Wie ewige Ferien
11.02.2025 MuriIn Muri aufgewachsen bauten Alice und Berni Iten in Costa Rica die Guacamaya Lodge auf
1993 – 32 Jahre sind vergangen, seit die Geschwister Alice und Berni Iten die Schweiz verliessen, nach Costa Rica zogen. Sie haben ein Hotel mit Restaurant erbaut. Mittlerweile ...
In Muri aufgewachsen bauten Alice und Berni Iten in Costa Rica die Guacamaya Lodge auf
1993 – 32 Jahre sind vergangen, seit die Geschwister Alice und Berni Iten die Schweiz verliessen, nach Costa Rica zogen. Sie haben ein Hotel mit Restaurant erbaut. Mittlerweile zählt die Guacamaya Lodge 15 Mitarbeitende. Längst ist Costa Rica ihre Heimat geworden, die Brücken nach Muri aber bestehen weiterhin.
Annemarie Keusch
Stundenlang. Ohne vielen Menschen zu begegnen. Und das täglich. Alice Itens Erzählungen lassen sofort Bilder im Kopf entstehen. Türkisblaues Meer, feiner Sandstrand. In unmittelbarer Nähe. Barfuss, kurze Hosen und T-Shirt. Nicht nur im Sommer in den Ferien, sondern jeden Tag, das ganze Jahr hindurch. Ganz oft hat sie dabei ihren Hund dabei. «Die Natur, die Unberührtheit, die Wildtiere. Traumhaft. Wie das Paradies», sagt Alice Iten. Die Wärme, die nie eine erdrückende Hitze wird. Sie kommt aus dem Schwärmen nicht mehr heraus. Costa Rica, die Playa Junquillal, ist ihre Heimat geworden. Mit Bruder Berni Iten betreibt sie die Guacamaya Lodge. Seit ganzen 32 Jahren. «Wir sind damals mit dem Gedanken hierhergekommen, zu bleiben. Dass das auch wirklich klappt, setzte viel harte Arbeit voraus und auch Glück», sagt die 56-Jährige.
Dabei war es Zufall, dass es die Geschwister, die auf einem Bauernhof oberhalb des Restaurants Lindenberg in Muri aufgewachsen sind, überhaupt nach Costa Rica verschlug. Gereist sind beide immer gerne. Das Auswandern aber war nie ein Thema. Erst eine zufällige Begegnung in Costa Rica brachte sie dazu. Alice Iten traf auf ihrer Rucksackreise durch Südamerika in Costa Rica einen Mann. «Er wollte sich ein Grundstück kaufen, sprach aber kein Spanisch. Also fragte er mich, ob ich übersetzen könne.» Alice Iten begleitete ihn aufs zuständige Amt. «Das ist doch eine gute Idee», dachte sie sich. Daheim erzählte sie ihrem Bruder Berni davon und dieser war sofort begeistert. Die gelernte Krankenschwester und der gelernte Bäcker wollten ein Hotel eröffnen. Angst zu scheitern? Keine. Lust auf Abenteuer? Ganz viel.
Weniger Fahrten nach Santa Cruz nötig
Sechs Dollar kostete damals ein Quadratmeter eigentlich für die Viehzucht gerodetes Land. Ein finanzierbares Abenteuer für die damals 25-Jährige und ihren 32 Jahre alten Bruder. Kaum in Costa Rica angekommen, startete der Hotelbau. «Wir sassen abends jeweils zusammen. Einmal fragte ich meinen Bruder, wer denn im Restaurant eigentlich kochen soll, erinnert sich Alice Iten. «Du», war seine knappe Antwort. Und das tat sie dann auch acht Jahre lang. Mittlerweile verfügt das Restaurant über einen international trainierten Chefkoch. 15 Angestellte stellen den Betrieb sicher. Alice und Berni Iten sind beide nach wie vor stark engagiert. «Aber wir können das Paradies schon auch mehr geniessen als zu Beginn.»
Denn zu Beginn, da war noch ganz vieles anders. In Playa Junquillal gab es wenige richtige Strassen und kein Internet. Wenn sie einen Fax empfangen wollten, mussten sie ins eine Stunde entfernte Santa Cruz reisen. Verändert hat sich seither viel – das meiste davon zum Guten. Auch was die Natur anbelangt. «Das einst gerodete Stück Land ist jetzt mit vielen Bäumen überwachsen», sagt Alice Iten. Die Strassen ausgebaut. «Dadurch erreichen uns die Lieferanten und wir müssen die Produkte nicht mehr selber abholen.» Telefon- und Internetverbindungen sind in hoher Qualität da. «Die zwei Jahre, in denen wir keine Telefonverbindung hatten, sind längst vergessen.»
Einige Gäste begleiten sie seit 30 Jahren
Nicht vergessen sind aber die intensiven Bemühungen, die das Murianer Geschwisterpaar anfangs auf sich nahm. «Wir haben hart gearbeitet, obwohl manchmal vier Tage lang überhaupt keine Gäste kamen.» Wenn im europäischen Winter die Kassen nicht klingelten, wurde es schnell schwierig. «Auch hier konnten wir uns stark entwickeln.» Zumal Costa Rica gerade in Europa, den USA und Kanada ein beliebtes Reiseziel ist. «Obwohl es nicht ganz günstig ist, schätzen die Leute die hohen Standards, die in diesem Land mittlerweile geboten werden.» Und die Guacamaya Lodge und die Itens haben sich in den drei Jahrzehnten vieles erarbeitet. Nicht wenige Gäste begleiten sie seit 30 Jahren. «Überhaupt, die Hälfte unserer Hotelgäste kommt wieder.» Diese kommen aus aller Welt, nicht selten auch aus der Heimat, auch aus Muri. Alle schätzen das Gleiche: die Guacamaya Lodge ist nicht einfach irgendein Hotel. «Ob im Restaurant, an der Bar oder am Pool, hier begegnen sich die Leute. Kein Zimmer ist mit einem Fernseher ausgestattet, dafür reden die Leute miteinander.»
Alice und Berni Iten sind in Costa Rica angekommen und heimisch geworden, nicht nur weil ihr Hotel läuft. Auch die einheimische Bevölkerung akzeptiert sie. «Von Anfang an waren alle sehr nett und hilfsbereit, aber wir geben uns auch grosse Mühe.» Sie waren an jedem Fest dabei. «Vergleichbar mit einer Chilbi in der Schweiz.» Berni spielte Fussball im örtlichen Verein. Längst sind beide verheiratet, haben Kinder und Enkel. Costa Rica ist ihre neue Heimat geworden. «Aber, ich fühle mich nach wie vor als Schweizerin», sagt Alice Iten. Die Pünktlichkeit mag sie nach wie vor, auch wenn das in der costa-ricanischen Mentalität nicht zuoberst steht. Zudem pflegen sie nach wie vor viele Kontakte in die Heimat, nach Muri. «Unsere Geschwister leben noch in der Schweiz, sicher jedes zweite Jahr reisen wir nach Hause», sagt sie. Dank den modernen Medien ist der Austausch auch sonst fast jederzeit möglich.
Geweckt von Affenschreien
25, respektive 32 Jahre alt, waren Alice und Berni Iten, als sie nach Costa Rica auswanderten. 32 Jahre später machen sie sich Gedanken darüber, wie es mit ihrem Lebenswerk weitergehen soll. «Schliesslich wollen wir nicht bis 85-jährig arbeiten.» Weil keines ihrer Kinder Interesse hat, denken sie daran, die Geschäftsführung abzugeben. Aber nicht in nächster Zeit. «Denn wir könnten uns nicht mehr vorstellen, irgendwo anders zu leben.» Freunde, Familie, alle sind hier. Viele Hotelgäste sind zu Freunden geworden. Und die Arbeit in der Guacamaya Lodge ist von Anfang an ihre grosse Leidenschaft. Alice Iten spricht von ewigen Ferien, verbunden mit etwas Arbeit.
Ewige Ferien im Paradies. Wo einen um 5 Uhr Affenschreie wecken. Wo ganz viele frische Früchte wachsen, wo alles grün ist, wo die Strände abseits der Touristenstrände unberührt sind. Dieses Paradies hat Alice und Berni Iten Glück gebracht. «Dass wir immer einer Meinung waren, wäre natürlich falsch», sagt Alice Iten. Aber sie haben ihre Bereiche – sie im Büro, er im Garten und in der Backstube. Die Guacamaya Lodge ist ihr Paradies. Und sie teilen es noch so gern mit möglichst vielen Gästen – über solche aus der Freiämter Heimat freuen sie sich jeweils besonders.
Mehr Informationen finden Interessierte unter: www.guacamayalodge.com