Hans Melliger, Sarmenstorf.
Gestatten Sie kurz eine kleine Frage? Danke. Wie sind Sie zu dieser Kolumne gelangt? Das ist nicht einfach banal gefragt, sondern hat mit der Gewohnheit des Zeitunglesens zu tun. Nicht alle lesen diese Zeitung ...
Hans Melliger, Sarmenstorf.
Gestatten Sie kurz eine kleine Frage? Danke. Wie sind Sie zu dieser Kolumne gelangt? Das ist nicht einfach banal gefragt, sondern hat mit der Gewohnheit des Zeitunglesens zu tun. Nicht alle lesen diese Zeitung nämlich von vorne nach hinten. Nein, es gibt nicht Wenige, die fangen auch beim WA hinten an. Da kommt die Frontseite am Schluss. Als Zusammenfassung des Gelesenen, quasi. Mich freut es natürlich, wenn ich zuerst gelesen werde. Dann ist die Leserschaft noch frisch und aufnahmefähiger, hoffe ich, dafür umso ungeduldiger beim Dranbleiben, fürchte ich. Ja, ich weiss, ob Anfang oder Schluss: Vieles wird ja sowieso nicht oder vor allem nicht ganz gelesen. Seien es Bücher, Zeitschriften und gerade bei Zeitungen ist die Gefahr gross, bei plätschernden ruhigen Textstellen abzuschweifen, zu blättern oder auf der gleichen Seite eine vermeintlich attraktivere Stelle zu suchen. Herausgehobene Zitate und fetzige Titel sollen die Leserschaft wieder auf Kurs bringen. Ich merke gerade, wie Sie schon auf den Schluss dieser Kolumne schielen, darum hier das bekannte Zitat von Karl Valentin, um Sie wieder zu fokussieren: «Es ist doch erstaunlich, dass jeden Tag genau so viel passiert, wie in eine Zeitung passt.» Womit wir bei den angebotenen Inhalten wären. Ob Sport, Kultur oder Politik – Hauptsache regional und mit vollständigen Todesanzeigen. Was kümmert uns das Weltgeschehen – wenn etwas über unseren Verein in der Zeitung steht. Und selbst wenn es stimmt, dass sich der «Mensch durch Auseinandersetzung veredelt», lesen wir am allerliebsten das, was immer schon unsere Meinung bestätigt. So sind wir halt.
Es ist aber hinten und vorne nicht wahr, dass ich Sie und mich irgendwie dafür tadeln oder zu etwas Anderem korrigieren wollte. Ich freue mich für Sie, dass Sie noch Zeitung lesen, und vor allem, dass Sie bei mir vorbeigekommen und bis hierher geblieben sind. Und noch etwas: Bei uns zu Hause gibt es zusätzlich grössere Diskussionen. Nicht um Artikel, die in der Zeitung stehen, sondern um meine Art des sorglosen Faltens und Zerknitterns einer gelesenen Zeitung. Selbst fürs Altpapier soll diese Zeitung noch einen edlen Falz und eine schöne, glattgestrichene Gestalt haben. Versprochen: Ich arbeite daran. Machen Sie’s besser.