Wie ein Fels in der Brandung
29.05.2026 MuriKESD Bezirk Muri verabschiedet Claudia Dober nach 14 Jahren als Präsidentin
Die Zahl der Fälle steigt und steigt. Der Kindes- und Erwachsenenschutzdienst (KESD) des Bezirks Muri musste erneut eine Stellenerhöhung beantragen. Zudem verfolgt der Dienst das ...
KESD Bezirk Muri verabschiedet Claudia Dober nach 14 Jahren als Präsidentin
Die Zahl der Fälle steigt und steigt. Der Kindes- und Erwachsenenschutzdienst (KESD) des Bezirks Muri musste erneut eine Stellenerhöhung beantragen. Zudem verfolgt der Dienst das Projekt KESD 2030 und muss sich nach vielen Jahren von der Präsidentin verabschieden.
Annemarie Keusch
Als wäre es eine ganz andere Zeit. Als wären seither zig Jahre vergangen. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass sich die Amtsvormundschaft in den Gemeinden um Themen kümmerte, die heute beim Kindes- und Erwachsenenschutzdienst landen. «Ich bin sehr froh, dass diese Professionalisierung stattfand, mit allen Vor- und Nachteilen», sagt Claudia Dober. Denn sie hat die Zeiten vorher erlebt, als zuständige Gemeinderätin in Merenschwand.
Seit 15 Jahren ist sie nun Teil des KESD-Vorstandes, seit 14 Jahren deren Präsidentin. «Anfangs teilten wir das Büro mit den sozialen Diensten der Gemeinde Muri.» 140 Stellenprozente für die Berufsbeistände, 20 für die Administration. Kurz zuvor bewilligten die Abgeordneten für 2027 total 1060 Stellenprozente. Dober spricht von einer riesigen Entwicklung, von einer spannenden und lehrreichen Zeit und davon, dass sie stolz sei, was der KESD im Bezirk Muri erreicht habe.
Diese Errungenschaften sind dabei eng mit Claudia Dobers Namen verbunden. Auch wenn sie in ihren Abschiedsworten primär allen anderen dankt – Mitarbeitenden, Geschäftsführung, Abgeordneten. Das betont Daniel Räber, Vorstandsmitglied, in seiner Laudatio, seinem «Abschlusszeugnis». Als «Fels in der Brandung» bezeichnet er Dober dabei. Aus zweiter Hand wisse er, dass die ersten Jahre vor allem personell durchaus strapaziös waren. Dass der Übergang von der Amtsvormundschaft ins Kindes- und Erwachsenenschutzrecht aber dennoch auch dank ihr gelungen sei. «In schwierigen Zeiten Ruhe bewahren, emotionale Stabilität beweisen – das hat Claudia immer wieder getan.» Er bezeichnet sie als kompetente, unermüdliche und präsente Präsidentin, als «wahres Stück KESD-Geschichte». Sie sei immer sorgsam mit dem Steuerfranken umgegangen. «Gleichzeitig waren ihr die Menschen wichtig.»
Neue Präsidentin erst nur knapp in Vorstand gewählt
Ein Stück Geschichte, das mit ihrem Rücktritt aus dem Merenschwander Gemeinderat per Ende letzten Jahres nun endet. Ihre Nachfolge als Präsidentin tritt Hanna Hoenig an. Obwohl sie für dieses Amt die einzige Kandidatin war – die Wahlen waren alles andere als langweilig. Für das Mitwirken im Vorstand meldeten sich bei fünf Sitzen sechs Kandidatinnen und Kandidaten. Neben Dober tritt auch Roger Arnold, Sins, zurück, der künftig im Gemeinderat ein anderes Ressort betreuen wird.
Die schriftliche Wahl erzielte im ersten Durchgang vier Gewählte: Daniel Räber, Muri, und Gabriela Schönenberg, Boswil (beide bisher), Chiara Bühlmann, Sins, und Patrick Bachmann, Merenschwand (beide neu).
Der bisherige Christian Bel, Besenbüren, und Hanna Hoenig, Mühlau, erhielten gleich viele Stimmen und am wenigsten. Ein zweiter Durchgang musste entscheiden. Bel oder Hoenig? Eine Stimme gab den Ausschlag zugunsten der Mühlauerin, die nachher einstimmig als neue Präsidentin gewählt wurde.
Deutlich über Budget
Aber nicht nur wegen personellen Veränderungen war die Abgeordnetenversammlung spannend. Geschäftsführer Ronen Brunner, dem Claudia Dober später zum 10-Jahr-Jubiläum gratuliert, berichtet über das Projekt «KESD 2030», einem konkreten Plan für die Weiterentwicklung des Dienstes – im personellen, räumlichen und IT-strukturellen Bereich. Denn die Fallzahlen steigen stetig an. Die Rechnung des letzten Jahres zeigt, dass das Budget um rund 150 000 Franken übertroffen wurde. Stellenprozente mussten erhöht werden. Und es wird im selben Stil weitergehen. Hinzu kommt die steigende Komplexität der einzelnen Fälle. «Es wird zur Belastung, zur Überlastung.» Die Prognosen für Fallzahlen im Jahr 2030 sind aktuell schon beinahe erreicht.
Im Projekt «KESD 2030» will man sich an den KOKES-Richtlinien orientieren. Den Richtlinien also, die die Konferenz für Kindes- und Erwachsenenschutz erarbeitete. Bund, Kantone, Gemeinde, Gerichte – alle sind darin vertreten. Gewisse Richtlinien sind dabei bereits erfüllt, etwa was die Mindestgrösse des Dienstes oder die Spezialisierung anbelangt. Noch nicht erreicht hat man die 60 Fälle pro 100-Prozent-Pensum, ebenfalls zu tief ist das Pensum der Geschäftsführung (laut Richtlinie 40 Prozent und vier Prozent je Mitarbeiterin und Mitarbeiter). Mehr Stellenprozente wird es künftig auch für die Berufsbeistände und die Sachbearbeitung brauchen. Gleiches gilt entsprechend für Arbeitsplätze und für IT-Infrastruktur.
Jährlich mehr Mitarbeitende
Brunner macht die Chancen und Risiken dieser Entwicklung deutlich. Chancen sieht er unter anderem in der Stabilität, in der Zufriedenheit der Klienten und Schnittstellenpartner, der hohen Arbeitsqualität. Risken macht er ohne Anpassung an die KOKES-Richtlinien in der Überbelastung, der Fluktuation und der Qualitätseinbusse aus. Geplant ist, von aktuell 14 Mitarbeitenden bis 2030 jährlich um eine Person auf 19 zu erhöhen. «Natürlich nur, wenn die Fallzahlen das bedingen. Präventiv werden wir das nicht machen», betont Ronen Brunner. Um die Qualität zu halten und um ein guter Arbeitgeber zu sein, sei eine personelle Aufstockung unabdingbar. «Auch in mir löst das ein Stück weit Bedenken aus», gibt Präsidentin Dober zu. «Aber die Arbeit wird uns vom Familiengericht zugewiesen und wir als Gemeinden sind verpflichtet, zu unterstützen.»
Diskussionen gab es darüber keine. Sowohl die schrittweise Anpassung an die KOKES-Richtlinien als auch die jährliche Präsentation einer Entwicklungsprognose über die folgenden vier Jahre wurden einstimmig angenommen. Präsidentin Dober ist indes überzeugt, dass man auf dem richtigen Weg ist. «Das zeigen die Anzahl und die Qualität an eingehenden Bewerbungen.» Für sie ist indes klar: «Wir müssen zum Dienst und zu unserem Personal Sorge tragen.» Auch wenn das für die Gemeinden zu höheren Kosten führt. Dieses Jahr sind es 37.64 Franken je Einwohner, 2027 sind es laut Budget 43.26 Franken.


