Unter Druck schaltet die Logik aus
08.05.2026 Kelleramt, Unterlunkhofen, PolizeimeldungenVor Betrug schützen
Betrugsmaschen wie Schockanrufe und Enkeltrick werden immer raffinierter, aber auch Liebes- und Anlagebetrüger sind auf dem Vormarsch. Auf Einladung der Kulturkommission hat Präventionsexperte Georg Gartmann von der Repol Bremgarten in ...
Vor Betrug schützen
Betrugsmaschen wie Schockanrufe und Enkeltrick werden immer raffinierter, aber auch Liebes- und Anlagebetrüger sind auf dem Vormarsch. Auf Einladung der Kulturkommission hat Präventionsexperte Georg Gartmann von der Repol Bremgarten in Unterlunkhofen referiert. In der abschliessenden Fragerunde wurde klar, dass manche Person aus dem Publikum selbst schon Opfer von Betrugsversuchen wurde. --tst
Am Infoanlass zum Thema Betrug ging es in Unterlunkhofen um gefährliche Maschen und um Abwehrstrategien
«Garantien kann ich keine bieten, aber auf Gefahren sensibilisieren.» Genau das hat Georg Gartmann an seinem Referat in Unterlunkhofen getan. Ebenso unterhaltsam wie informativ – und mit spürbarem Herzblut für die Bevölkerung.
Thomas Stöckli
Erfreut nimmt Georg Gartmann zur Kenntnis, wie vor seinem Referat noch zusätzliche Stühle herangeschleppt werden. «Das ist gut für die Präventionswirkung», sagt er. «Noch besser ist es, wenn jeder in seinem Bekanntenkreis weitererzählt, was er gehört hat.» Als Fachverantwortlicher Verkehrsinstruktion und Prävention bei der Regionalpolizei (Repol) Bremgarten kennt der Referent den Wert von Aufklärungsarbeit. Deshalb ist es ihm auch ein persönliches Anliegen, diese von der bisherigen Kerngruppe Jugend auf das ganze Altersspektrum auszuweiten.
Emotionale Masche
Wenn es um Betrugsmaschen wie Schockanrufe geht, sind die Opfer meist schon in fortgeschrittenem Alter. Doch Jugend schützt nicht vor Schaden, wenn es um Cyberkriminalität generell oder insbesondere um Romance Scam geht, also die Vorspielung von falschen Gefühlen. Dabei gaukeln die Betrüger Nähe vor: «Sie bauen Vertrauen auf», so Gartmann, «eventuell über Monate», schiebt er nach. «Das ist eine wirklich fiese Masche, weil sie voll auf die emotionale Ebene geht.»
Bei der Fragerunde im Saal wird schnell klar: Viele waren selbst schon Opfer von Betrugsversuchen oder kennen zumindest jemanden, dem das schon passiert ist. «Betrug ist ein sehr häufiges Delikt», bestätigt Gartmann, «auch in unserem Bezirk.» Seine anonymisierten Fallbeispiele bestätigen das. Konkret seien seit Anfang Jahr im Bezirk Bremgarten bereits 60 Betrugsversuche angezeigt worden. Die Dunkelziffer dürfte um Faktor zehn höher liegen, denn: «Die Betroffenen schämen sich und darum melden sich die meisten gar nicht bei der Polizei», so der Referent.
Zu gut, um wahr zu sein
«Am meisten Schaden verursacht im Moment Investitionsbetrug», sagt Gartmann. Auf den ganzen Kanton Aargau gerechnet ist die Rede von einem jährlichen Schaden von 20 Millionen Franken. «Dunkelziffer mal zehn», ruft er in Erinnerung. Ein einziger Fall im Bezirk aus dem April diesen Jahres schlägt mit 130 000 Franken zu Buche.
«Eine hohe Rendite gibt es nur mit hohem Risiko», gibt der Referent seinem Publikum einen wichtigen Grundsatz mit. «Was zu gut tönt, um wahr zu sein, ist meistens auch nicht wahr», hält er fest. Erfahrungsgemäss gilt jedoch: «Gier frisst Hirn.» Entsprechend müsse man sich vor jeder Investition fragen, wie viel Geld man zu verlieren bereit ist. Zudem führt die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) eine «Warnliste» (www.finma.ch/de/ finma-public/warnungen/warnliste/) mit potenziell unseriösen Akteuren. Dieses öffentliche Verzeichnis von Unternehmen und Personen, die ohne die erforderliche Bewilligung Finanzdienstleistungen in der Schweiz anbieten, dient explizit dem Schutz von Anlegern, wobei nicht ausgeschlossen sei, dass Unternehmen bewilligungspflichtige Tätigkeiten ohne die erforderliche Bewilligung ausüben, die (noch) nicht in der Warnliste aufgeführt seien, relativiert die Finma selbst.
Gesunde Portion Skepsis
Weitere praktische Tipps folgen. Etwa, dass man niemals jemandem Fernzugriff auf seinen Computer oder sein Smartphone gewähren und Passwörter sowie Login-Daten sicher aufbewahren solle. Telefonnummern lassen sich fälschen, Webseiten täuschend echt nachbauen. Bei E-Mails und Webseiten gelte es deshalb, die Adresse respektive den Absender immer genau zu prüfen. Kleine «Schreibfehler» können hier als Warnsignal dienen. Weiter solle man immer schriftliche Unterlagen verlangen und nichts am Telefon oder an der Haustür entscheiden.
«Ihre Tochter sitzt im Ausland im Gefängnis», «Ihr Enkel hatte einen schweren Unfall» oder «Ein Räuber ist in Ihrem Quartier unterwegs» – bei einer solchen Schocknachicht, verbunden mit einer dringenden Geldforderung oder «Sicherstellung» von Wertsachen, steckt sicher ein Betrug dahinter: «Die Polizei, die Staatsanwaltschaft oder ein Geldinstitut fordern niemals Geld von Ihnen», so der Polizist.
Vorsicht ist auch bei der Kombination Liebe und Geld angebracht – sowie grundsätzlich dann, wenn Druck aufgebaut wird. Denn das vereint die verschiedenen Betrugsmaschen: Sie bauen einen Druck auf, sei es emotional, existenziell oder finanziell. Erfahrungsgemäss schaltet unter solchem Druck die Logik aus. «Nehmen Sie sich Zeit, atmen Sie durch, fragen Sie nach, holen Sie Hilfe», rät der Referent deshalb. Und: «Im Zweifelsfall lieber einmal zu viel die Polizei informieren.»

