Türen stehen ganz weit offen
16.06.2026 Kelleramt, Kirche, MusikDer Kirchenchor Lunkhofen feiert im Herbst das 230-jährige Bestehen mit einer Messe von Rossini
Die «Petite Messe solennelle» von Gioachino Rossini. Mit diesem Werk feiert der Kirchenchor Lunkhofen seinen grossen Geburtstag. Dirigent Philipp Scherer und die ...
Der Kirchenchor Lunkhofen feiert im Herbst das 230-jährige Bestehen mit einer Messe von Rossini
Die «Petite Messe solennelle» von Gioachino Rossini. Mit diesem Werk feiert der Kirchenchor Lunkhofen seinen grossen Geburtstag. Dirigent Philipp Scherer und die beiden langjährigen Sängerinnen Anny Hagenbuch und Adelheid Zehnder erzählen vom Verein und von seiner Entwicklung.
Annemarie Keusch
Es ist ihm sofort aufgefallen. 2019, als Philipp Scherer Dirigent des Kirchenchors Lunkhofen wurde. «Ich sah das Gründungsjahr und freute mich schon darauf, bald das grosse Jubiläum zu feiern», sagt er. 225 Jahre – so war es 2021 geplant. Aber die Pandemie und die darauffolgende Planungsunsicherheit kamen dazwischen. «Jetzt holen wir das nach», sagt Scherer. Nur schlecht sei die Verschiebung dabei nicht. «Wir konnten uns in den letzten Jahren ein kleines Finanzpolster anlegen, um uns und unserer Zuhörerschaft im Herbst nun etwas wirklich Grosses zu gönnen: die ‹Petite Messe solennelle› von Gioachino Rossini. Das war mein grosser Wunsch. Weil Rossini ähnlich alt ist wie der 1796 gegründete Kirchenchor.»
Mit diesem Werk fordert sich der Kirchenchor, wie er es immer wieder tut. «Die Leute hier sind sehr offen», sagt Philipp Scherer. Er leitete auch andere Chöre. «Hier im Kelleramt sprudelts förmlich, und ich renne mit meinen Ideen immer offene Türen ein.» Adelheid Zehnder und Anny Hagenbuch nicken. Beide singen seit über 60 Jahren im Chor. «Wir haben mit der Rossini-Messe erst angefangen, aber das Kyrie ist wunderschön», schwärmt Anny Hagenbuch. Aber es gebe auch Knackpunkte. «Das schaffen wir schon, ich kenne die Lernkurve meines Chors», meint Philipp Scherer und lacht.
Früher war die Abwechslung kleiner
230 Jahre Kirchenchor. Eine lange Zeit. In die Anfänge zurückzugehen, ist unmöglich. Die letzten gut 60 Jahre haben Adelheid Zehnder aus Arni und Anny Hagenbuch aus Oberlunkhofen indes miterlebt. «Ich bin dabei, seit ich 15 Jahre alt bin», sagt Anny Hagenbuch. Vorher sang sie im Kinderkirchenchor ihres Lehrers. «Die Auswahl an Vereinen war nicht gross.» Ähnlich formuliert es Adelheid Zehnder. «Es gab sonst kaum Möglichkeiten, abends etwas zu unternehmen und teilweise erst um Mitternacht zu Hause zu sein.» Im Kirchenchor habe sich in den letzten Jahrzehnten so manches verändert. «Das Repertoire zum Beispiel. Früher sangen wir oft ganz ähnliche Messen. Heute sind die Herausforderung und die Abwechslung grösser», sagt Adelheid Zehnder. Und früher wurde der Chor ausschliesslich an der Orgel begleitet. Heute begleiten Solisten die Sängerinnen und Sänger. Auch zum Jubiläum treten vier Solistinnen und Solisten mit ihnen auf. «Das hilft allen», sagt Philipp Scherer.
Was hingegen in den letzten Jahrzehnten ziemlich konstant blieb, ist die Zahl der Mitglieder. 32 aktive Sängerinnen und Sänger sind es aktuell. «Unserem Chor geht es grundsätzlich gut», sagt Philipp Scherer. Immer wieder kommen neue Mitglieder dazu, unter anderem auch jüngere Sängerinnen und Sänger. Die Liebe zum Singen verbindet sie alle. Und die Ambitionen, auch anspruchsvollere Chorwerke zu stemmen. «Vor allem aber macht unser Chor das Miteinander aus.» Das betonen der Dirigent und die beiden langjährigen Sängerinnen gleichermassen. Verschiedene Generationen, die miteinander singen, miteinander das Vereinsleben und nach der Probe im Pfarrsäli das Beisammensein geniessen.
Möglichst Kinder schon begeistern
Der Kirchenchor Lunkhofen ist aktiv. Muss er auch, etwa um neue Mitglieder zu begeistern. Obwohl die Zahl der Mitglieder konstant ist, ihr Altersdurchschnitt wird höher. Den Kinderkirchenchor gibt es längst nicht mehr. «Ich habe schon darüber nachgedacht, vielleicht wieder einen solchen zu gründen», sagt Philipp Scherer. Er unterrichtet an einer Musikschule, führt zwei Kinderchöre. «Es ist enorm wichtig, dass die Kinder früh Lunte riechen. Vielleicht erinnern sie sich dann als Erwachsene daran und treten wieder einem Chor bei.»
Scherer kam übrigens 2019 eher zufällig zum Kirchenchor Kelleramt. Der ausgebildete Sänger lebte damals in Aristau und wurde vom Chor als Solist engagiert. «Ich hatte anfangs nicht wirklich viel Ahnung vom Dirigieren.
Aber ich durfte ausprobieren und daran wachsen. Ein schönes Zeichen, dass ein Chor das zulässt.» Entsprechend war für ihn klar, dass er bleibt, obwohl Scherer mittlerweile im Kanton Solothurn lebt.
Verein erst seit dem 20. Jahrhundert
Einmal pro Woche treffen sich die Sängerinnen und Sänger zur Probe. Immer wieder wagen sie sich an Neues. «Manchmal herrscht anfangs auch Skepsis», gibt Anny Hagenbuch zu. Wie Adelheid Zehnder singt sie seit jeher im Sopran. «Die hohen Töne werden nicht einfacher, aber solange es geht, möchte ich nicht wechseln», sagt Anny Hagenbuch. Begeistern für neue Werke, das habe Philipp Scherer immer geschafft. Auch bei der aktuellen Rossini-Messe.
Gesangsgruppe, um Gottesdienste zu verschönern. 1796, als der Kirchenchor Lunkhofen erstmals urkundlich erwähnt wurde, war dies der Zweck. «Eine Vereinsstruktur herrscht übrigens erst seit dem 20. Jahrhundert. Vorher leitete der Lehrer den Chor», sagt Philipp Scherer. Anny Hagenbuch als Kassierin und Adelheid Zehnder als Aktuarin – beide engagierten sich in der Vergangenheit im Vorstand. «Das gehörte einfach dazu.» Das grosse Jubiläum mitfeiern zu können, darauf freuen sich die beiden langjährigen Sängerinnen. «Ich bin gespannt, wie es tönen wird.»
Ausschnitte aus der «Petite Messe solennelle» werden am 25. Oktober in Bremgarten und am 22. November in Oberlunkhofen in Gottesdiensten aufgeführt. Die ganze Messe singt der Chor am 28. November, 18 Uhr, in einem Konzert in der Pfarrkirche Oberlunkhofen.
Als Gastsänger dabei sein
Für das Jubiläumsprojekt sucht der Kirchenchor Lunkhofen weiterhin Gastsängerinnen und Gastsänger. Wer interessiert ist, sollte spätestens am 12. August bei den wöchentlichen Proben einsteigen. Gesucht sind Frauen und Männer, die Freude am Singen haben und ambitioniert sind, mit ihrer Gesangsleistung den Chor zu ergänzen. Interessierte nehmen mit dem Dirigenten Philipp Scherer Kontakt auf, E-Mail schererphilipp@gmx.ch, Tel. 076 220 50 61.

