Wichtiger Lagerort
10.03.2026 Region Bremgarten, ZufikonSeit über 10 Jahren werden in einem Bunker rund 14 000 Jahre alte Wurzelstöcke eingelagert
2015 transportierte die Eidgenössische Forschungsanstalt WSL in Birmensdorf über 250 sehr alte Wurzelstöcke in ein ehemaliges Munitionslager der Armee in ...
Seit über 10 Jahren werden in einem Bunker rund 14 000 Jahre alte Wurzelstöcke eingelagert
2015 transportierte die Eidgenössische Forschungsanstalt WSL in Birmensdorf über 250 sehr alte Wurzelstöcke in ein ehemaliges Munitionslager der Armee in Zufikon. Die Forscher haben das Material analysiert und vieles herausgefunden. Und sie erhalten immer weitere Erkenntnisse von weltweiter Bedeutung.
Roger Wetli
«Dank den im Zufiker Bunker eingelagerten Wurzelstöcken konnten wir jetzt einen Vulkanausbruch in der Nähe von Bonn auf 8 Jahre genau datieren», erklärt Daniel Nievergelt. «Er ereignete sich vor rund 13 004 Jahren.» Nievergelt ist technischer Mitarbeiter an der WSL und dort in der Gruppe Dendrowissenschaften angestellt, die an alten Hölzern forscht. «Die Jahrringe geben uns verschiedenste Informationen über die Umwelt, in welcher der Baum wuchs. Insbesondere über das damals herrschende Klima.» Datiert wurden die eingelagerten Bäume auf eine Zeitspanne von vor 12 000 bis 14 000 Jahren. Es handelt sich um den grössten Fund eines Waldes aus dieser Zeit in Europa. Zudem ging die lückenlose Datierung von Bäumen zuvor weltweit erst 12 300 Jahre zurück.
Enormes Potenzial der Funde
Entdeckt hat Nievergelt die Wurzelstöcke 2013 auf einer Baustelle in Zürich. «Die mehr als 250 Exemplare waren durch Schutt des Üetlibergs überlagert und so in der Erde konserviert», beschreibt er die Situation. «Alle Teile, die über dem Schutt lagen, verfaulten und zersetzten sich, alles darunter ist noch intakt.» Der Forscher gibt zu bedenken, dass man als Laie den Wert und das enorme Alter dieser Wurzelstöcke nur schwer erkennt. «Würde ich einen in den Wald stellen, wäre er nicht auffällig.» Nievergelt erkannte damals das enorme Potenzial dieses Fundes. «Erste grobe Untersuchungen ergaben Hinweise auf das hohe Alter. Also untersuchten wir sie weiter.»
Lagerten die über 250 Wurzelstöcke zuerst an der WSL in Birmensdorf, merkte man bald, dass es für eine dauerhafte Aufbewahrung einen anderen Standort braucht. Die WSL wurde schliesslich in Zufikon fündig. Hier konnte sie ein nicht mehr gebrauchtes Munitionsdepot in einem Bunker so umbauen, dass für die Lagerung der Wurzelstöcke ideale Bedingungen herrschen. So beträgt darin die Temperatur ganzjährig 9 Grad Celsius und die Luftfeuchtigkeit 50 Prozent. «Das Lager ist für uns eine wichtige Rückversicherung und ein Langzeitarchiv für alte Hölzer», gibt auch Kerstin Treydte von der WSL zu bedenken. Treydte ist wissenschaftliche Koordinatorin des Forschungsprojektes, gemeinsam mit Lukas Wacker vom 14C-Labor an der ETH. «Die Forschung selbst betreiben wir vorwiegend in Birmensdorf und an der ETH. Hier in Birmensdorf haben wir auch das gerade aktuell benötigte Holzmaterial an Lager.»
Treydte weist darauf hin, dass immer weiter neue und effizientere Methoden der Jahrringmessung entwickelt werden. «Das hilft enorm, immer grössere und genauere Datenmengen zu erhalten. Und wir können dafür immer wieder auf das Lager in Zufikon zurückgreifen.»
Vergleiche mit weltweiten Erkenntnissen
Für die Altersbestimmung angewendet wurde die 14C-Methode, also die Radiokarbondatierung. Mit dieser kann organisches Material bis 60 000 Jahre zurückdatiert werden. Aber auch das Zählen und Vergleichen von Jahrringen zwischen den Baumstämmen wurde durchgeführt. «Da es mal wärmere und mal kältere Sommer gibt, sind die Abstände zwischen den Jahrringen von Jahr zu Jahr unterschiedlich, weil die Bäume mal mehr und mal weniger stark wachsen», so Daniel Nievergelt. «Zudem legen alle Bäume in einem Jahr je nach Klima ähnlich an Dicke zu. Deshalb kann man im Idealfall exakt auf ein Jahr bestimmen, wann der Baum gestorben ist.»
Allerdings lieferten die ersten 14Cund Jahrringuntersuchungen zwar gewisse Informationen, diese waren aber nicht eindeutig. «Deshalb forschten wir weiter. Heute können wir die Baumstrünke auf eine Zeitspanne von 8 Jahren bestimmen. Das ist bei 14 000 Jahre alten Exemplaren enorm genau. Noch besser wäre aber eine jahrgenaue Eingrenzung», erklärt Treydte.
Seine Ergebnisse vergleicht das WSL-Team deshalb mit Erkenntnissen aus Baumanalysen aus anderen Regionen in Europa und weltweit, zum Beispiel aus Frankreich, den USA oder Neuseeland. Aber auch Eisbohrkern-Daten werden herangezogen. «Diese Forscher sind sehr interessiert an unseren Daten, weil sie helfen, deren Ergebnisse zeitlich genauer einordnen zu können», so Treydte.
Sie erklärt, dass die Zeit vor 14 000 Jahren sehr spannend gewesen ist, weil sich damals die Gletscher aus dem Mittelland zurückzogen und es zu enormen Klimaschwankungen kam. «Die damalige Umgebung von Zürich und dem Freiamt müssen wir uns als eine Art offene Wald-Steppe vorstellen. Es gab hier vor allem Föhren, von denen die in Zufikon eingelagerten Baumstämme stammen. Pollenanalysen deuten darauf hin, dass gleichzeitig auch Birken wuchsen.»
Rückschlüsse auf heute gewinnen
Seit über zehn Jahren werden jetzt diese Wurzelstöcke untersucht. Im Herbst 2025 wurde diese Arbeit intensiviert. Aktuell arbeitet neben Kerstin Treydte und Daniel Nievergelt ein ganzes Team inklusive drei Doktorierender und zwei weiterer Techniker daran. «Wir hoffen auf noch mehr Rückschlüsse zum damaligen Klima und seinen Schwankungen. Mit diesen Erkenntnissen könnten wir dann auch die aktuellen Klimaveränderungen besser verstehen», ist Nievergelt überzeugt.
Er erklärt, dass in Zufikon noch weitere Hölzer eingelagert sind, die von anderen Forschungen stammen. Zum Beispiel bewahrt hier die Stadt Zürich Stämme von Pfahlbauten auf. «Generell kann man sagen, dass das Material in Zufikon und damit der Bunker sehr wertvoll ist für die weltweite Forschung. Wir sind gespannt, was wir alles noch herausfinden werden.»
Drei Bunkeranlagen
Die WSL nutzt in Zufikon drei Bunkeranlagen als Lager. Das Werk 1 verfügt über einen 115 Meter langen Zugangsstollen, an den ein Raum von 60 Metern Länge, 5,7 Metern Breite und 4,5 Metern Höhe anschliesst. Der Zugangsstollen des Werks 2 ist 112,5 Meter lang, der Raum danach 60 Meter lang, 5,7 Meter breit und 4,5 Meter hoch. Mit 100 Metern der längste Raum ist Werk 3. Er misst in der Breite 9 Meter und in der Höhe 6 Meter.
Auch sein Zugangsstollen ist mit 145,5 Metern der längste. Laut Herbert Kurmann, Leiter Bau WSL und Betrieb Birmensdorf, musste für die Umnutzung um eine baurechtliche Bewilligung ersucht werden. Die WSL installierte in den Werken 1 und 3 technische Anlagen für die Feuchtigkeitsregulierung. Im Werk 3 wurde noch eine Brandschutztür eingebaut. Alles andere benötigte keine Umbauten. --rwi

