Treffpunkt mit Nostalgiefaktor
09.06.2026 Region Oberfreiamt, Museum, Waltenschwil20 Jahre Ortsmuseum Waltenschwil: Geschichte eint auch in der Gegenwart
Mit einem Festakt am Samstag und einer Feier am Sonntag hat Waltenschwil die Gründung seines Ortsmuseums vor 20 Jahren zelebriert.
Thomas Stöckli
Es rattert, die Fadenspulen beginnen sich zu drehen und werden zu einem Schuhbändel gezwirbelt. Das geschieht allerdings gemächlich, mit einer Leistung von zwölf Metern pro Stunde.
Theo Hagenbuch, Pensionär und Sammler von historischen Maschinen, erklärt, was passiert, wenn ein Faden reisst: «Dann fällt das ‹Schiffli› runter und die Maschine stoppt.»
Stunden der Fronarbeit
Die Schuhbändelmaschine steht sinnbildlich dafür, wie es dem Ortsmuseum Waltenschwil gelingt, nicht nur alte Gegenstände auszustellen, sondern Interesse an Handwerk zu wecken, wie es früher gelebt wurde. Und das nun seit 20 Jahren. «Aus musealer Sicht ist das keine lange Zeit», ist sich Hubert Küng, Präsident der Museumskommission, bewusst: «Alle Gegenstände im Haus haben mehr Jahre auf dem Buckel.» Und doch seien die 20 Jahre ein Meilenstein, den man mit Stolz und Freude feiern dürfe. Die Fotoausstellung, die eigens aufs Jubiläum hin zusammengestellt wurde, erzählt die Geschichte dieser 20 Jahre, von der Gründung durch August Gauch, Alois Meier, Hansruedi Hirsbrunner, Rita Merten und Otto Steinmann, dem Umbau und der Vielfalt an Sonderausstellungen und Aktivitäten.
1994 setzte der Gemeinderat die Museumskommission ein. Die Sammeltätigkeit von August Gauch geht noch einiges weiter zurück. Mit dem Erwerb der Liegenschaft am Kirchweg 5 durch die Ortsbürgergemeinde entstand im Jahr 2005 dann endlich die Möglichkeit, diese Sammlung öffentlich zugänglich zu machen. Bereits im Jahr darauf wurde der Wohnteil der Liegenschaft als Museum eröffnet, die Scheune folgte dann nach und nach, «in unzähligen Stunden der Fronarbeit», würdigt Küng die Enthusiasten der ersten Stunde.
Erinnerung bewahren
Das Ortsmuseum dokumentiert den Wandel von Waltenschwil vom Bauern- zum Wohndorf. Dadurch, ebenso wie durch die fortschreitende Globalisierung und Digitalisierung, veränderte sich der Alltag dermassen, dass viele Gegenstände und Apparaturen ihren Verwendungszweck verloren. Hier setzte das Museum an, mit seinem Wunsch, wertvolle Zeitzeugnisse für kommende Generationen zu erhalten. Mit den Objekten ist es allerdings nicht getan, weiss Hubert Küng. Als Aufgabe der Museumskommission versteht er es, das Interesse am Museum zu wecken und Begegnungen zu ermöglichen. «Jeder Gegenstand erzählt eine Geschichte und diese Geschichten wollen wir lebendig erhalten», sagt er. Gemeindeammann Simon Zubler spricht am Festakt zum Jubiläum denn auch von einem «Ort, der die Erinnerung bewahrt», von einem «wichtigen Bestandteil der kulturellen Identität», fügt er an. «Das Ortsmuseum erinnert uns daran, wie unsere Vorfahren gelebt und gearbeitet haben. Wie sie unser Dorf geprägt haben.» Es habe sich darüber hinaus zum lebendigen Treffpunkt entwickelt, der Tradition und Gegenwart verbinde. «So feiern wir nun auch 20 Jahre gelebte Verbundenheit.»
Löschdienst an der Bünz
«Wer die Vergangenheit kennt, versteht die Gegenwart besser und kann die Zukunft bewusster gestalten», formuliert Zubler in Anlehnung an den ehemaligen Deutschen Bundeskanzler Helmut Kohl. «Möge das Ortsmuseum weiterhin Menschen zusammenbringen, Neugierde wecken und die Vergangenheit bewahren.»
Der Museumskommission stand zu deren Jubiläum auch der lokale Feuerwehrverein zur Seite. An der Bünz demonstrierten die Feuerwehr-Enthusiasten in historischen Uniformen an der Handdruckspritze von 1898, wie früher gelöscht wurde. Weiter trugen ein mechanisches Kettenkarussell und eine mobile Bürstenbinderwerkstatt zur Unterhaltung von Gross und Klein bei. Gemeinsam konnte man sich zudem auf eine Entdeckungstour begeben. Geschätzt wurde aber auch der gesellige Austausch, sei es drinnen in der Stube oder draussen beim Grill.



