Weniger Geburten, weniger Beratung
27.05.2026 Mutschellen, BerikonJahresversammlung der Mütter- und Väterberatung Bezirk Bremgarten
Die Bevölkerungszahl im Bezirk Bremgarten steigt, die Zahl der Geburten sinkt. Und zwar deutlich. Längerfristig wird sich das wohl auf die Höhe der Stellenprozente des Vereins ...
Jahresversammlung der Mütter- und Väterberatung Bezirk Bremgarten
Die Bevölkerungszahl im Bezirk Bremgarten steigt, die Zahl der Geburten sinkt. Und zwar deutlich. Längerfristig wird sich das wohl auf die Höhe der Stellenprozente des Vereins auswirken.
Erika Obrist
Kommt ein Kind auf die Welt, so ist das für die Eltern eine grosse Herausforderung. Was tun, wenn es Mühe hat mit dem Einschlafen? Wenn es häufig weint oder gar schreit? Wenn es die aufgenommene Nahrung regelmässig erbricht? Hier wissen die Frauen von der Mütter-und Väterberatung Bezirk Bremgarten Rat. Sie sind vor Ort in den 22 Gemeinden des Bezirks tätig; sie geben aber auch Auskunft per Telefon oder E-Mail. Und sie machen, sofern gewünscht, Hausbesuche. Finanziert wird dieses Angebot von den Gemeinden: Sie zahlen dem Verein jährlich fünf Franken pro Einwohner, damit die Beraterinnen ihre Aufgaben wahrnehmen können.
Nachfolge bereits jetzt angehen
Wie Präsident Renato Sanvido (Villmergen) an der Jahresversammlung in Berikon ausführte, wird die Leiterin des Beratungsteams, Brigitte Koller, im nächsten Jahr pensioniert. «Ein fliessender Übergang ist wünschenswert», zeigte er den Schwerpunkt der Nachfolgeregelung auf. Verbunden damit ist auch eine Überprüfung der Stellenprozente. Denn die sinkende Anzahl der Geburten zieht eine sinkende Anzahl von Hausbesuchen nach sich und eine sinkende Anzahl von Konsultationen in den Beratungsstellen der Gemeinden.
Im letzten Jahr kamen im Bezirk Bremgarten 698 Kinder zur Welt, 99 weniger als im Vorjahr. «Die Bevölkerungszahl allerdings ist gestiegen», führt Sanvido weiter aus. Die Beraterinnen machten 387 (Vorjahr: 455) Hausbesuche. In den Beratungen, die regelmässig in den Gemeinden angeboten werden, erfolgten 2749 (Vorjahr: 3498) Konsultationen. Als möglichen Grund für den Rückgang der Beratungen führte Teamleiterin Brigitte Koller das Internet an, in dem sich Eltern informieren, und auch kulturelle Hintergründe. Aus der Versammlung wurde angeregt, auch Beratung per Chat anzubieten. Der Vorstand stand dem positiv gegenüber. «Das könnte ein Türöffner sein für eine folgende persönliche Beratung», so Sanvido.
Sonja Isler-Rüttimann löst Roland Vogt ab
Erfreulich präsentieren sich die Zahlen des Vereins. Im letzten Jahr resultierte ein Gewinn von 19 469 Franken. Das Vermögen beläuft sich auf 169 335 Franken. Fürs Jahr 2027 ist ein Gewinn von 24 290 Franken budgetiert. Sollte diese Entwicklung anhalten, so Sanvido, könnte in drei bis vier Jahren eine Senkung des Gemeindebeitrags ins Auge gefasst werden. Der Vorstand wird jeweils für vier Jahre gewählt, und zwar stets ein Jahr nach den Gemeinderatswahlen. Bei der Mütter- und Väterberatung Bezirk Bremgarten ist Kontinuität angesagt. Renato Sanvido, Natascha Brunold (Zufikon), Nadja Stalder (Finanzen, Wohlen) und Maria Fiechter (Aktuarin, Oberwil-Lieli) stellten sich für eine weitere Amtsperiode zur Verfügung. Einzig bei der Vertretung der Gemeinde Wohlen kam es zu einem Wechsel: Vizeammann Sonja Isler-Rüttimann ersetzt den neuen Gemeindeammann Roland Vogt. Der Vorstand wurde in globo und einstimmig gewählt. Revisionsstelle bleibt die Finanz- und Geschäftsprüfungskommission der Gemeinde Wohlen. Neu müssen im Kanton Aargau die Gemeinden den Sprachstand der dreijährigen Kinder erheben. In einigen Gemeinden übernimmt diese Aufgabe der Soziale Dienst oder die Einwohnerkontrolle, in anderen das Schulsekretariat. Nun haben vereinzelt Gemeinden die Mütter- und Väterberatung angefragt, ob sie diese Abklärung nicht übernehmen könnte. In Zufikon hat diese Zusammenarbeit bereits funktioniert. Zufikon hat auch schon begonnen mit der Frühförderung. «Wir bieten das kostenlos an», so Natascha Brunold. Damit sinke die Hemmschwelle der Eltern, ihr Kind für diese Förderung anzumelden. Wer die Frühförderung künftig bezahlen muss, steht noch nicht fest; der Grosse Rat hat das Geschäft noch nicht beraten.

