Teil der Entstehung sein
05.04.2024 Boswil, Region OberfreiamtDie erste offene Probe «Rein-Hören» des Künstlerhauses Boswil war ein toller Erfolg
Im Rahmen des Musikfestivals «Boswiler Frühling» hat sich die künstlerische Leitung, bestehend aus Julia Fischer und Benjamin Nyffenegger, etwas ...
Die erste offene Probe «Rein-Hören» des Künstlerhauses Boswil war ein toller Erfolg
Im Rahmen des Musikfestivals «Boswiler Frühling» hat sich die künstlerische Leitung, bestehend aus Julia Fischer und Benjamin Nyffenegger, etwas Besonderes einfallen lassen: Sie öffneten gestern Nachmittag bei den Proben für die anstehenden Konzerte vom Wochenende ihre Türen. Über 60 Personen folgten dieser Einladung.
Celeste Blanc
Stürmisch sind die Melodien, die aus der Alten Kirche im Foyer weiterklingen. Hier, wo Musikbegeisterte und Interessierte auf den Einlass in die Probe warten, verband sich das gekonnte Spiel der Musikerinnen und Musiker mit dem farbenfrohen Ausblick auf die blühenden Wiesen rund um die Alte Kirche zu einer besonderen Szenerie: Passend zum anstehenden Musikfestival an diesem Wochenende zeigt sich auch die Natur von ihrer schönsten Seite. Mit dem «Boswiler Frühling» feiert das Künstlerhaus an diesem Wochenende eine Premiere – und eröffnet die Musiktage gleich mit einem neuen Konzept: Jede und jeder, der mag, soll an den ersten gemeinsamen Proben der involvierten Musikerinnen und Musiker dabei sein dürfen. Dass gleich über 60 Personen der Einladung folgten, ist für Benjamin Nyffenegger ein toller Erfolg. «Das Bedürfnis scheint da zu sein. Es ist gut denkbar, dass wir das an künftigen Anlässen übernehmen und ausbauen werden.»
Ein anspruchsvolles Stück
An diesem Nachmittag lauschten die Anwesenden gespannt den wilden Melodien, die durch rhythmisch anspruchsvolle Übergänge in sanfte Kompositionen übergeleitet wurden. Nicht ganz ohne Diskussion seitens der Musizierenden. «Achtung, das Tempo ist zu schnell», meint etwa Violinistin Julia Fischer und Andreas Janke an der ersten Violine gibt den Einsatz für die verschiedenen Stimmen.
Dass mit dem Oktett von George Enescu ein sehr anspruchsvolles Stück auf dem Probenplan steht, das lassen sich die Musizierenden nicht anmerken. Reich an Tempowechseln und rhythmischer Komplexität ist das Werk des rumänischen Komponisten aus dem Jahr 1900. Die rhythmischen Verschiebungen seien es, welche das Stück bei Musikern berüchtigt machen, so Nyffenegger, der in den gestrigen Probenachmittag einleitete. «Das Stück ist wahnsinnig und grossartig zugleich.» Durch die unterschiedlichen Melodien, die in ihrer Vielfalt rumänischen Folk beinhalten, der jedes Mal anders verarbeitet wird, und durch seine rhythmische Komplexität sei das Stück eine ganz besondere Herausforderung. «Doch das macht das Stück gerade so umwerfend und spektakulär.»
Verbindung auf Bühne spürbar
Wie das Stück auf der Bühne nach und nach durch den Austausch der Musizierenden an Präzision gewinnt, ist ein Genuss für die Ohren. Majestätisch und schwer legen sich die Melodien in den hohen Raum der Alten Kirche, bauen sich fulminant auf, worauf ein Bruch folgt, dem weiche gezupfte Abschnitte auf der Violine die Intensität nehmen.
Ganz im Sinne des Festivalmottos «Begegnungen», das die freundschaftlichen Verbindungen zwischen Musikerinnen und Musikern sowie ihrem Schaffen, ihren Werken, aber auch bei gemeinsamen Kompositionen ins Zentrum rückt, gewinnt das Stück mit jedem Austausch des Ensembles an neuer Klarheit. Dass dabei von den acht Musizierenden Andreas Janke, Lena Neudauer, Eva Zavaro, Julia Fischer, Nils Mönkemeyer, Wen Xiao Zheng, Maximilian Hornung und Benjamin Nyffenegger erst zwei dieses Stück in ihrer Karriere gespielt haben, macht die offensichtliche Harmonie zwischen den Musikern umso erstaunlicher. «Die Proben sind wirklich erstaunlich gut gegangen», so Nyffenegger. Man merke, dass die Teilnehmenden am Festival auch sonst untereinander freundschaftliche Beziehungen pflegen. Dank den Proben habe man die Möglichkeit gehabt, sich bei der Arbeit nach aussen zu präsentieren. «So konnte das Publikum gemeinsam mit uns Musikern in das Stück wachsen und zusehen, wie es immer mehr Gestalt annimmt und heute Abend dann präsentiert wird», erklärt Nyffenegger.
Das Programm
Das Musikfestival «Boswiler Frühling» startet heute Freitag um 20 Uhr mit dem Titel «Widmungen», unter welchem Werke von César Franck, Eugène Ysaye und Georg Enescu zum Besten gegeben werden. Morgen Samstag folgt ab 11 Uhr die Matinee der russischen Klassik mit «The Big Five oder das russische ‹mächtige Häuflein›». Abends um 20 Uhr folgt eine Auswahl an Liedern der «Groupe des Six». Am Sonntag, 7. April, kann ab 11 Uhr den Werken von Johannes Brahms, Albert Dietrich und Robert Schumann gelauscht werden. Um 17 Uhr folgt der abschliessende Konzertteil «Romantische Begegnungen», in dem Johannes Brahms, Joseph Joachim und Robert Schumann präsentiert werden.