Unbestechliche Kraft der Exzellenz
21.04.2026 Muri, Musik, Kultur«The Muri Competition»: Die Sieger am Fagott und an der Oboe stehen fest
Vom 9. bis 19. April verwandelte sich das Kloster bereits zum fünften Mal in eine Arena für musikalischen Hochleistungssport, der klassische Tradition mit moderner ...
«The Muri Competition»: Die Sieger am Fagott und an der Oboe stehen fest
Vom 9. bis 19. April verwandelte sich das Kloster bereits zum fünften Mal in eine Arena für musikalischen Hochleistungssport, der klassische Tradition mit moderner Virtuosität verband. Am Sonntag fiel die Entscheidung: In einem hochdramatischen Finale kämpften die sechs Finalisten um den entscheidenden Karrieresprung auf die internationale Bühne.
Der Festsaal bot am Sonntag eine Kulisse, die dem Anlass mehr als angemessen war. Unter den schweren Kronleuchtern des prunkvollen, bis auf den letzten Platz besetzten Raums herrschte eine Atmosphäre, die sich als eine Mischung aus erwartungsvoller Vorfreude und messerscharfer Anspannung beschreiben lässt. Das Publikum, in eleganter Garderobe erschienen, spiegelte die Internationalität des Ereignisses wider: In den Reihen mischten sich Englisch und Französisch mit Deutsch, während eine 14-köpfige internationale Fachjury nicht etwa isoliert auf einem Podest, sondern mitten unter den Gästen Platz nahm. Diese Nähe zwischen Experten und Publikum ist bezeichnend für den Charakter der Veranstaltung.
Globales Festival
Renato Bizzotto, Artistic Director des Wettbewerbs, begrüsste die Anwesenden mit einem herzlichen «Ladies and Gentlemen from all around the world». Er betonte, dass The Muri Competition weit mehr sei als ein reiner Leistungsvergleich – es sei ein Festival der Musik. «Der Weg ist das Ziel, und Gewinner geben nie auf.» Ein Satz, der das Durchhaltevermögen der jungen Talente ehrt, von denen fast alle bis zum Schluss in Muri geblieben sind, um den Weg ihrer Mitstreiter und neu gewonnenen Freunde bis ins Finale zu verfolgen.
Für Muri ist das Ereignis mit Teilnehmenden aus 27 Ländern und fünf Kontinenten ein globaler Botschafter. Getreu dem Motto «Musik verbindet» ist die Veranstaltung ein Ort der Begegnung, an dem inspirierende Netzwerke und Beziehungen fürs Leben zwischen Profis, Sponsoren und Juroren entstehen.
Höchstleistung und musikalische Vielfalt
Das Finale gliederte sich in zwei hochkarätige Teile, durch die Andreas Müller-Crepon mit Souveränität führte. Den Auftakt machten die Oboisten Pedro Moreira, Fedor Osver und Varvara Petrova mit Mozarts Oboenkonzert in C-Dur KV 314. Nach einer Pause folgte der zweite Teil der Solisten Arsène Brucker, Augusto Velio Palumbo und Lili Szutor mit dem Fagottkonzert in F-Dur op.75 von Carl Maria von Weber. Gespielt wurde ausnahmslos auswendig – eine Leistung, die höchste Konzentration erforderte. Begleitet wurden die Solisten von argovia philharmonic unter der Leitung von Georg Köhler.
Die Darbietungen glichen einem musikalischen Hochleistungssport. In der Wärme des Saals waren Schweisstropfen auf der Stirn der Solisten zu sehen – ein Zeugnis der physischen Belastung und der psychischen Anspannung. Spannend war es zu erleben, wie verschieden die Stücke von den Finalisten interpretiert wurden: Von ruhig und lyrisch bis hin zu lebendig, fast rockig-virtuos. Besonders Fedor Osver provozierte Diskussionen, indem er auf seiner Oboe Töne erzeugte, die zu Mozarts Lebzeiten technisch gar nicht möglich gewesen wären. Im Publikum schieden sich die Geister, ob die Jury diese moderne, fast experimentelle Herangehensweise gutheissen würde.
Preisgekrönte Virtuosität und persönlicher Gewinn
Am Ende des Tages stand die Entscheidung fest: Die Erstplatzierten – Oboist Fedor Osver (22, Russland) und Fagottist Augusto Velio Palumbo (23, Italien) – erhielten nicht nur ein Preisgeld von je 15 000 Franken, sondern sicherten sich damit auch internationale Anerkennung. Die 26-jährige Ungarin Lili Szutor, Drittplatzierte im Fach Fagott, konnte zudem den begehrten Publikumspreis sowie die Zusage für ein Solokonzert in Muri für sich verbuchen. Obwohl es für den lokalen Musiker Leonardo Bizzotto nicht für das Finale gereicht hatte, blieb der Eindruck einer Veranstaltung, die keine Verlierer kennt. Gewonnen haben alle Teilnehmer – an Erfahrung, an Eindrücken und an der Gewissheit, nun ein fester Teil dieser internationalen Gemeinschaft zu sein.
--sca


