Wertvoller Austausch
19.03.2024 Wohlen12. Elternbildungstag Freiamt mit Themen, die bewegen, im BBZ Wohlen
Das OK des Elternbildungstages Freiamt trifft mit den ansprechenden Kursen genau den Nerv der Zeit und deckt das Bedürfnis nach Austausch. «Mental Load», «Schluss mit Schimpfen» ...
12. Elternbildungstag Freiamt mit Themen, die bewegen, im BBZ Wohlen
Das OK des Elternbildungstages Freiamt trifft mit den ansprechenden Kursen genau den Nerv der Zeit und deckt das Bedürfnis nach Austausch. «Mental Load», «Schluss mit Schimpfen» und «I feel good» sind die Favoriten bei den Teilnehmenden.
Monica Rast
«Tausend Gedanken, die einem durch den Kopf gehen», beschreibt die Psychologin und Mutter Filomena Sabatella die unsichtbare Denkarbeit und suchte vergebens nach Antworten auf diese mentale Belastung. «Man riet mir, selbst danach zu suchen», erzählt sie in ihrem gut besuchten Kurs «Mental Load» am Elternbildungstag. «Mach ich ja locker, mit zwei Kindern und einem 80-Prozent-Job», meint sie augenzwinkernd. Sabatella spricht genau das an, was viele tagtäglich erleben. «Wie eine To-do-Liste, die niemals aufhört.» Gedanken, die sich nicht abschalten lassen. Da läuft man mit einer Tasse in die Küche und denkt über das Mittagessen nach, stolpert am Wäschekorb vorbei, den man in den Waschraum trägt, wo man noch schnell eine Waschmaschine füllt. Während die Gedanken schon wieder beim bevorstehenden Arztbesuch weilen, einen Zwischenstopp beim benötigten Einkauf einlegen und sich die Frage nach unbezahlten Rechnungen einschleicht. «Das Hirn fühlt sich an, wie wenn man 19 Seiten im Browser geöffnet hat, davon sind drei festgefroren und zwei abgestürzt.»
Sabatella rät in dieser Situation, einen Moment innezuhalten, um sich zu überlegen, was man eigentlich will. Denn es ist schwierig, sich aus diesem Gedankenstrom zu befreien, der immer und überall möglich ist. «Deshalb ist er auch so belastend.»
Besonders schlimm ist es, wenn der Betroffene nachts nicht mehr abschalten kann. «Man ist nicht mehr empfänglich für vielleicht wichtige Themen», erklärt die Psychologin. «Was auf die Dauer Angst, Depressionen oder Burn-out auslösen kann.» Sie lässt die Kursteilnehmenden einen Fragebogen ausfüllen und zeigt danach Lösungsvorschläge auf.
Themen aus dem Leben gegriffen
«Für alles gibt es Kurse, nur für Eltern und Familien grundsätzlich nicht», meint Sylvie Nuc vom Organisationskomitee des 12. Elternbildungstages. «Dies ist auch der Grund, warum unsere Kurse mit Themen aus dem Alltag so gut besucht werden.»
Über die Hälfte aller möglichen Anmeldungen gingen bereits am ersten Tag ein. «Dies bestätigt uns in unserer Arbeit und wir sehen, wie wichtig solch ein Austausch ist und dass sich die Eltern gerne Ratschläge von Fachpersonen für ihren Alltag holen möchten.» Der Kurs von Maren Tromm «Schluss mit Schimpfen» war innerhalb von 18 Minuten ausgebucht. Sie war schon öfters zu Gast an einem Elternbildungstag im BBZ. Sichtlich gerührt über diese Ehre, erklärt Belinda Lowe vom OK, dass es eine Premiere gibt. «Exklusiv und druckfrisch könnt ihr als Erste das Buch von Maren Tromm erwerben.»
«Kinder sind nicht gegen uns, sie stehen für sich ein»
Maren Tromm weiss es, die Kursteilnehmenden abzuholen. Für viele Fragen hat sie eine mögliche Lösung. «Wobei ich einiges auch erst selber lernen musste», gibt die psychosoziale Beraterin offen zu. Sie beschränkt sich nicht nur auf das Referat, sondern geht gezielt auf Fragen ein und beantwortet diese kurz und bündig mit einer Prise Humor. «Da fällt eine Person über die Reling ins Wasser und schreit um Hilfe», versucht sie eine Situation bildlich darzustellen. «Wie nützlich ist es dann, wenn ich ihr sage, sie solle nicht so laut schreien?» Jedes Verhalten hat ein Ziel und kann ein Notsignal sein.
Für Kinder sieht die Welt ganz anders aus. Es gibt vier psychische Grundbedürfnisse, die für den Nachwuchs von Bedeutung sind. Sicherheit, Selbstwirksamkeit (Ist meine Stimme wichtig?), Zugehörigkeit und Akzeptanz. «Hängt euch die Grundbedürfnisse an den Kühlschrank», rät sie, «wenn ihr diese versteht, ist es echt locker zu Hause.» Es gibt viele Aha-Effekte und man merkt schnell, dass auch die Erwachsenen solche Bedürfnisse haben, aber im Gegensatz zu den Kindern sich besser ausdrücken können.
Auch Eltern brauchen Zeit für sich
«Wer hat Arbeit zu Hause oder musste sich für heute Zeit freischaufeln?», werden die Kursteilnehmenden zu Beginn gefragt.
Zeit ist ein kostbares Gut. Mit der Teilnahme am Elternbildungstag nimmt man sich eine Auszeit, bei der die ganze Familie profitieren kann. «Ich habe mündlich viele positive Rückmeldungen erhalten und es war schön, zu sehen, wie sehr auch der Austausch untereinander immer wieder geschätzt wird», berichtet Sylvie Nuc. «Oft tut es einfach auch nur gut, zu hören, man ist nicht alleine mit seinen Gedanken und Alltagsproblemen.»
Ebenfalls positiv ist die Umfrage zu den Kursen und zeigt auf, dass das OK auf dem richtigen Weg ist. Besonders erfreulich ist das Interesse am «Vater-Kurs» von Marcel Kräutli.
Bevor es in die Nachmittagskurse ging, haben sich alle zu einer Auflockerung mit Hans-Peter Wernli vom Kurs «I feel good» in der Aula versammelt und ein regelrechtes Power-Training fürs Gehirn absolviert. Was einfach begonnen hat, wurde immer anspruchsvoller und sorgte für viele Lacher.
Mit dem Schlusspunkt «Der ganz normale Wahnsinn» ging ein gelungener Anlass zu Ende. Die Kolumnistin Sandra Casalini von der «Schweizer Illustrierten» hat zum ersten Mal vor Publikum vorgelesen. Von den Babybis zu den Wechseljahren war für jeden etwas dabei und man konnte noch einmal herzhaft lachen.