Viele Abfälle im Grüngut
17.04.2026 Berikon, MutschellenVerunreinigtes Grüngut
Kompostieranlage kämpft mit Problem
Eigentlich ist es ganz einfach: In die Grüngutentsorgung gehört nur verrottbares Material. Trotzdem gibt es immer noch Personen, die sich nicht daran halten. Die ...
Verunreinigtes Grüngut
Kompostieranlage kämpft mit Problem
Eigentlich ist es ganz einfach: In die Grüngutentsorgung gehört nur verrottbares Material. Trotzdem gibt es immer noch Personen, die sich nicht daran halten. Die Verantwortlichen der Kompostieranlage Gunzenbühl in Berikon haben verschiedene Massnahmen umgesetzt – mit gewissem Erfolg. Als Letztes bleibt noch die Sensibilisierung der Bevölkerung. --rwi
Kompostieranlage Gunzenbühl erhält trotz Gegenmassnahmen immer noch viele Fremdstoffe
Vor einigen Jahren entwickelte die Kompostieranlage Gunzenbühl einen Aufkleber für Grüngut-Container. Auf diesen steht klar geschrieben, was ins Grüngut kommt und was nicht. Diese und weitere Massnahmen nützen etwas. Das Problem mit Fremdstoffen im Grüngut besteht aber weiterhin.
Roger Wetli
Ein Blick in der Kompostieranlage zeigt das Ausmass der Fremdstoffe im Grüngut: Da liegt eine Gurke noch in ihrer Plastikverpackung, dort wurde eine Palme samt Kunststofftopf entsorgt. Daneben liegt ein ausgehöhlter kleiner geschnittener Baumstamm, dessen Kern als Blumentopf ausgebohrt und mit Plastik verkleidet wurde. In einem eigentlich kompostierbaren Sack befinden sich Kaffeekapseln aus Aluminium. «Die kompostierbaren Säcke wären eigentlich sehr nützlich, da man mit ihnen regelmässig seine Haushaltsgrünabfälle in grösseren Containern entsorgen kann», zuckt Thomas Stutz die Schultern. «Leider aber werden diese Säcke immer wieder zur versteckten Entsorgung von Hausabfällen missbraucht. Diese erscheint dann vermeintlich kostenlos. Diese Unsitte gibt es leider generell bei der Grüngutentsorgung.»
Treibt Entsorgungskosten in die Höhe
Stutz leitet die Kompostieranlage Gunzenbühl als Inhaber der betreibenden Firma Greenworks GmbH. Er mutmasst: «Ich denke, die Leute möchten Abfallgebühren sparen, indem sie Hauskehricht ins Grüngut schmuggeln. Dabei belastet ein Hauskehrichtsack das Haushaltsbudget nicht einmal gross im Vergleich zu allen anderen Kosten des täglichen Lebens.»
Stutz bedauert, dass die Verunreiniger mit ihrem Tun den Aufwand und damit die Kosten der Grüngutverwertung massiv in die Höhe treiben – und damit auch die Entsorgungsgebühren. «Die Fremdstoffe müssen wir mühsam von Hand und mit grossem technischem Aufwand herausbekommen, damit diese nicht in die Gärten und ins Kulturland gelangen.» Bei der mechanischen Aussiebung bleiben neben dem Plastik und anderen Fremdstoffen auch Holzstücke und gröbere organische Fraktionen hängen. «Wir haben versucht, ob wir diese ebenfalls noch aussortieren können. Leider geht das nicht, weil dann am Schluss noch mehr kleine Fremdstoffpartikel im Kompost landen.» Deshalb würden diese zusammen mit den Fremdstoffen in die Kehrichtverbrennungsanlage gelangen. «Das ist schade, könnten wir doch sonst auch die gröberen Pflanzenteile kompostieren» und als organische Substanz zum Humusaufbau in den Kreislauf zurückbringen,» bedauert Thomas Stutz.
Massnahmen wirken
In Berikon reagierte man schon früh auf diese Problematik. Vor einigen Jahren entstand darum ein Aufkleber, der auf Grüngutcontainern angebracht werden kann. Dieser weist auf eine gut verständliche, visuelle Art darauf hin, was im Grüngut entsorgt werden darf und was nicht. Der Kleber kann auf der Bauverwaltung in Berikon bezogen werden. «Das wird im weiten Umkreis gemacht», freut sich Thomas Stutz. Er erklärt, dass dank dieser Massnahme deutlich weniger Fremdstoffe in die Kompostieranlage Gunzenbühl gelangen. «Das Problem ist aber immer noch gross – aber nicht mehr so riesig wie früher.»
Einen weiteren Rückgang bewirkte das Verbot von kompostierbaren Säcken in den Mutscheller Gemeinden. Das war vor zirka drei Jahren. «Die Verursacher könnten beim Verstecken von Plastikabfällen jetzt zwar Plastiksäcke nutzen. Das tun sie aber zum Glück nicht.» Der Augenschein im Gunzenbühl zeigt allerdings, dass sich nicht alle an das Verbot halten. «Ist das Grüngut einmal aufgeladen, kann man die Verursacher nicht mehr ausfindig machen», weiss Thomas Stutz.
Er wirkt seit vielen Jahren im Dachverband «KompostForum Schweiz» mit. In dieser Funktion nahm er Kontakt auf mit der Abteilung Umwelt des Kantons Aargau und dem Bundesamt für Umwelt (BAFU). «Ich schlug vor, ein schweizweit flächendeckendes Composack-Verbot einzuführen.» Er erhielt die Rückmeldung, dass jede Gemeinde und jeder Verarbeitungsbetrieb selbst aktiv werden müsse. «Für mich ist das unverständlich.»
Aussortierung beim Aufladen nicht möglich
Verschiedene Kränzchen bindet er den Werkhöfen und Gärtnern, welche praktisch nur reines Grüngut anliefern. Aber auch die Belader der Grüngut-Wagen in den Quartieren würden gut in die Container schauen, bevor sie diese leeren. «Sind Fremdstoffe sichtbar, lassen sie diese Container ungeleert stehen», schätzt das Thomas Stutz sehr. Ihnen klare Anweisungen zu geben, ist ebenfalls ein Schlüsselfaktor im Kampf gegen Verunreinigungen im Grüngut «Leider haben wir dadurch aber immer noch das Problem der versteckten Fremdstoffe. Gegen diese können wir eigentlich nichts machen.»
Ein Vorfiltern beim Einsammeln sei technisch fast nicht möglich und würde zudem zu lange dauern. «Das Einzige, was uns deshalb noch bleibt, ist die Sensibilisierung der Bevölkerung mit dem Appell, dass ins Grüngut wirklich nur verrottbare Abfälle gehören.»
Auch anderes sorgt für Staunen
Zu diesen gehört auch Brot. Aber auch da wird für Thomas Stutz ein gesellschaftliches Problem ersichtlich: «Ich staune immer wieder, wie viel Brot im Grüngut entsorgt wird. Oft sind es ganze Laibe. Geht es uns vielleicht zu gut?», fragt er sich – und zieht währenddessen bereits das nächste Plastikstück aus einer neuen Güngut-Anlieferung heraus.
Grüngut aus acht Gemeinden
In der Kompostieranlage Gunzenbühl in Berikon wird das Grüngut der Haushalte von Berikon, Oberwil-Lieli, Rudolfstetten-Friedlisberg, Widen, Oberlunkhofen, Islisberg, Aesch ZH und Birmensdorf gesammelt und zu hochwertigem Kompost verarbeitet. Genutzt wird dieser vor allem durch Landwirte, aber auch von Privaten. Neben der Sammlung aus Privatgärten deponieren im Gunzenbühl auch die Werkhöfe der Gemeinden und viele Gartenbauer aus der Umgebung ihr Grüngut. Pro Jahr werden rund 5000 Tonnen verarbeitet. --rwi


