Woche, die Spuren hinterlässt
11.07.2025 Bremgarten, Kultur, SchuleKultureller Brückenschlag im Klassenzimmer: Besuch aus Mexiko in Bremgarten
Ein Schulprojekt der besonderen Art verwandelte kürzlich die Klassenzimmer von Bremgarten in Begegnungsstätten zweier Kulturen: Eine Woche lang waren Schülerinnen und ...
Kultureller Brückenschlag im Klassenzimmer: Besuch aus Mexiko in Bremgarten
Ein Schulprojekt der besonderen Art verwandelte kürzlich die Klassenzimmer von Bremgarten in Begegnungsstätten zweier Kulturen: Eine Woche lang waren Schülerinnen und Schüler der Schweizer Schule in Querétaro, Mexiko, zu Besuch in den 5. und 6. Klassen.
Sabrina Salm
Die Schülerinnen und Schüler aus Mexiko – insgesamt 34 an der Zahl, von der 5. Klasse bis zur 2. Oberstufe – wurden auf die acht Klassen der 5. und 6. Stufe verteilt. In den Gastfamilien wurden sie liebevoll aufgenommen und in den Alltag integriert. «Die Bremgarter Kinder haben sich sehr auf ihren Besuch gefreut», erzählt Marija Ceneva, Lehrerin in Bremgarten, die selber zwei Jahre an der Schweizer Schule in Mexiko unterrichtet und den Kontakt für dieses Projekt hergestellt hatte. «Schon im Voraus entstand Kontakt zwischen den Familien – viele Kinder zeigten sich dabei besonders empathisch und offen.» Gemeinsam erlebten die Schweizer und Mexikaner eine Woche voller Highlights. Die mexikanischen Gäste hielten Präsentationen über ihr Heimatland, unterrichteten Mini-Lektionen in Spanisch und erhielten im Gegenzug Einblicke in den Schulalltag in der Schweiz und wurden auf Ausflüge und Abenteuer mitgenommen.
«Wir wurden hier unglaublich herzlich empfangen», schwärmt Sandra Stauffer, Schulleiterin der Schweizer Schule in Mexiko. «Bremgarten ist ruhig, schön und sehr angenehm. Wir fühlten uns sofort wohl.»
Faszinierende Unterschiede
Gerade alltägliche Dinge sorgten dabei für Überraschung – besonders aufseiten der mexikanischen Kinder. «Viele konnten kaum glauben, dass man hier allein mit dem Fahrrad oder zu Fuss zur Schule geht», erzählt Stauffer. In Mexiko ist das wegen der Sicherheitslage und der Infrastruktur kaum denkbar – dort werden Kinder in der Regel mit dem Auto zur Schule gebracht. «Allein unterwegs zu sein, im Freien zu spielen oder in den Laden zu gehen – das war für sie eine neue, aber sehr erfreuliche Erfahrung», so die Schulleiterin.
Nicht alle Eindrücke waren jedoch nur positiv: Beim Frühstück etwa stiessen die mexikanischen Kinder an ihre kulinarischen Grenzen. «In Mexiko essen wir morgens Tortillas, Eier und viele verschiedene Saucen – aber Brot jeden Tag? Das war für einige dann doch eine Herausforderung», sagt Stauffer lachend. Und andererseits liessen sich die Gäste aus Mittelamerika mit Freude auf die schweizerische Kulinarik ein und assen erstmals ein Fondue.
Ohne Smartphones
Die mexikanischen Schülerinnen und Schüler reisten ohne Smartphones an. Statt Nachrichten per App auszutauschen, wurden am Ende der Woche Adressen per Hand auf kleine Zettel geschrieben. «Es wäre schön, wenn einige dieser Kontakte auch in Zukunft bestehen bleiben», sagt Marija Ceneva.
Nach der Woche in Bremgarten reist die Gruppe weiter durch die Schweiz – Outdoor-Aktivitäten in Klosters, Stadtbesichtigung in Bern, kulturelle Entdeckungen inklusive. Solche Aufenthalte gehören für die Schweizer Schule in Mexiko zum festen Programm. «Alle zwei Jahre kommen wir für rund drei Wochen in die Schweiz», erklärt Stauffer. «Uns ist es wichtig, dass unsere Schülerinnen und Schüler direkten Kontakt zur Schweizer Kultur und Sprache erhalten – schliesslich besuchen sie eine Schweizer Schule.» Die Schule in Querétaro, eine Stadt nördlich von Mexiko-Stadt, ist eine Zweigstelle der traditionsreichen Schweizer Schule in der Hauptstadt. Ursprünglich als Bildungsstätte für Kinder von Expats gegründet, besuchen sie heute vorwiegend mexikanische Kinder.
Wertvoll und prägend
Andreas Blöchliger, Schulleiter des Zyklus 2 in Bremgarten, ist ebenfalls vom gelungenen Projekt begeistert. «Dieses Projekt wäre ohne das grosse Engagement des Lehrerteams und der gastgebenden Familien schlicht nicht möglich gewesen. Ihnen gebührt ein riesiges Dankeschön.» Wenn man dem Schulleiter zuhört, wird klar, dass es nicht nur organisatorisch anspruchsvoll, sondern auch persönlich bereichernd war: «Für uns war das komplettes Neuland. Aber die Zusammenarbeit mit der Schule in Mexiko war phänomenal. Wir sind stolz, Teil dieses Austauschs gewesen zu sein.» Die Woche des kulturellen Miteinanders in Bremgarten war für alle Beteiligten eine wertvolle Erfahrung und ein prägendes Erlebnis.