinden Hermetschwil-Staffeln, Zufikon und Bremgarten haben sich im JoJo getroffen, um die Vor- und Nachteile einer Fusion zu diskutieren und die nächsten Schritte zu planen. --huy
Kommt der Zusammenschluss der Pfarreien Bremgarten, Hermetschwil-Staffeln und Zufikon?
Am Montagabend folgten rund 40 Kirchgemeindemitglieder der drei Pfarreien der Einladung ins Restaurant JoJo in Bremgarten zu einem informativen und diskussionsreichen Workshop zur Frage: «Kirchgemeinde-Fusion: Ja – aber …».
Walter Minder
Seit vielen Jahren arbeiten die drei Pfarreien bereits im Pastoralraum Bremgarten-Reusstal zusammen. Astrid Bonsaver, Mitglied der Kirchenpflege Hermetschwil-Staffeln, begrüsste stellvertretend für ihre verhinderte Präsidentin Clivia Kempter die Teilnehmenden sinngemäss mit den Worten: «Wer Altes mit Liebe loslässt, ist offen für Neues.» Sie erinnerte daran, dass auch für eine kleine Kirchgemeinde wie die Pfarrei Bruder Klaus der Aufwand gross und ohne Zustupf von der Landeskirche auf Dauer kaum überlebensfähig ist. Darum sei für ihre Kirchenpflege eine Fusion der richtige Weg. «Und die Fusion käme zur richtigen Zeit», wurde sie von Raphaela Lerch, Kirchenpflege-Präsidentin der Bremgarter Pfarrei St. Nikolaus, unterstützt. Daniela Allenspach präsidiert die Kirchenpflege der Pfarrei St. Martin Zufikon: «Bis auf ein Mitglied wird sich die aktuelle Kirchenpflege nicht mehr zur Wahl stellen. Wir sind auf der Suche nach einem guten Weg in die Zukunft für unsere Kirchgemeinde.» Deshalb werde auch in ihrer Gemeinde die Frage einer Fusion ernsthaft geprüft.
Erfahrener Projektbegleiter
Hans Lichtsteiner von der «Verbandsberatung.ch» begleitet den Prozess. Er verfügt über grosse Erfahrung in Sachen Organisation und Entwicklung von Kirchgemeinden. Auch bezüglich einer möglichen Fusion gilt für ihn: «Prüfe, wer sich ewig bindet.» Dann warf er einen Blick auf die aktuellen Entwicklungen kirchlicher Institutionen, wobei er insbesondere die hohe Zahl an Kirchenaustritten sowie die sinkende Anzahl an aktiven Priestern erwähnte. Auch müsse die Verwendung der finanziellen Mittel überprüft werden, denn von den Kirchensteuern bleiben 86 Prozent in den Pfarreien vor Ort. Lichtsteiner ist überzeugt, dass Anpassungen notwendig sind und dass sich die Kirche gemeinsam mit den Menschen und ihren Bedürfnissen entwickeln muss.
Dann zeigte der Prozessbegleiter auf, wie der Projektablauf strukturiert ist, wobei die emotionale Einbindung der direkt Betroffenen fundamental sei. Anhand der Fusion der vier katholischen Kirchgemeinden Bellikon, Künten, Rohrdorf und Stetten zur katholischen Kirchgemeinde am Rohrdorferberg gab er einen informativen Einblick in den praktischen Ablauf eines Zusammenschlusses, wobei es immer darum ging, eine möglichst hohe Transparenz sicherzustellen. «Auch die Übergangszeit von den eigenständigen Pfarreien zu einer fusionierten Kirchgemeinde braucht klare Führungsstrukturen.» Und es brauche auch nach der Fusion, für die eine Urnenabstimmung zwingend ist, in jeder Pfarrei eine funktionierende Kontaktstelle, die allenfalls durch Ehrenamtliche betreut werden kann.
Die nächsten Schritte und die Vor- und Nachteile
Lichtsteiner zeigte dann die geplanten nächsten Schritte auf. Es gilt, eine Projektgruppe «Fusion» mit Mitgliedern aus allen drei Kirchgemeinden mit dem Auftrag zu bilden, eine Machbarkeitsstudie zu erarbeiten. Dabei sei zu prüfen, was die grössten Stolpersteine sind, wie die künftige Kirchenpflege zu besetzen, wie der gemeinsame Steuerfuss festzulegen und wie die personelle Struktur sinnvoll sei.
Anschliessend wurden Diskussionsgruppen nach Kirchgemeinden gebildet mit dem Auftrag, Pro und Kontra eines Zusammenschlusses aus Sicht ihrer Pfarrei festzuhalten, zu definieren, was gründlich geprüft und was zwingend erhalten bleiben muss. In der anschliessenden Präsentation wurden als Vorteile unter anderem der geringere Verwaltungsaufwand, die einfachere Rekrutierung der Kirchenpflege oder die Professionalisierung der Immobilienbewirtschaftung erwähnt. Als kritische Aspekte nannten die Teilnehmenden etwa Fremdbestimmung, Verlust von traditionellen Anlässen, Fusion auf Augenhöhe oder der mögliche künftige Steuerfuss.
Ist der Terminplan zu sportlich?
In der angeregten, auch emotionalen Diskussionsrunde wurde klar, dass der angedachte Terminplan – 1. Juni Veröffentlichung der Machbarkeitsanalyse und 27. September 2026 Abstimmung über die Fusion von mindestens zwei Kirchgemeinden sowie Start der fusionierten Kirchgemeinde am 1. Januar 2028 – von mehreren Seiten als «mega sportlich» infrage gestellt wird. Zudem sei abzuwarten, ob sich die anstehenden Wahlen nicht auf den Zeitplan auswirken werden.
Die Frage «Fusion Ja oder Nein» führte dann auch noch zur Feststellung, dass der Workshop keine repräsentative Versammlung ist, welche ein Stimmungsbild für die drei Pfarreien abgibt. Und selbst die Berücksichtigung des Projektes im Budget sei keine Verpflichtung, es auch wirklich anzugehen.
Doch rotes Licht besteht trotz der kritischen Einwendungen nicht. Die Machbarkeitsstudie soll nun erarbeitet und in den drei Kirchgemeinden transparent diskutiert werden. Sodass sie als Grundlage für den weiteren Projektablauf dienen kann.


