Wie ein Sechser im Lotto
08.07.2025 Villmergen, Region UnterfreiamtDie Übersehbar Villmergen zieht eine positive Bilanz und startet in die Pause
Gross war die Enttäuschung, als klar war, dass der bisherige Platz direkt neben dem Vereinslokal nicht mehr zur Verfügung steht. Inzwischen ist der Frust einem ...
Die Übersehbar Villmergen zieht eine positive Bilanz und startet in die Pause
Gross war die Enttäuschung, als klar war, dass der bisherige Platz direkt neben dem Vereinslokal nicht mehr zur Verfügung steht. Inzwischen ist der Frust einem Glücksgefühl gewichen. Denn der neue Standort erweist sich als noch besser.
Chregi Hansen
Das Publikum an diesem Samstag ist bunt gemischt. Kinder spielen auf der kleinen Bühne oder auf dem Rasen. Familien geniessen ein feines Essen. Einige ältere Paare sitzen in der Sonne und nippen an einem Glas Wein. Und dazwischen stehen auffällig viele, meist schwarz gekleidete und oft tätowierte Musikfans herum, die auf den Auftritt der Band warten. «Arise» ist für diesen Abend angekündigt – die Metal-Band aus der Region tritt bald auf, die Vorfreude ist gross. Wenn auch nicht bei allen. «Das ist überhaupt nicht meine Musik», sagt ein Villmerger beim Vorbeigehen. Und holt sich schnell ein neues Bier.
Pause führt zu keiner Kritik
Mittendrin sitzt auch Raphi Kull mit seiner Familie. Er ist der Kopf hinter der Übersehbar, hat diese 2019 zusammen mit Dave Meier ins Leben gerufen. Dieses Jahr lockt die Freiluft-Bar zum sechsten Mal die Menschen aus Villmergen und Umgebung an – letztes Jahr wurde wegen der Fussball-EM stattdessen ein Public Viewing organisiert, was sich im Rückblick angesichts des vielen Regens als Glücksfall entpuppte. Ganz entspannt sitzt Kull an seinem Tisch. Die Arbeit vor Ort hat er abgegeben, er kümmert sich «nur» noch um organisatorische Fragen und hilft beim Aufbau mit. «Mit Familie kann ich nicht mehr jeden Abend bis spät in der Nacht hinter der Bar stehen», schmunzelt er.
Es ist der letzte Abend vor einer längeren Pause, welche die Übersehbar dieses Jahr erstmals einlegt. Es hat sich gezeigt, dass während der Sommerferien zu wenig Gäste kommen, als dass sich ein Betrieb rentiert. Die kommenden Wochenenden bleibt der Platz also gesperrt, erst am 14. August geht es weiter. Negative Reaktionen deswegen gab es keine, wie Kull berichtet. Das wundert den Organisator nicht. «Wenn das Bedürfnis tatsächlich so gross wäre in den Sommerferien, dann müssten wir auch nicht schliessen», erklärt er schmunzelnd.
Die Bilanz der ersten drei Wochenenden fällt durchmischt aus. Das Eröffnungswochenende war sehr gut besucht, das zweite zog nur wenig Publikum an – zu gross war die Konkurrenz der vielen Feste und Anlässe in der Region. An diesem Wochenende ist das Interesse hingegen wieder gross. «Die Leute schätzen, was wir hier machen. Sie fühlen sich wohl und wissen, dass sie hier sicher jemanden treffen, den sie kennen», sagt Kull. Dabei erweist sich der neue Standort zwischen Tennisplatz und Hinterbach als Sechser im Lotto. Das Areal hier wirkt kompakter, übersichtlicher und gemütlicher. «Uns hat der alte Standort gut gefallen, und wir wären gern geblieben. Aber jetzt müssen wir sagen: Der Ort hier ist perfekt. Und das sagen uns auch viele Besucher», so Kull.
Neuer Platz führte zu Mehraufwand
Der bisherige Standort fiel weg, weil die Gemeindewerke dort ihre neue Wärmezentrale bauen. Der Umzug brachte für die Organisatoren einiges an Mehraufwand. «Wenn man einen solchen Platz erstmals einrichtet, dann muss man einige Fragen klären und einiges neu machen», berichtet Kull. Zudem flossen neue Ideen ein. So steht erstmals ein grosses, offenes Zelt auf dem Platz, das sowohl vor der Sonne wie auch vor Regen Schutz bietet. Zudem wurden mehrere Lounges gebaut, die mit bequemen Sitz- und gar Liegegelegenheiten locken. Auch in die Soundanlage wurde nochmals investiert – ein weiterer Vorteil am neuen Platz ist, dass hier niemand gestört wird. Natürlich gibt es wieder eine Feuerstelle, die sehr beliebt ist und um die sich später am Abend die Menschen versammeln.
Höhepunkt ganz am Schluss
Raphi Kull ist rundum zufrieden mit dem bisherigen Verlauf. Und kann immer wieder Komplimente von Gästen entgegennehmen. So auch von einem ausgewanderten Paar, das mit Fähre und Auto von Gran Canaria gekommen ist und verspricht, auch im nächsten Jahr wieder vorbeizuschauen. Und tatsächlich soll es die Übersehbar auch 2026 wieder geben – trotz Fussball-WM und Jugendfest Villmergen. Wie man das alles unter einen Hut bringen will? «Darüber mache ich mir noch keine Gedanken, das wird schon klappen», sagt Kull. Vorerst geniesst er den schönen Abend in «seiner» Bar. Und freut sich, wenn es nach der Pause am 14. August wieder losgeht. Dann bietet das Kulturprogramm noch etliche Highlights. Mit dem Konzert von Famara am 30. August als krönender Abschluss. Darauf freut sich Kull jetzt schon.