Thomas Stöckli, Redaktor.
Neun Tage ist es nun her, dass in Nordamerika eine denkwürdige Fussballweltmeisterschaft mit dem 1:0-Erfolg von Spanien über Argentinien zu Ende ging. Auch wenn sich die Euphorie hierzulande nur ...
Thomas Stöckli, Redaktor.
Neun Tage ist es nun her, dass in Nordamerika eine denkwürdige Fussballweltmeisterschaft mit dem 1:0-Erfolg von Spanien über Argentinien zu Ende ging. Auch wenn sich die Euphorie hierzulande nur schleppend einstellen wollte, hat diese WM doch in verschiedener Hinsicht Neues gebracht. Ganz offensichtlich etwa die als «Trinkpause» getarnten Werbeunterbrechungen. Die oft geäusserten Befürchtungen, dadurch würde der Charakter des Spiels beeinträchtigt, haben sich nicht bestätigt. Im Gegenteil boten die «Hydration Breaks» den Trainern zwei zusätzliche Gelegenheiten, aufs Spiel Einfluss zu nehmen. In taktischer Hinsicht waren sie eine Bereicherung, wie sich in mehreren Spielen klar zeigte. Und auch fürs Publikum, konnte doch so die eine oder andere langweilige Pattsituation aufgelöst werden.
Im Zentrum der Bemühungen stand seitens FIFA offenbar die Absicht, das Spiel schneller zu machen. Zwei ganz einfache Massnahmen haben sich dabei bewährt. Dem Zeitschinden beim Seiteneinwurf konnte einfach ein Riegel geschoben werden, indem der Schiedsrichter den Ballbesitz konsequent dem Gegner zuspricht, wenn es zu lange dauert. Nachdem dies zwei-, dreimal so umgesetzt wurde, war das bereits in den Köpfen der Spieler drin, das ärgerliche Zeitschinden am Spielfeldrand entfiel.
Ähnliches liess sich auch bei Pseudo-Verletzungen feststellen: Wer sich am Boden windet, bis die Pfleger kommen, muss für eine Minute draussen bleiben, so die neue Regelung, ganz grob skizziert. Das zeigte massiv Wirkung, indem sich manch selbst ernanntes «Opfer» – teils etwas beschämt – wieder erhob, nachdem das Simulieren offenbar keine Wirkung gezeigt hatte.
Eine andere Justierung mit dem Ziel, das Spiel schneller zu machen, muss allerdings als gescheitert betrachtet werden. Nämlich die Direktive, das Spiel um jeden Preis laufen zu lassen. In der Form, in der diese Maxime in manchen Spielen Anwendung fand, hat sie nämlich unsportlich-destruktives Verhalten nicht nur ermöglicht, sondern geradezu begünstigt. Im Negativen seien da insbesondere Paraguay und phasenweise Argentinien erwähnt. Als Fussballfan will ich Zuckerpässe sehen, Tänzel-Dribblings und vertikale Ballstafetten, Brillanz halt. Fairen Sport und keine Schlägertruppen.