Vorbild mit viel Charme
06.02.2026 Wohlen, PorträtZum Hinschied von Alois Lütolf: Notar, Einwohnerratspräsident 1968 und 1969 sowie langjähriger Grossrat
Er war ein Politiker, wie man sich Volksvertreter wünscht. Alois Lütolf beobachtete genau, politisierte sachbezogen mit Würde, Respekt, ...
Zum Hinschied von Alois Lütolf: Notar, Einwohnerratspräsident 1968 und 1969 sowie langjähriger Grossrat
Er war ein Politiker, wie man sich Volksvertreter wünscht. Alois Lütolf beobachtete genau, politisierte sachbezogen mit Würde, Respekt, Anstand und manchmal auch mit Humor. Er war ein Mann der ersten Stunde des Einwohnerrates. Mit seinem Tod verliert Wohlen eine grosse Persönlichkeit.
Alois Lütolf setzte sich ein Leben lang für die Allgemeinheit und die Gesellschaft ein. Auch wenn er in den letzten Jahren politisch nicht mehr aktiv war, war er Beobachter und irgendwie auch Geniesser der Politszene in Wohlen und im Aargau. Seine Stimme wurde immer gerne gehört. Sie hatte auch Gewicht. So auch bei seinem letzten grösseren öffentlichen Auftritt. Das war vor zehn Jahren, als der Einwohnerrat sein 50-Jahr-Jubiläum feierte. Damals sprach Lütolf den lokalen Politgrössen ins Gewissen. Man solle doch stets sachbezogen politisieren, mahnte er. Ein gutes Klima im Rat sei viel wichtiger als Neid und Missgunst. Das alles lebte er auch vor. Sein ganzes Leben lang. Alois Lütolf, geboren am 10. Dezember 1933, ist am 29. Januar 2026 verstorben.
Beeindruckender Polit-Einstieg als 32-Jähriger
Alois Lütolf wurde etwas mehr als 92 Jahre alt. Sein Leben widmete er dem Sport, der Politik, der Familie, seinem Wohlen und seinem Beruf als Notar. Bis ins hohe Alter ging er in seinem geliebten Notariatsbüro an der Waltenschwilerstrasse ein und aus und betreute seine Kundschaft mit viel Sachverstand und Herzlichkeit.
In der Politik legte er einen glänzenden Start hin. Er machte sich als 32-Jähriger stark für die Einführung des Einwohnerrates. Dann solle er doch bitte schön auch kandidieren, wurde ihm aus dem Kreis der Unterstützer geraten. Das tat er. Und wie. Am 5. Dezember 1965, bei der ersten Wahl des Einwohnerrates, erzielte Alois Lütolf das beste Resultat aller 158 Kandidaten. Als Einziger übertraf er die Marke von 1000 Stimmen. Das war ein grosser und beeindruckender Vertrauensbeweis in so jungen Jahren.
Dieser Erfolg verpflichtete. Lütolf wurde zum ersten Vizepräsidenten des Dorfparlaments und dann zum Einwohnerratspräsidenten der Jahre 1968 und 1969 gewählt. Das sei genug der Ehre gewesen, sagte er bescheiden und schmunzelnd im vergangenen Sommer, als er für diese Zeitung auf die Gründungszeit des Einwohnerrates zurückblickte.
Zehnkämpfer und Schweizer Meister
Alois Lütolf politisierte für die CSP, heute Die Mitte. Zwei Amtsperioden blieb er im Einwohnerrat. Dies war zugleich das Sprungbrett für die kantonale Politik. Auf Anhieb wurde er in den Grossen Rat gewählt. Dort war er während 20 Jahren – vom 1. April 1969 bis 31. März 1989 – eine verlässliche, engagierte und solide Kraft. Er wirkte in mehreren Kommissionen mit – das war selbstverständlich für ihn. Das sei eine Zeit gewesen, wo im Grossen Rat mehr gearbeitet und weniger diskutiert wurde, erwähnte er jeweils. Auch bei dieser Feststellung konnte er sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Er selber stellte sich als Politiker nie in den Vordergrund. Bescheidenheit und Zielstrebigkeit waren ihm stets wichtiger. Früher habe man sich in der Politik eben nicht ganz so wichtig genommen, fügte er jeweils an.
Ehrenamtliche Tätigkeiten waren für Alois Lütolf eine Selbstverständlichkeit. Sein Engagement für den sozialen Wohnungsbau in Wohlen verdient Erwähnung. Wie auch die Mitwirkung in verschiedenen Organisationskomitees, wo er teilweise auch als Präsident tätig war. Beim kantonalen Musikfest im Jahr 1968 in Wohlen war er beispielsweise in führender Position. Und er war auch Gründungsmitglied des Chappelehofs.
Nach seiner Politkarriere wandte sich der Familienvater wieder dem Sport zu. Denn dort fühlte er sich schon als junger Mann zu Hause. Als Zehnkämpfer gewann er regelmässig Kränze an Turnfesten. Und 1953 wurde er Schweizer Meister der Junioren im Diskuswerfen. Der Turnverein war ihm in jungen Jahren fast so wichtig wie die Politik.
Entertainer mit Charakterstärke
Der ehemalige Leichtathlet wechselte dann zum Fussball. Als Mitbegründer der Donatorenvereinigung des FC Wohlen präsidierte er diese gleich zwölf Jahre lang. Dabei nutzte er seine guten Beziehungen weitherum – damit es dem FC Wohlen eben gut ging. Die Donatorenvereinigung wurde zur wichtigen Stütze des Vereins, dies gilt heute noch. Auch dank Alois Lütolf. Ein wertvolles Erbe. «Eigentlich bin ich als Donatoren-Präsident eher ein Entertainer», sagte er damals. Erneut sah er sich eben nicht im Mittelpunkt.
Also: Unterhaltungskünstler und ein bisschen Showmaster und Netzwerker bei den Donatoren, ein wahrer Gentleman in der Politik, ein feinfühliger Beobachter und hilfsbereiter Unterstützer für die Gesellschaft, ein leidenschaftlicher Notar. Alois Lütolf war eben so vieles – vor allem auch ein ganz feiner Mensch, einer mit Charme und Charakterstärke. Ihm hat man immer gerne zugehört, praktisch jede Begegnung war eindrücklich und voller positiver Ausstrahlung.
Noch im vergangenen Frühherbst nahm Alois Lütolf am traditionellen Treffen der ehemaligen Einwohnerratspräsidentinnen und Einwohnerratspräsidenten teil. Zur grossen Freude aller seiner Polit-Begleiter. Mit seinem Hinschied verliert Wohlen nicht nur eine grosse Persönlichkeit, sondern auch ein Vorbild, wie Politik grundsolid und authentisch vorgelebt werden kann. Der Trauerfamilie gehört unser Mitgefühl. --dm
Die Abdankungsfeier findet am Samstag, 28. Februar, 14 Uhr, in der katholischen Pfarrkirche statt.


