Verdiente Ehrung
16.04.2024 WohlenDie Herb Miller Jazz Band feierte ihre «Goldene Hochzeit» in der Rösslimatte in Wohlen
Am 23. Februar 1974 trat die von Herb Müller gegründete Band am damaligen Sportball im Casino Wohlen das erste Mal vor Publikum auf. Am vergangenen Freitagabend ...
Die Herb Miller Jazz Band feierte ihre «Goldene Hochzeit» in der Rösslimatte in Wohlen
Am 23. Februar 1974 trat die von Herb Müller gegründete Band am damaligen Sportball im Casino Wohlen das erste Mal vor Publikum auf. Am vergangenen Freitagabend durfte sie für ihr 50-Jahr-Jubiläum eine goldene Erinnerungsmedaille in Empfang nehmen.
Walter Minder
Schon die Tatsache, dass der Parkplatz bis auf den letzten Platz belegt war, liess vermuten, dass auch in der Rösslimatte keine Abendkasse notwendig ist. Bereits beim vom Circolo Acli zubereiteten Nachtessen mit Bruschette oder Spaghetti herrschte in der mit rund 120 Gästen bis auf den letzten Platz besetzten Rösslimatte eine fröhlich-laute Stimmung. Aus den intensiven Tischgesprächen war rasch herauszuhören, dass die Band in Wohlen und in der ganzen Region eine grosse Fangemeinde hat, die auch nach einem zweistündigen Konzert noch Hunger auf Zugaben hat.
284 Jahre Banderfahrung
Dann gehörte die kleine Bühne der grossen Wohler Jazz-Band. Den Auftakt eines musikalischen Programms mit 17 bekannten und weniger bekannten Stücken machte sie mit «At the Jazz Band Ball» von Bix Beiderbecke, entstanden in den späten 1920er-Jahren. Und sofort stieg das Stimmungsbarometer in der Rösslimatte auf für Schweizer eher ungewohnte Höhen, jedes noch so kurze Solo der Profis der Herb Miller Jazz Band wurde begeistert beklatscht. Und nicht wenige dürften gedacht haben: «Gut, haben sie die 2007 beschlossene Auflösung der Band 2012 rückgängig gemacht und ihre Instrumente wieder aus dem Keller geholt.»
In seiner Begrüssung stellte Herb Müller die einzelnen Bandmitglieder humorvoll und garniert mit der Anzahl gemeinsamer Musikerjahre vor: Rolf Eichenberger, seit 50 Jahren am Bass, Heinz Gysin, seit 50 Jahren mit Banjo und Gitarre dabei, Daniel Hofmann, seit 50 Jahren Taktgeber am Schlagzeug, Ruedi von Arx, seit 49 Jahren als Multitalent für Klarinette, Tenor- und Sopransaxofon sowie Flöte im Einsatz, Markus Hächler, seit 28 Jahren mit seiner Trompete die führende Stimme der Band sowie Rolf Treichler, begnadeter Posaunist und seit 7 Jahren fest bei der Herb Miller Jazz Band dabei.
Besuch in New Orleans und Soli für alle
Dann war von Arx an der Reihe, der mit klaren Worten zum Ausdruck brachte, dass Herb Müller als Bandgründer und Bandleader auch menschlich und kameradschaftlich die Motivation dafür ist, «dass wir heute das 50-Jahr-Jubiläum und 284 Jahre Banderfahrung feiern können».
Die nächsten beiden Stücke entstanden in den Strassen von New Orleans und wurden aus dem Handgelenk gespielt: «Bourbon Street Parade» und «Basin Street Blues». Weltbekannte Jazz-Volksmusik, garniert mit Soli von Gysin und Treichler und den tragenden Stimmen von Müller und Hächler. Tempostark, harmonisch – ein musikalisches Dessert nach dem anderen folgte und entführte das Publikum in die frühen Jahre des letzten Jahrhunderts.
Wie im Werbeflyer versprochen, erlebte es einen Genussabend für alle Sinne in einer entspannten, gemütlichen Atmosphäre. Von trotz 50 Jahren jung gebliebenen Musikern wurde das Publikum auf eine abwechslungsreiche Reise durch den traditionellen Jazz und Dixie mitgenommen, auf der mit dem Stück «Doozy» von Benny Carter, vom Klarinettisten von Arx auf die Band umgeschrieben, auch eine Premiere nicht fehlte. Um auch die «Backline» etwas ins Rampenlicht zu stellen, folgten dann mit «St. Andrew’s Walk» und «For Sonny Rollins» zwei Werke, die zuerst Gysin mit dem Banjo und dann Eichenberger als Bassisten in den Vordergrund stellten.
Ganz viele Highlights
Im Gespräch mit Herb Müller erfährt man, dass es neben der Kairo-Woche mit der FHBB im noblen Nile Hilton Hotel und Auftritten im exklusiven Pyramids-Club auch viele andere unvergessliche Konzerte in der schweizerischen Jazzszene gegeben hat. «Ich denke da unter anderem ans Dixie-Festival im Zürcher Albisgüetli, wo wir das Vorprogramm von Chris Barber bestreiten durften». Aber auch die vielen selber organisierten Anlässe inklusive den beiden Abschiedskonzerte 2007 im Casino Wohlen vor begeistertem Publikum seien für ihn unvergessliche Erlebnisse. «Und toll finde ich, dass sich das Sprichwort vom «Prophet im eigenen Land» bei uns in keiner Art und Weise bestätigt hat und wir sogar den Kulturpreis in Empfang nehmen durften».
Und wie geht es weiter? «Solange uns die Freude an der Musik erhalten bleibt und auch die Gesundheit mitmacht, solange werden wir weiterhin zu hören sein. Der nächste Auftritt findet an der ibw Jazz-Night in Wohlen statt und im November ist wieder ein Konzert in der Rösslimatte geplant» - ein erfreulicher Blick in die Zukunft also.