Weil es keinen Sinn mehr macht
01.03.2024 WohlenDie Auto Käppeli AG schliesst den Betrieb per Ende Mai
Das Gerücht macht seit Anfang Woche die Runde im Dorf. Und sorgt für viel Gesprächsstoff. Jetzt kommt die Bestätigung. Die Auto Käppeli schliesst ihr Tore für immer. «Der ...
Die Auto Käppeli AG schliesst den Betrieb per Ende Mai
Das Gerücht macht seit Anfang Woche die Runde im Dorf. Und sorgt für viel Gesprächsstoff. Jetzt kommt die Bestätigung. Die Auto Käppeli schliesst ihr Tore für immer. «Der Entscheid ist uns sehr schwer gefallen», sagt Geschäftsführer und Verwaltungsrat Olivier Parvex-Käppeli.
Chregi Hansen
Weitere Hiobsbotschaft am Wohler Wirtschaftshimmel. Nach der Schliessung der O. Braunwalder AG folgt nun das Ende der Auto Käppeli AG. Damit verliert die Gemeinde gleich zwei gut verankerte Unternehmen, die einst von Wohler Persönlichkeiten gegründet wurden.
Doch der Unterschied könnte nicht grösser sein. Während das Fleischereiunternehmen, das sich längst in fremder Hand befand, den Betrieb Knall auf Fall eingestellt hat, übernehmen die Eigentümer der Auto Käppeli AG Verantwortung als Unternehmer und nehmen eine geordnete Betriebsschliessung vor. Die Autogarage stellt den Betrieb per Ende Mai ein, die Mitarbeitenden wurden letzte Woche informiert.
Gute Mitarbeitende sind gefragt
Betroffen von der Betriebsschliessung sind 29 Personen. Die Stimmung im Betrieb sei natürlich getrübt, berichtet Geschäftsführer Olivier Parvex-Käppeli. Anderseits spüre er viel Verständnis vonseiten der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. «Wir haben offen informiert, und die Gründe sind für sie nachvollziehbar», sagt er. In den letzten Tagen habe er zudem viele persönliche Gespräche geführt. Und dabei durchaus auch Erfreuliches gehört. «Einige aus unserem Team werden bereits jetzt von anderen Garagen mit Jobangeboten überhäuft. Denn unsere Mitarbeiter sind gut qualifiziert. Aufgrund des grossen Fachkräftemangels in der Branche sind wir überzeugt, dass sie schnell wieder einen Job finden», so Parvex. Am Herzen liegen ihm speziell die fünf Auszubildenden. «Auch für sie zeichnen sich bereits Lösungen ab. Das ist wichtig, denn unsere Branche braucht weiteres Fachpersonal.»
Der Geschäftsführer wirkt geknickt, aber auch gefasst. Der Entscheid sei nicht von heute auf morgen gefallen, sondern sei das Ergebnis eines längeren Prozesses. «Dieser Entscheid ist uns sehr schwer gefallen. Hauptsächlich wegen unseren treuen Kunden und unseren zum Teil langjährigen Mitarbeitenden. Wir haben lange damit gerungen, aber nach einer nüchternen Analyse unseres Geschäftsmodells sind wir zum Schluss gekommen, dass für uns persönlich ein erfolgreiches Geschäften in Zukunft nicht mehr möglich zu sein scheint», sagt Olivier Parvex-Käppeli. Trotzdem, der Schlussstrich tue schon weh, fügt er an.
In die Bresche gesprungen
Erschwerend dazu kommt die emotionale Seite. Gegründet wurde der Betrieb im Jahr 1995 von Urs Käppeli (Vater der jetzigen Verwaltungsratspräsidentin Sibylle Parvex-Käppeli und Schwiegervater von Olivier Parvex), der 2017 bei einem Flugzeugunfall ums Leben kam. Die Familie und die Angestellten des Unternehmens mussten nicht nur den grossen Schmerz meistern, mit dem Flugzeugabsturz stand die Auto Käppeli AG auch vor einer ungewissen Zukunft. Das Ehepaar Parvex-Käppeli entschloss sich damals, das klassische Familienunternehmen weiterzuführen. Sie kamen zwar nicht aus der Branche, hatten aber schon zuvor im Betrieb mitgewirkt.
Das Lebenswerk des Vaters weiterführen, das war das grosse Ziel. Den beiden Eheleuten war es ebenfalls enorm wichtig, die damals 28 Arbeitsplätze zu sichern und weiterhin für die treue Kundschaft da zu sein. Fast sieben Jahre lang ist dies gelungen. Ende November 2021 wurde noch das 25-Jahr-Jubiläum gefeiert. Damals waren die beiden Inhaber optimistisch, erklärten aber auch, dass sich die Autobranche in einem extremen Umbruch befindet. Nun also ist Schluss.
Es seien mehrere Gründe, die zu diesem Entscheid geführt hätten, macht Olivier Parvex deutlich. Seit mehreren Jahren kämpft die Auto Käppeli mit akutem Fachkräftemangel und schafft es nur mit grossem Aufwand, einfache Stellen zu besetzen. Unglaublich schwieriger sei es jedoch, qualifizierte Fachleute zu finden. «Zudem steigen die Anforderungen an Händler stetig an», so Parvex weiter. Gerade der Vormarsch der Elektromobilität bringt neue Vorschriften mit sich und fordert zusätzliche Anpassungen in der Werkstatt und zusätzliches Fachpersonal. Dieses lässt sich aber nicht finden.
Verkauf hat nicht geklappt
Bis zuletzt lief der Werkstattbereich positiv, während es im Verkaufsgeschäft harzte. «Aber wir sind nicht etwa in Konkurs, wie auch schon zu hören war», betont Parvex. Die Schliessung sei ein wohlüberlegter Entscheid. Geprüft wurden zuvor der Verkauf und die Weiterführung der Firma. Dies aus Verantwortung gegenüber den Mitarbeitenden und den Kunden, die dem Unternehmen all die Jahre über treu blieben und deren Vertrauen und Wertschätzung die Firma bis heute spüren darf. «Aus verschiedenen Gründen ist dieses Vorhaben leider gescheitert», bedauert Olivier Parvex. Den beiden Eheleuten ist es aber wichtig, die Firmengeschichte sauber zu beenden, solange sie das noch aus eigenem Willen und aus eigener Kraft können. Dieser Zeitpunkt ist nun also gekommen.
Persönlich von den Kunden Abschied nehmen
Die Auto Käppeli AG schliesst also per Ende Mai ihren Betrieb an der Industriestrasse. Für die Kunden bedeutet dies, dass sie sich ab Juni eine neue Garage suchen müssen. Infos dazu sind bereits auf der Website der Auto Käppeli aufgeschaltet. Zudem wird das gesamte Fahrzeuglager verkauft, wer Interesse an einem Schnäppchen im Abverkauf hat, sollte möglichst bald vorbeigehen. Bis am 30. April ist die Auto Käppeli wie gewohnt geöffnet und führt alle Reparatur- und Serviceleistungen durch. Auch die Radwechseltage finden statt. Diese sind für die Mitarbeitenden und Inhaber eine willkommene Möglichkeit, sich von den geschätzten Kunden zu verabschieden und ihnen für die jahrelange Treue zu danken.
Wie weiter? Die Frage bleibt derzeit offen
Die Mitarbeitenden müssen sich nun also einen neuen Arbeitsort suchen, die Kundschaft eine neue Garage. Und wie geht es mit dem Ehepaar Parvex-Käppeli weiter? Das sei noch offen, betont der Geschäftsführer. «Unser oberstes Ziel ist es, das Ganze zu einem guten Abschluss zu bringen», betont Olivier Parvex. Auch in Bezug auf die Liegenschaft seien noch keine Entscheide gefallen, möglich sei beispielsweise eine Vermietung an eine andere Garage. Erst danach mache man sich selbst Gedanken, in welchem Bereich man weiter aktiv sein will. Das Unternehmen gehe jetzt eben vor. In dieser Hinsicht nehmen die beiden ihre Verantwortung wahr.

