Wenn der Berg ruft
20.03.2026 Region UnterfreiamtIm Reusspark kann noch bis Ende Mai die faszinierende Foto-Ausstellung «White Peak Art» besucht werden
Den Besuchern der Vernissage wurde es zum Teil schon nur beim Betrachten der Bilder schwindlig. Alexander Barden und Stefan Jungen sind nicht nur begeisterte ...
Im Reusspark kann noch bis Ende Mai die faszinierende Foto-Ausstellung «White Peak Art» besucht werden
Den Besuchern der Vernissage wurde es zum Teil schon nur beim Betrachten der Bilder schwindlig. Alexander Barden und Stefan Jungen sind nicht nur begeisterte Bergsteiger, sondern wissen die Impressionen ihrer Touren gekonnt in Szene zu setzen.
Chregi Hansen
Wer in den Reusspark zieht, der macht meist keine grossen Ausflüge mehr. Und doch haben viele Bewohner viele ganz schöne Erinnerungen an die Schweiz und ihre Berge. «Es ist schön, dass wir ihnen dank dieser Ausstellung die Bergwelt wieder etwas näherbringen können», freut sich Esther Kuster. Und eigentlich, so die Leiterin Kultur im Reusspark, passen die Bilder auch zum aktuellen Motto «heiwärts», auch wenn es thematisch nicht um das Sterben und den Tod geht. «Die Berge stehen wie kaum eine andere Landschaft für Grenzerfahrungen, für Vergänglichkeit und für die grosse Kraft des Lebens. Wer sich in den Bergen bewegt, spürt oft intensiver, wie kostbar und verletzlich das Leben ist», sagt Kuster in ihrer Begrüssung.
Viel Technik eingepackt
Dass die Bilder des Duos «White Peak Art» ausgerechnet im Reusspark zu sehen sind, hat einen einfachen Grund.
Stefan Jungen, einer der beiden leidenschaftlichen Bergsteiger, war als Kind oft hier zu Besuch. «Meine Mutter hat hier gearbeitet. Sie war es, die den Kontakt hergestellt hat», sagt er. Der studierte Chemiker ist in Bellikon aufgewachsen und war oft im Reusstal unterwegs. Heute zieht es ihn eher in die Berge. Zusammen mit seinem Freund Alex Barden hat er schon unzählige Gipfel bestiegen. Mit dabei hat der Drohnen-Ingenieur immer sein spezielles Equipment, neben einer Drohne ist auch fast immer eine gute Spiegelreflexkamera dabei. Das Duo will die besonderen Momente bei den Touren festhalten. Die Qualität der ausgestellten Bilder ist denn auch beeindruckend. «Dafür schleppen wir gerne etwas mehr Gewicht mit», schmunzelt Barden. Dabei haben sie eine klare Aufteilung. Jungen trägt den grösseren Anteil der Bergsteiger-Ausrüstung, Barden das technische Equipment. «Und meist muss Stefan dann das Model spielen auf den Bildern», erklärt der Drohnenspezialist.
An der Vernissage im Reusspark lassen sie das Publikum an ihrer Begeisterung für das Klettern teilhaben. Sie tun dies mit Berichten, Bildern und Videos. So erzählen sie ausführlich und eindrücklich von der Besteigung des Alpamayo, einem 5947 Meter hohen Berg im Norden Perus, der unter den Bergsteigern zusammen mit dem Matterhorn und dem Ama Dablam zu den schönsten Gipfeln der Welt zählt. Einen Eindruck, den die Vernissagenbesucher nach dem Betrachten der Bilder durchaus nachvollziehen können. Die Besteigung ist alles andere als ein Kinderspiel. Nach einer langen Anreise wartet ein zweitägiger Fussmarsch, bis man endlich im Basis-Camp ist. «Solche Exkursionen sind eigentlich absurd. Man fliegt um die halbe Welt, nimmt viele Strapazen auf sich und weiss nie, ob der Aufstieg dann auch möglich ist, Das hängt stark vom Wetter und den Temperaturen ab», berichtet Jungen.
Die beiden Kumpels hatten Glück. Im Gegensatz zu einer Schweizer Gruppe, die kurz zuvor da war, konnten sie den Aufstieg wagen. Wobei Jungen stark unter der Höhe litt. «Mir ging es wirklich nicht gut auf dem Gipfel. Meist sind die Erinnerungen schöner als der Aufstieg», schmunzelt er. Und ist es nun wirklich einer der schönsten Berge der Welt? Was man als Bergsteiger als schön empfinde, dass sei eben Geschmacksache, erklärten die beiden. «Wir müssen nicht immer möglichst hoch hinaus. Wir bevorzugen eher die weniger bekannten Gipfel, wo es weniger Leute hat. Am liebsten sind uns schroffe, abstehende Zacken», sagt Alex Barden. So etwa der Girenspitz, der Winterstock oder das Grosse Kamel. Sehr gerne sind sie im Furkagebiet unterwegs. «Da hat es so viele Zacken und Gipfel, das ist für uns wie ein Kinderspielplatz.»
Staustehen am Matterhorn
Aber natürlich stand auch schon die Besteigung des Matterhorns auf dem Programm. Barden berichtet von den strengen Regeln, die hier gelten. «Von der Hörnlihütte starten erst die Walliser Bergführer mit ihren Kunden, dann die anderen Bergführer und am Schluss wir anderen, die allein unterwegs sind.» Schon nach kurzer Zeit stehe man quasi im Stau. Die grosse Beliebtheit des bekanntesten Schweizer Bergs hat auch andere Nachteile. «Viele lose Steine und viele Leute, das ist eine schlechte Kombination», macht Barden deutlich. Die Rettungshelikopter kommen an diesem Berg häufig zum Einsatz. Dies etwa im Gegensatz zum Alpamayo. «Da gibt es keine Rega. Wenn etwas passiert, muss man sich selbst helfen oder auf die Unterstützung anderer Gruppen hoffen», berichtet Jungen.
Stefan Jungen und Alex Barden ist es an diesem Abend gelungen, ihre Faszination für das Bergsteigen mit anderen zu teilen. Auch die Bilder vermitteln auf wunderbare Art unvergessliche Eindrücke. Sie beweisen auch, dass die beiden ein Auge haben für schöne Kompositionen. 26 ausgewählte Fotografien hängen noch bis Ende Mai im Foyer des Hauptgebäudes. «Wir sind überzeugt, dass unsere Bewohner, aber auch die Besucher und Mitarbeitenden viel Freude haben an ihnen», bedankt sich Ester Kuster am Schluss der Vernissage bei den beiden.
Mehr Informationen und Bilder findet man unter www.whitepeakart.com.


